realfragment
/blog/
« Meine Wiederentdeckung der Farbe

Frontlinsenschutz im Eigenbau

Permalink | Verfaßt am 20.12.07 um 05:46 Uhr | Kategorien: DIY, Praxis

Das Problem

Frontlinsenschutz

Die "Problemobjektive" mit montierter Streulichtblende und Deckel

Beim Fotografieren empfiehlt sich die Verwendung von Streulichtblenden, insbesondere bei der Digitalfotografie ist die Verwendung geradezu ein Muss. Die Streulichtblenden an meinen Objektiven sind daher dauerhaft montiert. Nun gibt es verschiedene Bauweisen von Streulichtblenden. Bei neueren Objektiven werden die Streulichtblenden fast immer mittels eines Bajonetts (Beispiel: Nikkor AF-S DX ED18-70/3.5-4.5G) angebracht. Das bedeutet, dass die Streulichtblende keinen Einfluss auf die Verwendung des serienmässigen Frontdeckels hat.

Bei vielen älteren Objektiven wird die Streulichtblende aber in das Filtergewinde (Beispiel: AF Nikkor 50/F1.8D) eingeschraubt. Das bedeutet aber, dass der serienmässige Schnappdeckel unter Umständen nicht mehr verwendet werden kann, da das Filtergewinde gewissermaßen "belegt" ist und die Streulichtblende keine Aufnahme (z.B. Innengewinde) für den Schnappdeckel besitzt.

Ich benutze für das AF Nikkor 28/F2.8, das AF Nikkor 50/F1.8D und das AF Nikkor 85/F1.8 markenfremde Metall-Streulichtblenden und für das AF Nikkor 80-200/F 1:2.8 ED die Original-Streulichtblende HN-28. Alle diese Blenden werden in das Filtergewinde eingeschraubt und bieten keine Aufnahme für den serienmässigen Schnappdeckel. Es sind auch keine Schnapp- oder Aufsatzdeckel in Durchmessern, die in oder auf die Blenden passen würden, erhältlich - ich habe zumindest keine gefunden...

Das heißt, man steht vor der Wahl, die Objektive nicht mit dem serienmässigen Schnappdeckel zu schützen oder bei jedem Wechsel auch die Streulichtblende zu montieren bzw. demontieren, um dann den Schnappdeckel nutzen zu können. Das permanente Montieren und Demontieren der Streulichtblende scheidet für mich aus. Der Grund dafür ist weniger die Angst vor einer Beschädigung des Filtergewindes (obwohl auch das bei dauerndem Streulichtblendenwechsel passieren kann) zu suchen. Mir dauert das einfach zu lange. Wenn ich Objektive wechsele, dann möchte ich, dass dies schnell vonstatten gehen kann. Ich habe auch keine Lust auf Streulichtblendensucherei in meinem Rucksack oder meiner Tasche.

Bisher habe ich mir so geholfen, dass ich die Objektive auf der Streulichtblende stehend gelagert oder transportiert habe. Der Abstand, den die Streulichtblende zur Frontlinse schafft, stellt ja bereits einen gewissen Schutz dar. Es sind aber Bedingungen denkbar, unter denen dieses "Konzept" an seine Grenzen stößt: wenn es doch mal etwas hektischer zugeht, dann wird das Objektiv auch mal in die Tasche gelegt statt gestellt. Oder es landet im falschen Fach, wo bereits ein anderes Objektiv darauf wartet, mit seinem Rückdeckel die Frontlinse des darauf abgestellten zu verkratzen; oder im Fach liegt halt doch mal der Schlüsselbund - was bis jetzt glücklicherweise noch nicht eingetreten ist. Aber: Das Risiko existiert, und je länger es existiert, desto wahrscheinlicher tritt der Schadensfall einmal ein.

Es war also klar: Irgendeine Art "Deckel" muss her. Die Anforderungen sind nicht sonderlich hoch; das muss keine kugelsichere Lösung sein, lediglich ein Schutz gegen Beschädigung beim Transport.

Handelsübliche Lösungen

optech stellt eine Art "Säckchen" (beispielsweise bei monochrom.com erhältlich) her, die man über die Streulichtblende stülpt. Das ganze sieht ja gar nicht schlecht aus, ist mir allerdings etwas zu teuer für etwas Neopren und ein paar Kleinteile (wobei man fairerweise sagen muss, dass der Preis nicht astronomisch hoch ist und diese Lösung für denjenigen, der eine fertige Lösung einer Bastelei vorzieht, sicherlich die bessere ist).

Die Eigenbau-Lösung

Die Eigenbaulösung besteht prinzipiell aus einem Deckel, der in der Streulichtblende steckt. Da die Streulichtblende keine Aufnahmen besitzt, muss dieser Deckel von alleine halten - also durch Reibung. Er soll schnell montiert und demontiert werden können. Er soll auch im Dunkeln einfach handhabbar sein, und er sollte einfach in der Beschaffung und Herstellung sein. Je weniger er kostet, um so besser (auch dann, wenn man ihn verliert).

Ich kam also auf die Idee, einen Schaumstoff zu verwenden, der in die Gegenlichtblende gesteckt wird. Den Schaumstoff liefert ein Stück Isomatte (das Material sollte möglichst geschlossenporig sein, um Krümeln und "Ausfransen" zu verhindern). Mittels eines Griffbands soll der Deckel auch mit Handschuhen schnell zu entfernen sein.

Frontlinsenschutz

Fertige Deckel

Die Herstellung gestaltet sich recht einfach: Es werden zwei Kreisflächen aus der Isomatte geschnitten, deren Durchmesser dem Innendurchmesser der Streulichtblende am objektivfernen Ende entspricht. Besser gesagt: nicht genau entspricht, die Kreise sollten minimal größer im Durchmesser sein. Eigentlich würden sie damit nicht mehr in die Streulichtblende passen, aber da der Schaumstoff flexibel ist, bleibt der Deckel später ganz wunderbar - auch gegen die Schwerkraft - an seinem Platz.

Die Flexibilität des Schaumstoffes sorgt auch dafür, dass es überhaupt nichts ausmacht, wenn der Kreis nicht ganz kreisrund ist, weil man nicht Meister im Schaumstoffschneiden ist... Freilich: Je genauer geschnitten, desto schöner sieht's aus. Ich für meinen Teil will aber keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sondern einen zweckmässigen Deckel bauen. Deshalb bin ich mit meinen nicht ganz kreisrunden Kreisen zufrieden.

Frontlinsenschutz

Detailaufnahme des Schnitts mit Griffband

Den ersten Kreis lässt man so, wie er ist, in den zweiten Kreis schneidet man an zwei gegenüberliegenden Stellen einen kleinen radialen Schnitt. Dieser Schnitt dient der Griffmontage. Auf irgendeine Art und Weise muss man den Deckel ja auch aus der Streulichtblende entfernen können. Man könnte zwar die Streulichtblende demontieren und den Deckel herausstoßen, doch halt: Streulichtblendendemontage soll ja nicht mehr nötig sein! Der Griff besteht aus einer Kordel (ich habe einen handelsüblichen Herrenschnürsenkel dafür verwendet). Die Kordel wird ducrh die beiden Schnitte geführt, so dass jeweils ca. 15mm Überstand entsteht. Dieser Überstand wird mit Heißkleber fixiert.

Die Seite mit den fixierten Schnürsenkelenden stellt die Innenseite des Deckels dar. Nun kommt wieder der erste Kreis ins Spiel. Mit der Heißkleber wird der erste Kreis auf den zweiten geklebt. Fertig!

Ich habe in weniger als einer Stunde für alle meine "Problemobjektive" einen Deckel gebaut. Das schöne an diesen Deckeln ist, dass man sie in jedem beliebigen Durchmesser herstellen kann. Auch eckige Deckel, z.B. für Kompendien wären denkbar. Zu beachten ist lediglich, dass bei zunehmendem Durchmesser sich die Verwendung einer zusätzlichen Lage Schaumstoff empfiehlt, um die Steifigkeit zu erhöhen. Das hängt aber natürlich auch von der Dicke des verwendeten Schaumstoffes ab. Beim Deckel für das AF Nikkor 80-200/F 1:2.8 ED habe ich beispielsweise drei Lagen verwendet.

Zu guter Letzt habe ich noch mit einem Lackstift (edding 750 paint marker) eine Markierung angebracht, die mir hilft, jeweils den passenden Deckel zu verwenden - die Brennweite des jeweiligen Objektives erschien mir als Merkmal plausibel...

Der Nachbau ist natürlich erlaubt. Ich freue mich über Mitteilungen über Verbesserungen oder besonders gelungenen Konstruktionen. Ich übernehme keinerlei Haftung für jegliche wie auch immer geartete Schäden, die sich direkt oder indirekt durch die Herstellung oder den Gebrauch oder Nichtgebrauch des Frontlinsenschutzes ergeben.

Dieser Artikel ist mir was wert:

Was ist das?

Anzeige

Noch kein Feedback

Suche

Links

powered by b2evolution free blog software

© Patrick G. Stößer. Keine Verwendung ohne vorherige Genehmigung des Urhebers.
Impressum   |   Datenschutzhinweis
Powered by b2evolution   |   Skin based on asevo skin, modified and extended by Patrick G. Stoesser.