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Praxistest: Newswear Mens Medium Chestvest

 Verfaßt am 05.06.10 um 17:39 Uhr, von , Kategorien: Praxis, Technik , Tags: , ,

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Die Newswear Mens Medium Chestvest

Die Suche nach dem richtigen Rucksack oder der richtigen Tasche ist eine unendliche Geschichte; f├╝r Tragesysteme gilt das gleiche. Ich selbst bin mittlerweile der Ansicht, dass eine Universall├Âsung nicht existiert und dass es zielf├╝hrender ist, f├╝r verschiedene Anwendungsgebiete passende L├Âsungen zu suchen.
F├╝r den Transport der Ausr├╝stung benutze ich einen Holst L (Holst hat die Produktion leider eingestellt) oder eine bagaboo Workhorse (das ist keine spezifische Fototasche) oder beide zusammen. Damit bin ich auch ganz zufrieden.

Ich muss aber immer wieder einen Nachteil von R├╝cks├Ącken feststellen: Man muss zum Objektivwechsel den Rucksack abnehmen. Das ist auch oft kein Problem, aber wenn es schnell gehen muss, weil man sich in einer dynamischen Umgebung befindet, kann das etwas nerven. Man k├Ânnte auch mit zwei Geh├Ąusen fotografieren, aber ich finde in einigen Situationen ein Geh├Ąuse angenehmer - dazu sp├Ąter noch mehr.

Versuche mit einer klassischen Schultertasche haben sich als unbefriedigend erwiesen: Man kommt zwar in der Tat gut an alles ran, aber erstens wird die Last nicht wirklich r├╝ckenschonend verteilt, sondern h├Ąngt halt auf einer Schulter, und zweitens kann ich damit nicht gut rennen. Am Rucksack als "Basislager" f├╝hrt daher meines Erachtens kein Weg vorbei. Nett w├Ąre es aber, wenn man die Teile der Ausr├╝stung, die man h├Ąufig braucht, irgendwie so anbringen k├Ânnte, dass man schnell drankommt.

Bei mir kommt eine ganz spezielle Anforderung dazu: Ich muss radfahren k├Ânnen. Ich fotografiere oft Events, auf denen ich selbst mit dem Rad unterwegs bin. Da w├Ąre auch ein Schnellzugriff auf die Kamera ganz nett - bisher muss ich bei l├Ąngeren Strecken immer kurz anhalten, um die Kamera zu verstauen. In letzter Zeit behalf ich mir damit, die Kamera mittels eines Zusatzkarabiners am G├╝rtel oder Schultergurt des Rucksacks einzuh├Ąngen. Das funktioniert, ist aber ein gewisses Gebaumel. Und mit zwei Geh├Ąusen am K├Ârper w├Ąre das gar nicht mehr machbar, zumal das die Kombi D200/D300, jeweils mit Bateriegriff und dazu 17-55/2.8 und 70-200/2.8 w├Ąre.

Wir fassen zusammen: Ein Rucksack muss weiterhin verwendbar sein, ich m├Âchte rennen (in die Hocke gehen, irgendwo hinaufklettern, irgendwo herunterspringen) k├Ânnen, ich m├Âchte radfahren k├Ânnen, ich m├Âchte schnell an einige Sachen kommen und dazu nicht immer den Rucksack absetzen m├╝ssen. Wenn ich dann noch die Kamera selbst in Bereitschaft verstauen kann, um so besser.

Was ich hingegen nicht brauche, sind so Dinge wie "Tarnung" (dazu f├Ąllt mir spontan die Cloakbag ein, zu der Sascha Rheker einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben hat), Kompass, 20mm-Polsterung aus Weltraummaterialien gefertigt, "Shock-Absorber" und dergleichen einzigartige Features mehr.

G├╝rtel-Taschen-Systeme (in meinem Falle Lowepro Street&Field) kommen den Anforderungen schon sehr nahe, waren mir pers├Ânlich durch die dicke Polsterung aber vom Packma├č zu volumin├Âs. Und das 70-200 in der G├╝rteltasche G├╝rtel war mir dann etwas zu baumelig. Vor allem liegen gr├Â├čere Taschen schnell am Boden auf, wenn man in die Hocke geht.

H├Ąnde frei: Objektiv unter den Gurt geklemmtDas funktioniert auch mit gr├Â├čeren Objektiven wie dem 70-200/2.8Ich entscheid mich nach anf├Ąnglichen Z├Âgern (es gibt wenig Berichte im www zu finden, auch die Abmessungen der Taschen sind nicht genau beschrieben), es einmal mit der Chestvest von Newswear zu versuchen. Ich muss sagen, ich bin begeistert: Das ist es!

Die Chestvest (ich habe die Mens Medium-Version gekauft), ist aus 420 Denier Crinkle Nylon (Herstellerangabe) gefertigt und hat zwei kleine und zwei gro├če Taschen, die jeweils noch ├╝ber kleinere Zusatztaschen verf├╝gen. Die Haupttaschen sind nur leicht gepolstert, so dass die Chestvest sich klein zusammenfalten l├Ąsst.
Man tr├Ągt die Chestvest vor dem Bauch, wobei man die Gurte wie Hosentr├Ąger (gekreuzt oder gerade) ├╝berzieht. Am R├╝cken wird der H├╝ftgurt geschlossen. Die Chestvest l├Ą├čt sich auch auf dem R├╝cken oder ├╝ber einer Schulter tragen.

Platz ist ausreichend f├╝r ein Standardsetup vorhanden. Ich bekomme einen SB-900 und SD-8a, das Tokina 11-16/2.8, das Nikon 70-200/2.8 (mit umgedrehter Streulichtblende passt es ganz in die Tasche, mit aufgesetzter Streulichtblende ragt es etwas heraus, die Tasche l├Ą├čt sich aber noch schlie├čen) und einen Belichtungsmesser hinein - es ist noch Platz frei.

Kleines Packma├č: Die zusammen­gefaltete Chestvest Das pa├čt hinein:
Tokina 11-16/2.8, Nikon 17-55/2.8, Nikon 70-200/2.8, SB-900 mit SD-8a, Bel­ich­tungs­messer, Funk, Kleinkram. Nor­maler­weise w├Ąre eines der Objektive bereits an der Kamera.
Die Innenma├če der beiden ├Ąu├čeren Taschen sind (BxHxT; cm) ca. 13x15x5; die der beiden inneren Taschen ca. 14x24x8. Auf den Deckeln der Taschen befinden sich nochmals kleinere aufgesetzte Taschen mit den Innenma├čen (BxH; cm) ca. 13x16 (├Ąu├čere Deckel) und ca. 12x17 (innere Deckel). An der dem K├Ârper zugenwandten Innenseite befinden sich nochmals zwei Einsch├╝be in den Ma├čen (BxH; cm) von jeweils ca. 11x15.
Die Taschen lassen sich etwas vergr├Â├čern, wenn der Deckel nicht ganz geschlossen wird. Die Deckell├Ąnge und die Klettverschl├╝sse geben das her. Abgeschlossen ist die Tasche dann nat├╝rlich nicht mehr.

Der Tragekomfort ist gro├čartig. Das Gewicht der Ausr├╝stung wird ├╝ber beide Schultern verteilt (nat├╝rlich ist es noch da, da hilft nichts). Rennen ist ├╝berhaupt kein Problem. Auch Radfahren ist ganz wunderbar, wenn auch klar sein d├╝rfte, dass man nicht unbedingt in extremen Aeropositionen unterwegs sein kann.
Sehr sch├Ân (den Trick habe ich von Craig Shipp) ist die M├Âglichkeit, die Kamera bzw. das Objektiv einfach unter einen Tr├Ąger zu klemmen. Die Kamera ruht dann auf den Taschen und wird vom Tr├Ąger gehalten - so hat man ganz schnell beide H├Ąnde frei und kann, hurra, sogar Rad fahren und dabei die Kamera schnell bereit haben. Das funktioniert sogar mit dem 70-200.

Craig Shipp zeigt das alles auch nochmal in einem Video:

├ťber das ├Ąu├čere Erscheinungsbild der Chestvest wird im www viel geredet - die Assoziation zu Selbstmordattent├Ątern f├Ąllt immer mal wieder. Nat├╝rlich ist die Chestvest in gewisser Weise ungew├Âhnlich, aber mir ist es im mitteleurop├Ąischen Raum noch nicht passiert, dass man mich damit ├╝ber Geb├╝hr schr├Ąg angeschaut hat. Auff├Ąlliger als die Kamera d├╝rfte die Chestvest auch nicht sein, und wenn man sie auf dunklen Klamotten tr├Ągt, f├Ąllt sie aus einiger Entfernung nicht mehr auf. Ich bin sowieso der Meinung, dass das Verhalten des Fotografen mehr seine Wahrnehmung bei anderen bestimmt, als seine Ausr├╝stung - aber das nur am Rande.

Die Taschen der Chestvest werden mit gro├čfl├Ąchigen Klettverschl├╝ssen verschlossen. Das kann in l├Ąrmsensiblen Bereichen problematisch sein, denn das ├ľffnen der Taschen ist ziemlich laut. Abhilfe schafft ein vorheriges ├ľffnen und Einschlagen der Deckel nach innen - dann sind die Taschen aber dauerhaft offen. Man kann aber auch einen Teil der Klettfl├Ąche mit passendem Klettband (Meterware, erh├Ąltlich z.B. im Baumarkt) "deaktivieren".

Die Newswear Chestvest geh├Ârt zu jenen Dingen, bei denen man sich nur ├╝ber eines ├Ąrgert: Dass man sie nicht schon fr├╝her gekauft hat.

Die Newswear-Produkte sind in Deutschland ├╝ber isarfoto erh├Ąltlich. Bei eBay.com finden sich auch immer wieder Produkte von Chestvest. Wer den internationalen Versand und die Einfuhrumsatzsteuer nicht scheut, kann so noch ein paar Euro sparen.

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Durschn. Benutzerwertung:
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Kommentar von: Uwe Mayer [Besucher]  
Uwe Mayer
5 stars

Gute Idee, das Packvolumen ist echt beeindruckend. Ein Tipp: denk doch mal dr├╝ber nach den Kameragurt mit den Schultergurten der Chest Vest zu verheiraten. Schnell l├Âsbar nat├╝rlich, bspw. mit Fastexschnallen im Kameragurt. Die Kamera ist jederzeit greifbar, je nach Gurtl├Ąnge muss sie zum fotografieren nicht unbedingt getrennt werden, mit den Schnallen kann sie schnell gel├Âst und ein klassischer Gurt montiert werden und das Gewicht liegt auf den Schultern, nicht auf dem Nacken.

Selbst verwende ich ein milit├Ąrisches Load Bearing System, erg├Ąnzt um Kameragurte von Optech/USA (Blogpost unter dem Link oben). Wenn Du nach einem Tag Rennerei auf’m Festival (mit voller Ausr├╝stung) keine Schmerzen vom Tragen hast, dann ist Dir der Look wirklich egal.

06.06.10 @ 08:52
Kommentar von: [Mitglied]

Ich habe auf mehrere Anfragen noch die Ma├če der Taschen erg├Ąnzt. Das sind nat├╝rlich ca-Ma├če, und ich empfehle auch nicht, jetzt auf den Milimeter genau das Equipment zu vermessen. In den Taschen sollte schon noch etwas Luft sein, ansonsten wird das Handling sehr unbequem.

06.06.10 @ 17:48
Kommentar von: Sascha Rheker [Besucher]
Sascha Rheker

Das Video zeigt vor allem eins: Video erfordert die Beherrschung von zwei Technologien: Bild und Ton.

29.06.10 @ 00:26
Kommentar von: A.P. [Besucher]
A.P.

Ein paar pers├Ânliche Anmerkungen und Erg├Ąnzungen, nur so zur Anregung:

Zun├Ąchst: Die Weste finde ich auch toll, ein Freund hat sie (ich glaube, die gro├če Ausgabe). Ich w├╝rde ihr aber Punktabzug geben, da sie ein gro├čes Manko hat: Sie verschlei├čt recht schnell. Nach einigerma├čen regelm├Ą├čiger Benutzung schlie├čen die Klettverschl├╝sse ├╝berhaupt nicht mehr, so abgenudelt sind die dann.

Dann: F├╝r Drinnen-Events ist die Weste f├╝r meinen Geschmack etwas zu pr├Ąsent, zu heavy im optischen Erscheinungsbild. Hierf├╝r kann ich die “Skin Compoments” von Thintankphoto empfehlen. Die Skin-Pouches lassen sich bspw. prima am G├╝rtel befestigen (ich habe einen von Newswear). Nettes Details: F├╝r leise Situationen lassen sich die Klettverschl├╝sse abdecken…

Und zu guter Letzt: Um die Kamera unterwegs am Rucksack zu befestigen, schw├Âre ich derzeit auf Backpack-Straps von OP/TECH USA. Findet man auf der Website unter “System Connectors"; das Teil “Reporter/Backpack” macht man dann an den Schulterriemen des Rucksacks fest und an der Camera hat man dann die passenden Connectors. Ich habe auch schon andere Rucksack-Befestigungssysteme ausprobiert, bspw. den Capture Clip von Peak Design. Der kostet aber ein Vielfaches, ist schwerer - und gr├Â├čter Nachteil ist, dass der nur bedingt f├╝r DSLR geeignet ist, da das Gewicht schon sehr einseitig am Schulterriemen (an nur einem) h├Ąngen w├╝rde. Vorteil von den Backpack-Straps ist au├čerdem, dass, wenn lang genug, man auch Schnappsch├╝sse machen kann, ohne die Kamera abzuclippen.

Gr├╝├če!

PS. Aber ganz wie Du schreibst: Die Suche nach dem richtigen Gear ist eine unendliche Geschichte… :)

24.07.13 @ 11:42


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