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Symbolbilder / Qualit├Ątsjornalismus

 Verfaßt am 30.10.10 um 19:45 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, die weite Welt des www

Dieser Artikel ist mir was wert: Was ist das?

Symbolbilder sind eine Krankheit unserer Tage. Befeuert durch Bilderflut und schnelle Verf├╝gbarkeit, m├╝ssen Symbolbilder noch nicht einmal mehr in klassischem Sinne Text illustrieren, also erl├Ąutern, sondern einfach den Artikel schm├╝cken - "Haben wir ein Bild dazu?"

Symboldbild auf Spiegel OnlineSymbolbild auf Spiegel Online

An diese Schmuckbilder haben wir uns alle gew├Âhnt, und angesichts dieser Gew├Âhnung ist uns dies eigentlich keiner Rede mehr wert.

Symbolbilder sind ja nicht per se b├Âse. Dumm (oder am├╝sant, je nach Betrachtungsweise) wird es aber immer dann, wenn Bilder gar nichts zeigen. Ein fiktiver Klassiker w├Ąre ein Artikel ├╝ber Strompreise, illustriert mit einem Freileitungsmast und der Bildunterschrift "Stromleitung: Wird Strom teurer?"

Auf die Spitze getrieben wird diese Diskrepanz zwischen Form und Inhalt aber immer dann, wenn Bilder das Gegenteil dessen zeigen, was sie eigentlich illustrieren sollen. Mein neuester Favorit: Ein Schmuckbild zum ansonsten lesenswerten Artikel "Aufnahmen mit der Kamera-Automatik" auf Spiegel Online zeigt eine Kamera mit der Bildunterschrift "Unkompliziert: Die Automatik der Kamera liegt meistens richtig".

Der Haken an der Sache: Die Kamera ist mit dem M-Modus auf alles andere als eine unkomplizierte Automatik eingestellt (na gut, immerhin Whitebalance ist im Automatik-Modus...). Die abgebildete Nikon D700 besitzt ├╝brigens gar keine Vollautomatik, auf die der Artikel abstellt.

Ob man solch nebens├Ąchliche Kleinigkeiten zum Anla├č nehmen sollte, das Wort "Qualit├Ątsjournalismus" in die Runde zu werfen, ├╝berlasse ich jedem Einzelnen. Meine Kritik (oder Meckerei, je nach Betrachtungsweise) zeigt aber auch, dass sich zu jedem Symbolbild ein Besserwisser findet, der sich besser mit dem Abgebildeten auskennt als derjenige, der das Bild ausgew├Ąhlt hat...

UPDATE
Oh, oh, oh. Gerade habe ich noch etwas gesehen, das die Diskussion um "Qualit├Ątsjournalismus" doch noch ernsthaft rechtfertigen k├Ânnte. So hei├čt es in dem Artikel: "Sinnvoll kann auch die Entscheidung f├╝r eine halbe Automatik sein: Bei der Zeitautomatik wird die Belichtungszeit vorgegeben und die Blende automatisch eingestellt. [...] [Die] Blendenautomatik [...] wird mit einer vorgew├Ąhlten Blende [...] [eingestellt], die Kamera ermittelt dazu die jeweils erforderliche Belichtungszeit."
Das ist aber falsch. Richtig ist: Bei der Zeitautomatik (auch Blendenvorwahl genannt) wird die Blende vom Fotografen vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Belichtungszeit ein. Bei der Blendenautomatik (auch Zeitvorwahl genannt) wiederum wird die Belichtungszeit vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Blende ein.

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3 Kommentare

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Durschn. Benutzerwertung:
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Kommentar von: [Mitglied]

Oh, noch eine Sache am Rande: Die abgebildete Kamerahaltung ist ja …entlarvend.

30.10.10 @ 20:01
Kommentar von: Flo [Besucher]
Flo
4 stars

@PGS: Dabei ist noch nicht mal LiveView an ;D

06.06.11 @ 19:24
Kommentar von: Peter Steinbr├╝ck [Besucher]
Peter Steinbr├╝ck

@pgs: Genau. Der Profi nimmt den Daumen.

24.06.11 @ 22:02


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