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Tag: "bildmanipulation"

Über die Suche nach der "besten FĂ€lschung" und einen problematischen Begriff

 Verfaßt am 18.03.10 um 13:08 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, ins Auge gesprungen, die weite Welt des www , Tags: , ,

Eine FĂ€lschung ist eine Unwahrheit, eine LĂŒge. Das Wesen einer FĂ€lschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist. Ein FĂ€lschung ist also ein Betrug, ein FĂ€lscher also ein BetrĂŒger

Auch im Bereich der Fotografie gibt es, das wissen wir alle, FĂ€lschungen. Das PhĂ€nomen dĂŒrfte so alt sein die wie Fotografie selbst. SpektakulĂ€re BildfĂ€lschungen sind die Retusche von Trotzki durch die sowjetische Zensur, in jĂŒngere Zeit die Verwandlung von Wasser- zu BlutpfĂŒtzen nach dem Anschlag von Luxor durch die schweizer Boulevardzeitung Blick (1997) oder die BildfĂ€lschung des Reuters-Fotografen Adnan_Hajj (2006) und, ganz aktuell, die Disqualifikation Stepan Rudiks beim World press photo award.

Nun ist nicht jede Bildmanipulation eine BildfĂ€lschung im moralischen Sinne von LĂŒgen. Dass die zahlreichen Personen auf den Titelbildern der TV-Programmzeitschriften geschönt sind, dĂŒrfte bekannt sein. Dass in der Werbung massiv manipuliert wird, sollte Allgemeingut sein. DarĂŒber regt sich niemand auf.

Dennoch: Selbst in Bereichen, in denen massive Bildmanipulation gesellschaftlich akzeptiert ist und nicht als "LĂŒge" wahrgenommen wird, wĂŒrden sich die Bildbearbeiter nicht freiwillig als "FĂ€lscher" bezeichnen. Und die meisten wĂŒrden sich wohl verbitten, als "FĂ€lscher" tituliert zu werden.

Umso verwunderlicher ist es, dass in einer momentan laufenden Blogparade aufgefordert wird, "deine beste FĂ€lschung" zu publizieren. Keine Sorge, was man da zu sehen bekommt, sind keine falschen Geldscheine, keine Außerirdischen in Berlin, keine Angela Merkel, die lachend KĂŒken in einen Fleischwolf steckt. Es sind zumeist noch nicht einmal "richtige" FĂ€lschungen, sondern Collagen, Montagen, Retuschen, Composings.

Alles halb so wild also? Warum die ganze Aufregung hier?

Was mich stutzen lĂ€ĂŸt, ist die Verwendung des Begriffes "FĂ€lschung". Warum fragt man in der Blogparade nach "deiner besten FĂ€lschung"? Warum nicht nach "deiner besten Bildmanipulation"? Okay, das ist etwas sperrig – wie wĂ€re es mit "deine beste Montage" oder "dein bestes Composing"? Eine begriffliche Kleinigkeit, die aber einen gewaltigen Unterschied macht! WĂ€re ich ĂŒber "dein bestes Composing" gestolpert, hĂ€tte ich mir das angeschaut, gegebenenfalls hier gelacht, da gegĂ€hnt, dort gestaunt.

So aber wundere ich mich, wie unreflektiert hier mit dem Begriff der FÀlschung umgegangen wird. Sicherlich hat sich der Initiator der Blogparade nichts Böses dabei gedacht, aber nichts Böses gedacht ist mir hier zu wenig.
Ebenfalls verwunderlich ist, dass sich die Teilnehmer diesen Schuh so mir nichts, dir nichts anziehen. Immerhin ist jemand, der stolz seine "beste FÀlschung" prÀsentiert, streng dem Wortlaut nach ein FÀlscher.

Einige Teilnehmer haben aber offenbar ebenfalls Bauchschmerzen mit diesem Begriff. So macht sich Jan-Paul Nachtwey auf japana.de Ă€hnliche Gedanken wie ich und thematisiert recht ausfĂŒhrlich die Geschichte der Manipulation in der Fotografie.
Auch Jana von janasworld.de meint "[...] eine schwierige Frage. Denn wann hört Retusche/Bildoptimierung auf und wann fÀngt FÀlschung an. Wenn der Himmel etwas blauer wie blau ist, ist es dann nur eine Optimierung oder schon eine FÀlschung?".
Und auch der stilpirat hat Bedenken: "Nun, 'FĂ€lschung' ist ein großes Wort. Ich persönlich hab da so meine Schwierigkeiten. Ich greife hin und wieder etwas tiefer in ein Foto ein... wĂŒrde es 'Bildbearbeitung' nennen – schlimmstenfalls 'Bildmanipulation'... aber fĂ€lschen, naja..."

UnabhĂ€ngig davon, welches VerhĂ€ltnis man zu Bildmanipulationen hat, halte ich es fĂŒr problematisch, den Begriff der FĂ€lschung so lĂ€ssig zu verwenden und mit der Suche nach der "besten" FĂ€lschung sogar in die NĂ€he einer Auszeichnung zu rĂŒcken.
Manche Begriffe bedĂŒrfen einer gewissen SensibilitĂ€t. Ich persönlich halte die Suche nach der "besten FĂ€lschung" fĂŒr verhĂ€ngnisvoll. Solche Aktionen sind ein (wenn hier auch gewiß sehr, sehr kleines) StĂŒck zu einer Wahrnehmung von Fotografen als Manipulateure am Computer und langfristig einer abnehmenden WertschĂ€tzung von Fotografie.

Nachtrag: Ich hasse solche NachtrĂ€ge, weil sie das in Worte fassen, was fĂŒr mich selbstverstĂ€ndlich ist. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass nicht jeder Leser diese SelbstverstĂ€ndlichkeiten auf meine Artikel anwendet. Das, lieber Leser, mag auch meiner Art zu schreiben liegen.
Daher sei hier ausdrĂŒcklich gesagt, dass es mir nicht um Bashing geht. Im Grunde genommen sind die Personen, auf die ich mich hier beziehe (hier natĂŒrlich vor allem der Initiator der Blogparade), irrelevant. Es geht mir um den Sachverhalt, meinen Standpunkt dazu und nicht darum, Leute zu beleidigen.

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