gumgum: Alte Hüte oder Revolution?
Das Fotografie-Blog berichtet von einem "revolutionären Honorarmodell für Online-Fotos", umgesetzt von der US-amerikanischen Agentur gumgum. Das macht neugierig.
Worin besteht nun das revolutionäre Honorarmodell? Zunächst einmal darin, dass versucht wird, ein in der Printbranche bewährtes Honorarmodell auf die Online-Nutzung zu übertragen.
Wie das in der realen Welt funktioniert, beschreibt das Fotografie-Blog:
Also: ich brauche ein Foto für den Umschlag eines Buches mit einer Auflage von 30′000. Fotograf/Bildagentur schaut in MFM-Liste nach, wählt Preis, fertig. Erscheint eine zweite Auflage, wird nachgezahlt.
Die Vorteile, so das Fotografie-blog, liegen dabei auf der Hand:
[...] beide erzielen ein faires Ergebnis, ist doch der Preis exakt auf den Verwendungszweck, Verbreitung und Nutzung zugeschnitten.
Im Internet ist das alles natürlich nicht so einfach, da eine "Auflagenhöhe" nicht existiert. Man kann im Prinzip lediglich die Anzahl der views (Ansichten) schätzen, unter Umständen anhand Erfahrungswerten. Deshalb sind Honorare für Internetnutzung oftmals von der tatsächlichen Nutzung abgekoppelt.
gumgum also will dieses Problem lösen, und die Lösung ist so einfach, dass man sich zunächst fragt, wieso noch keiner darauf gekommen ist: Der Rechteinhaber überläßt sein Bild gumgum, und gumgum verkauft das Bild. Das Bild wird nun aber nicht an den Käufer weitergegeben, sondern verbleibt auf den gumgum-Servern. Der Käufer bindet das Bild via Flash ein und bezahlt für die pay-per-view-Nutzung. Das bedeutet, gumgum registriert jeden Aufruf des Bildes und rechnet ab. Alternativ kann der Käufer Bilder auch unentgeltlich nutzen - gumgum blendet dann Layer-Ads ein.
Ari Mir, einer der Firmengründer von gumgum, erläutert in einem Kommentar auf The Business of Photography das Modell (CPM steht für cost per mille und ist die Entsprechnung zu TKP):
We have two models, pay-per-use and ad-supported.
With pay-per-use the content owner sets a CPM and every thousand impressions his/her content receives (we track this) the publisher pays the CPM. In this case the content is free of any advertising.
The second licensing model, ad-supported, the publisher does not pay anything out of pocket but in exchange displays an advertisement alongside the content. The advertisement is monetized also on a CPM basis (we track the views again) and the content owner receives the advertising dollars directly into his/her pockets.
Im Prinzip ist das Abrechnungsmodell von gumgum nichts anderes als jenes aus den Anfangszeiten der Bannerwerbung. Das Fotografie-Blog ist, wie viele andere auch (beispielsweise hier oder hier) "begeistert":
Wieso noch niemand vorher auf den Gedanken gekommen ist, das TKP-Modell von Bannerwerbung für Bilder umzukehren, erscheint bei der simpel-cleveren Idee von GumGum verwunderlich.
Nun, vielleicht liegt es einfach daran, dass pay-per-view im Internet-Advertising noch nie richtig funktioniert hat; hier hat sich längst pay-per-click durchgesetzt. Bereits bei pay-per-click sehen sich die Anbieter mit massiven Betrugsproblemen (click-fraud) konfrontiert, bei pay-per-view sind die Manipulationsmöglichkeiten ungleich höher und überdies schwerer in den Griff zu bekommen.
Am Ende sind wir wieder am Ausgangsproblem angelangt, das gumgum lösen will: Pageimpressions bzw. Hits sind einfach zu schwammig, um ein Lizenzmodell aus der Realwelt darauf aufbauen zu können.
[...] in reality, the GumGum model is basically the old hard copy licensing model with a real-time spin.
Auch Jeff Gardner ist eher skeptisch:
I’m skeptical. It sounds like a very big idea, and I may prove to look the idiot but here are my qualms.
This has been attempted before with different strategies. All in all this is very complicated to pull off. Personally I don’t see this working. Basically they are asking for publishers to accustom to their new ways. That is going to be hard to pull off.
Ein anderes potenzielles Problem, das im Moment noch vielen Leuten Bauchschmerzen bereitet, ist die Umsetzung mittels Flash. Auf techcrunch wird dies diskutiert.
Sollte das Lizenzmodell von gumgum funktionieren und angenommen werden, so würde es sicherlich für viele Fotografen einen Weg aus dem Microstock-Dilemma aufzeigen. Vielleicht ist das auch mit ein Grund für die hier und da blind anmutende Begeisterung, die momentan durch das Web brandet.
Auf der Website von gumgum ist nichts darüber zu finden, wie eine verläßliche Abrechnung garantiert werden soll. Angesichts der Tatsache, dass diese Frage der Dreh- und Angelpunkt ist, über den sich die Zukunft dieses Verwertungsmodells entscheiden wird, ist das doch etwas mager. Auch ansonsten gibt sich die Website eher schweigsam. Wahrscheinlich ändert sich das ja noch; ein gelungener Launch sieht aber anders aus.
Sicherlich ist es verfrüht, pessimistisch und überdies eine wilde Mutmaßung, aber vielleicht besteht das Geschäftsmodell des Startups gumgum ja darin, einen Hype anzufachen, möglichst viele Entscheider zu beeeindrucken und in einer kurzen Zeit viel Gewinn zu erzielen, bevor man den Laden wieder dichtmacht. So was soll's ja schon gegeben haben.
Nun, warten wir es ab. Ich bin gespannt, ob dieses Modell sich etablieren kann und ob es geeignet ist, den Bildermarkt erneut zu revolutionieren.
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Über Stöckchenspiele, die Coolen, die Uncoolen und dann doch: Nabelschau
Ich muss es zugeben: Bis heute wußte ich nicht, was Stöckchenspiele sind. Dank kwerfeldein bin ich nun wieder etwas schlauer - genauer dank der Reaktion von fotografr:
Auch wenn wir Stöckchenspiele zur Befeuerung des eigenen Blogs also, äh, sagen wir mal, eher nur so mittelcool finden. Aber wir können ja verstehen, dass man das einsetzt, um sein Blog nach vorn zu bringen. Und da helfen wir dem Martin natürlich.
Hui. Das ist aber schon sarkastisch... na ja, immerhin beläßt es Hartmut von fotografr nicht nur an Kritik, sondern nimmt dann doch selbst teil. Natürlich nur, um Martin von kwerfeldein zu helfen, denn eine Befeuerung des eigenen Blogs hat Hartmut nicht nötig.
So, jetzt aber Schluß mit Bösartigkeiten (am Rande: wirklich böse ist hier eh nix gemeint)!
Ganz im Ernst: Natürlich dienen solche Stöckchenspiele der Befeuerung des Ausgangsblogs (was ja auch legitim ist). Und spontan bin ich auch geneigt, so etwas eher nur so mittelcool zu finden.
Aber, wie das im Leben meistens ist, gibt es eben auch andere Seiten: Ich habe mir gerade eben die Blogs der Antwortenden zu Gemüte geführt und dabei den einen oder anderen Ort entdeckt, wo ich des öfteren mal vorbeischauen werde. Es ist zudem interessant zu lesen, was andere auf die standardisierten Fragen antworten (das setzt natürlich voraus, dass die Fragen einigermaßen ernsthaft beantwortet werden).
Ja, und nun die Frage: Cool oder uncool sein - mitmachen oder nicht? Wie Claudia von Schauplatz über Stöckchenspiele ganz richtig sagt:
Sie führen uns in Versuchung (let’s face it: Jeder möchte sich gern vorstellen und mehr Besucher gewinnen, denn warum würden wir sonst bloggen?).
Und da ich gerade eh nicht schlafen kann, springe ich ganz lässig über meinen Coolness-Schatten, gebe der Versuchung nach und bin ganz uncool mit dabei.
Oha, ob ich überhaupt mitmachen darf? Denn Martin ist streng:
Um Missverständnissen vorzubeugen, muss ich leider auch erwähnen, dass es sich in dieser Blogparade nicht um Photoblogs handelt, welche ausschliesslich Bilder des Autors enthalten, sondern in welchen das geschriebene Wort im Vordergrund steht. Das bedeutet nicht, dass im Blog überhaupt keine Fotos des Autors liegen dürfen. Ich glaube, ihr wisst, was mich meine.
Steht bei mir das geschriebene Wort im Vordergrund? Eigene Bilder gibt es hier ja zuhauf. Und so lange, dass sich bereits ein Trend abzeichnen könnte, existiert dieses Blog auch noch nicht. Nun, dann erhebe ich meinen eigenen Anspruch an dieses Blog zum Maßstab. Und der besteht darin, dass ich dieses Blog nicht nur zur eigenen Bildpräsentation nutzen möchte, sondern eben auch das geschriebene Wort ...zu Wort kommen lassen möchte. Auch, wenn es sich dem aufmerksamen Batrachter noch nicht ganz so eindeutig darstellt.
Nach der Kür die Pflicht: Die Fragen.
Wie wie lange schreibst du schon über Fotografie?
Dieses Blog existiert seit dem 20.12.2007. Über fotografierelevante Dinge schreibe ich aber schon länger. Mein erster Beitrag in diesem Blog, Frontlinsenschutz im Eigenbau, stammt aus August 2007 (damals noch an anderer Stelle). In diversen Fotografieforen bin ich sei Anfang 2006 registriert, und mein ältester Beitrag in de.rec.fotografie ist von 2004. Oh, jetzt bin ich selbst etwas erschrocken darüber, wie schnell die Zeit doch vergeht. Im weitesten Sinne über Fotografie geschreiben habe ich wohl in meiner Lehrzeit als Drucker, wo es auch um Reprofotografie ging. Long time gone.
Über welche Themen der Fotografie schreibst du am liebsten?
Oh, je nach Lust und Laune und gegebenem Anlaß. Da halte ich mir gerne alles offen. Ich denke aber, dass sich mit der Zeit eine gewisse Richtung herauskristallisieren wird. Wie ich mich kenne, wird das zwar auch ein wenig Technikgelaber sein, aber das Referieren über Nyquist-Grenzen, Linienpaare, Ortsfrequenzen und dergleichen überlasse ich gerne den Leuten, die davon mehr verstehen als ich. Ich möchte über Fotografie, wie ich sie als Hobbyist erlebe, schreiben. Mal pragmatisch, mal theoretisch, mal emotional, mal technikverliebt, mal markenspezifisch, mal über den Tellerrand schauend. Und dabei hoffentlich open minded bleibend.
Wieviele Artikel veröffentlichst du pro Woche?
Auch hier gilt: Je nach Lust und Laune und gegebenem Anlaß - und Zeit! Ich muss ja nichts schreiben, ich mach's ja freiwillig. Das bewahrt mich dann auch vor dem Dilemma, irgend etwas zu schreiben, weil ich Content brauche. Na, aber ein-, zweimal die Woche wäre doch ganz nett, nicht wahr?
Bist du selbst Hobby- oder Berufsfotograf?
Ersteres.
Welchen Artikel würdest du als deinen beliebtesten einschätzen?
Artikel 1 Grundgesetz.
Oh, und wenn's um mein Blog hier geht, so ist das laut Statistik mit bis heute knapp 500 Hits dieser hier.
Welchen deutschen Fotografieblog würdest du (ausser Deinem eigenen) empfehlen?
Das Empfehlen meines eigenen überlasse ich anderen. Ja, und dann gibt es schon einige, bei denen ich regelmäßig vorbeischaue. Da wären in alphabetischer Reihenfolge:
Bildjournalisten*: Die Profis. Große Bandbreite an Themen. Öfter mal über Fotorecht.
bildwerk3: Agenturszenengeplauder. Immer interessant: Interviews mit Fotografen und den Leuten, die sie umgeben.
Die Welt der Fotografie: Wissen, Praxis, Gestaltung. Adrian Ahlhaus versucht den Spagat zwischen Profis und Hobbyisten, was ihm gut gelingt.
Die Welt in meinem Sucher: Kein Hobby Fotograf, auch kein engagierter Amateur... Horst Welke lebt von der Fotografie. Profi. Oftmals hart aber herzlich...
Fotografieren und mehr aus purer Leidenschaft: Emanuel Ammon, Fotograf und Inhaber der Fotoagentur AURA schreibt in seinem Blog über dies und das, wie er selbst sagt.
Fotografie-Blog: Sehr interessant und gehaltvoll, wenngleich seit neuestem dank Magazin-Theme ziemlich unübersichtlich, wie ich finde. Ich sag' nur: Grau auf schwarz... Trotzdem: Anschauen!
fotografr.de: "'Fast alles, was du tust, ist letzten Endes unwichtig - aber es ist wichtig, dass du es tust' ist ein Gandhi-Zitat und ein sehr passendes Motto für dieses Blog", so der Autor über sein Blog.
ISO 800 von Fabian Mohr: Angenehm leise. Eindrucksvolle Fotos. Nicht nur über Fotografie, sondern auch über Multimedia.
kwerfeldein: Keine Schleimerei - eines meiner ersten regelmäßig gelesenen Blogs. Sehr nett.
paparazzo.net: Leider selten aktualisiert, aber interessante Dinge.
Schauplatz: Themen rund um die Fotografie und die Kunst des Sehens. Nicht technisch orientiert, sondern um Themen wie Wahrnehmung, Gestaltung und Kunst kreisend (das habe ich jetzt aus der Selbstdarstellung abgeschrieben, weil es ganz gut bechrieben ist).
The Public Eye Blog: Ein Treffpunkt für Fotografie. Der Fotojournalist Martin Storz über Fotografie und Fotojournalismus.
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Ins Auge gesprungen: Februar, östlich von München
Nebeltage, Nebellandschaften, Nebelverse üben seit jeher eine eigentümliche Faszination auf viele Menschen aus.
Nebel: Metapher für Herbst, Melancholie, Einsamkeit, Abschied, ja Tod. Diese Assoziationen sind naheliegend, spontan in den Sinn kommend, in gewisser Weise kulturell vorgeprägt. Nebel hat aber auch eine andere Seite: Er kann den Beginn eines neuen, klaren, sonnigen Tages markieren, kann Vorbote des Frühlings sein, dem er bald weichen muss.
Für Fotografen ist Nebel ein reizvoller Umstand, wenngleich ein launischer Geselle - nicht fassbar, verändert er schnell seine Gestalt, um bald ganz verschwunden zu sein. Zudem taugt Nebel als alleiniges Motiv kaum. Erst im Wechselspiel mit seiner Umgebung tritt er zutage. Und in diesem Wechselspiel liegt das reizvolle: Nebel verhüllt, was zuvor ofensichtlich war. Nebel reduziert Formen und Farben zu Ahnungen. Nebel zieht neue Wahrnehmungsebenen ein. Verhüllen und abschwächen muss dabei nicht verstecken bedeuten - oftmals treten durch Reduktion, Verhüllung, Abschwächung erst ganz neue Aspekte zutage.
Mit seiner Serie Februar, östlich von München hat Fabian Mohr eine ganz wunderbare Umsetzung des Nebelwesens geschaffen. Ins Auge gesprungen ist hier besonders das erste Bild.
Die ersten Assoziationen sind: Leere, Kälte, Tristesse, Monotonie. Der braune, schwere Ackerboden hat noch nichts hervorgebracht, scheinbar unfruchtbar liegt er da. Der Nebel senkt sich schwer auf den Grund, schwer wie der Boden selbst. Ausblicke hinter der grauen Wand sind hier nicht erkennbar. Am linken Bildrand steht eine Wahlwerbung so verlassen wie hoffnungslos herum.
Verweilt der Betrachter aber eine Weile, so tritt ein weiterer Eindruck in die Wahrnehmung und gewinnt an Stärke: Frische, Reinheit, Klarheit. Am Horizont deutet ein noch dünner Streifen Grün zaghaft an, dass der Frühling unaufhaltsam entgegenkommt, mit der ganzen Kraft des Wachstums, das sich noch unter der Oberfläche verbirgt.
Und nunmehr wird das baldige Blühen im Plakat aufgegriffen: Das dortige Grün weist, etwas schüchtern noch, den Weg. Schon bald, wenn das Plakat längst verschwunden ist, werden das Grün der Pflanzen und das Blau des Himmels die Szenerie mit ganzer Kraft prägen.
Die vollständige Serie kann bei ISO 800 betrachtet werden und ist es wert, einfach mal einige Minuten dort zu verweilen.
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