realfragment
/blog/

Kategorie: "einige Fragen an..."

Image Fulgurator: Einige Fragen an Julius von Bismarck

 Verfaßt am 02.07.08 um 03:01 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik, die weite Welt des www, einige Fragen an... , Tags: ,

├ťber den Image Fulgurator und seine Auswirkungen wurde bei realfragment bereits berichtet. Auch im Internet, befeuert durch die Blogosph├Ąre, stie├č der Image Fulgurator durchaus auf Aufmerksamkeit. Der Image Fulgurator wurde hier jedoch meist als eine Art Kuriosum, eine technische Spielerei, wahrgenommen. Oftmals auch fand eine eher technikzentrierte Auseinandersetzung statt.

realfragment m├Âchte die politische und gesellschaftlichen Aspekte des Image Fulgurator st├Ąrker beleuchten und hat dem K├╝nstler Julius von Bismarck einige Fragen gestellt.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com

ng>realfragment: Bildmanipulation in der Fotografie ist ein altes Thema. Bis jetzt fand Bildmanipulation im engeren Sinne im Nachhinein, am bereits gemachten Bild statt. Die Abbildung der Realit├Ąt wurde manipuliert. Die Manipulation, die der Image Fulgurator vornimmt, findet ohne Zutun und ohne Wissen des Fotografen statt. ├ťberdies erfolgt sie in einem Stadium, dem der Fotograf glaubt, die Realit├Ątsabbildung noch voll unter Kontrolle zu haben. Was brachte Sie zu dem Ansatz, die Manipulation in den Augenblick der Aufnahme vorzuverlagen, also nicht mehr die Abbildung der Reali├Ąt, sondern die Realit├Ąt selbst zu manipulieren?

von Bismarck: Die visuelle Manipulation des Stadtraumes war mein urspr├╝ngliches Ziel. Weil ich schon bei anderen Arbeiten experimentell mit Blitzen, Kameras und Projektionen gearbeitet habe, kam mir die Idee des Image Fulgurators. Erst dann wurde mir bewusst, wozu man solch einen Apparat nutzen k├Ânnte.

realfragment: Auf dem Video, das den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie zeigt, sind teilweise verst├Ârte Menschen zu sehen. Ist diese Reaktion der Regelfall, oder wird die Manipulation auch gleichm├╝tig hingenommen?

von Bismarck: Nat├╝rlich reagieren die Leute verst├Ârt, wenn sie etwas auf ihrem Bild sehen, was sie mit ihren eigenen Augen nicht gesehen haben. Besonders spannend finde ich hierbei den Augenblick, unmittelbar nachdem das gemachte Foto auf dem Kamerabildschirm angesehen wird. Viele Leute wissen f├╝r einen kurze Zeit nicht, ob sie dem Foto oder ihren eigenen Augen trauen sollen. Wie in dem Video, was ich am Checkpoint Charlie aufgenommen habe, gut zu sehen ist, nehmen viele Touristen ihre Umwelt eigentlich nur noch ├╝ber den Bildschirm ihrer Kamera wahr. Die Konservierung des Gesehenen wird wichtiger als die eigentlich Erfahrung, vor Ort zu sein.
Ich glaube nicht, dass man einen Eingriff in diesen Vorgang einfach hinnimmt, vorausgesetzt, man bemerken ihn.
Da ich mit dem Apparat auf das Motiv ziele und nicht auf einen bestimmten Fotografen, wei├č ich oft nicht, wen die Fulguration getroffen hat.

realfragment: Wie sch├Ątzen Sie die generelle Wirkung des Image Fulgurator auf die Fotografen ein - kann der Image Fulgurator das Selbstverst├Ąndnis der Eigendokumentation und ihrer unbedingten Authentizit├Ąt aufbrechen?

von Bismarck: Ich hoffe, dass ich an diesem Selbstverst├Ąndnis etwas r├╝tteln kann. Besonders wenn es um Fotografen geht, die ein bestimmtes Ereignis f├╝r viele Konsumenten konservieren. Ich glaube, zu einem nachhaltigen Effekt kommt es nicht, wen ich hier und da mal jemandem einen visuellen Kommentar unterschummle. Ich hoffe aber, dass ich damit eine Diskussion ausl├Âsen kann, die dann vielleicht auch einen nachhaltigen Effekt hat.

realfragment: Im Internet wird der Image Fulgurator zum gro├čen Teil entweder als Touristenschreck ("F├╝r alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen l├Ąstigen Kameras tun wollen") oder als Technikspielerei wahrgenommen. Die von Ihnen durchgef├╝hrte Aktion l├Ą├čt nun aber durchaus einen politischen Anspruch erkennen. Warum, glauben Sie, werden die k├╝nstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Image Fulgurator so wenig thematisiert?

von Bismarck: Diese Aspekte interessieren mich eigentlich am meisten, deshalb bin ich dankbar, dass sie von Ihnen thematisiert werden.
Die Mitglieder der blogger-Gemeinde, die in den letzten Tagen auf den Image Fulgurator reagiert haben, kommen ja zum gr├Â├čten Teil aus einem Technikhintergrund. Besonders in den USA wird teilweise sehr negativ auf den Image Fulgurator reagiert. Die Diskussionen werden oft oberfl├Ąchlich gef├╝hrt, und enden teilweise mit einer Beschimpfung gegen mich. Die Leute haben anscheinend richtig Angst, dass ich ihnen ihre Urlaubsfotos versaue. Ich freue mich jedoch ├╝ber jede Diskussion, die von mir provoziert wurde, schlie├člich war das ja genau das Ziel meiner Arbeit.
Zu einer tiefgr├╝ndigen Diskussion kommt es hoffentlich, wenn meine anderen Interventionen ├Âffentlich werden. Die Aktion am Checkpoint Charlie war f├╝r mich nur ein erster Test. Vielleicht war es ein Fehler, das Video jetzt schon zu ver├Âffentlichen.

realfragment: Eine weitere Reaktion im Internet auf den Image Fulgurator ist die sofortige Assoziation der kommerziellen Verwendung, entweder zur Einblendung von Werbung an lohnenden Standpunkten oder als Fotografieverhinderung, quasi als Copyright-Enforcement-Maschine, beispielsweise in Museen. Sie selbst haben den Image Fulgurator zum Patent angemeldet. Warum haben Sie den Apparat zum Patent angemeldet?

von Bismarck: Das Patent dient in erster Linie dazu, Kontrolle ├╝ber die Nutzung meiner Erfindung zu haben. Es w├Ąre unverantwortlich gewesen, die Erfindung nicht zu sch├╝tzen, da man sie gut f├╝r penetrante Werbung nutzen k├Ânnte.

realfragment: Warum, denken Sie, gehen so viele Menschen von einer zuk├╝nftigen kommerziellen Verwendung aus?

von Bismarck: Das verwundert mich nicht. Schlie├člich wird alles M├Âgliche zu Geld gemacht, ohne R├╝cksicht auf Verluste. Mich pers├Ânlich interessiert die kommerzielle Nutzung erstmal nicht so. Ich verstehe mich hierbei eher als K├╝nstler und nicht als Unternehmer.

realfragment: Bleibt der Image Fulgurator als Kunstprojekt in den Austellungshallen oder planen Sie Aktionen an ├Âffentlichen Orten?

von Bismarck: Bei der Cyberarts Ausstellung in Linz, die zur Ars Electronica 2008 im September er├Âffnet, wird das gesamte Projekt ausgestellt. Dort gibt es dann eine Dokumentation ├╝ber alle Interventionen und nat├╝rlich wird der Fulgurator auch zum Einsatz kommen.

realfragment: Julius von Bismarck, vielen Dank f├╝r die Zeit, die Sie sich genommen haben.

Dieser Artikel ist mir was wert:

Was ist das?

Anzeige

4 Kommentare »

© Patrick G. Stoesser. Keine Verwendung ohne vorherige Genehmigung des Urhebers.
Impressum   |   Datenschutzhinweis
Powered by b2evolution   |   Skin based on asevo skin, modified and extended by Patrick G. Stoesser.