Kategorie: Technik
Praxistest: Newswear Mens Medium Chestvest
Die Newswear Mens Medium ChestvestDie Suche nach dem richtigen Rucksack oder der richtigen Tasche ist eine unendliche Geschichte; für Tragesysteme gilt das gleiche. Ich selbst bin mittlerweile der Ansicht, dass eine Universallösung nicht existiert und dass es zielführender ist, für verschiedene Anwendungsgebiete passende Lösungen zu suchen.
Für den Transport der Ausrüstung benutze ich einen Holst L (Holst hat die Produktion leider eingestellt) oder eine bagaboo Workhorse (das ist keine spezifische Fototasche) oder beide zusammen. Damit bin ich auch ganz zufrieden.
Ich muss aber immer wieder einen Nachteil von Rücksäcken feststellen: Man muss zum Objektivwechsel den Rucksack abnehmen. Das ist auch oft kein Problem, aber wenn es schnell gehen muss, weil man sich in einer dynamischen Umgebung befindet, kann das etwas nerven. Man könnte auch mit zwei Gehäusen fotografieren, aber ich finde in einigen Situationen ein Gehäuse angenehmer - dazu später noch mehr.
Versuche mit einer klassischen Schultertasche haben sich als unbefriedigend erwiesen: Man kommt zwar in der Tat gut an alles ran, aber erstens wird die Last nicht wirklich rückenschonend verteilt, sondern hängt halt auf einer Schulter, und zweitens kann ich damit nicht gut rennen. Am Rucksack als "Basislager" führt daher meines Erachtens kein Weg vorbei. Nett wäre es aber, wenn man die Teile der Ausrüstung, die man häufig braucht, irgendwie so anbringen könnte, dass man schnell drankommt.
Bei mir kommt eine ganz spezielle Anforderung dazu: Ich muss radfahren können. Ich fotografiere oft Events, auf denen ich selbst mit dem Rad unterwegs bin. Da wäre auch ein Schnellzugriff auf die Kamera ganz nett - bisher muss ich bei längeren Strecken immer kurz anhalten, um die Kamera zu verstauen. In letzter Zeit behalf ich mir damit, die Kamera mittels eines Zusatzkarabiners am Gürtel oder Schultergurt des Rucksacks einzuhängen. Das funktioniert, ist aber ein gewisses Gebaumel. Und mit zwei Gehäusen am Körper wäre das gar nicht mehr machbar, zumal das die Kombi D200/D300, jeweils mit Bateriegriff und dazu 17-55/2.8 und 70-200/2.8 wäre.
Wir fassen zusammen: Ein Rucksack muss weiterhin verwendbar sein, ich möchte rennen (in die Hocke gehen, irgendwo hinaufklettern, irgendwo herunterspringen) können, ich möchte radfahren können, ich möchte schnell an einige Sachen kommen und dazu nicht immer den Rucksack absetzen müssen. Wenn ich dann noch die Kamera selbst in Bereitschaft verstauen kann, um so besser.
Was ich hingegen nicht brauche, sind so Dinge wie "Tarnung" (dazu fällt mir spontan die Cloakbag ein, zu der Sascha Rheker einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben hat), Kompass, 20mm-Polsterung aus Weltraummaterialien gefertigt, "Shock-Absorber" und dergleichen einzigartige Features mehr.
Gürtel-Taschen-Systeme (in meinem Falle Lowepro Street&Field) kommen den Anforderungen schon sehr nahe, waren mir persönlich durch die dicke Polsterung aber vom Packmaß zu voluminös. Und das 70-200 in der Gürteltasche Gürtel war mir dann etwas zu baumelig. Vor allem liegen größere Taschen schnell am Boden auf, wenn man in die Hocke geht.
Hände frei: Objektiv unter den Gurt geklemmt
Das funktioniert auch mit größeren Objektiven wie dem 70-200/2.8Ich entscheid mich nach anfänglichen Zögern (es gibt wenig Berichte im www zu finden, auch die Abmessungen der Taschen sind nicht genau beschrieben), es einmal mit der Chestvest von Newswear zu versuchen. Ich muss sagen, ich bin begeistert: Das ist es!
Die Chestvest (ich habe die Mens Medium-Version gekauft), ist aus 420 Denier Crinkle Nylon (Herstellerangabe) gefertigt und hat zwei kleine und zwei große Taschen, die jeweils noch über kleinere Zusatztaschen verfügen. Die Haupttaschen sind nur leicht gepolstert, so dass die Chestvest sich klein zusammenfalten lässt.
Man trägt die Chestvest vor dem Bauch, wobei man die Gurte wie Hosenträger (gekreuzt oder gerade) überzieht. Am Rücken wird der Hüftgurt geschlossen. Die Chestvest läßt sich auch auf dem Rücken oder über einer Schulter tragen.
Platz ist ausreichend für ein Standardsetup vorhanden. Ich bekomme einen SB-900 und SD-8a, das Tokina 11-16/2.8, das Nikon 70-200/2.8 (mit umgedrehter Streulichtblende passt es ganz in die Tasche, mit aufgesetzter Streulichtblende ragt es etwas heraus, die Tasche läßt sich aber noch schließen) und einen Belichtungsmesser hinein - es ist noch Platz frei.
Kleines Packmaß: Die zusammengefaltete Chestvest
Das paßt hinein:
Tokina 11-16/2.8, Nikon 17-55/2.8, Nikon 70-200/2.8, SB-900 mit SD-8a, Belichtungsmesser, Funk, Kleinkram. Normalerweise wäre eines der Objektive bereits an der Kamera.Die Innenmaße der beiden äußeren Taschen sind (BxHxT; cm) ca. 13x15x5; die der beiden inneren Taschen ca. 14x24x8. Auf den Deckeln der Taschen befinden sich nochmals kleinere aufgesetzte Taschen mit den Innenmaßen (BxH; cm) ca. 13x16 (äußere Deckel) und ca. 12x17 (innere Deckel). An der dem Körper zugenwandten Innenseite befinden sich nochmals zwei Einschübe in den Maßen (BxH; cm) von jeweils ca. 11x15.
Die Taschen lassen sich etwas vergrößern, wenn der Deckel nicht ganz geschlossen wird. Die Deckellänge und die Klettverschlüsse geben das her. Abgeschlossen ist die Tasche dann natürlich nicht mehr.
Der Tragekomfort ist großartig. Das Gewicht der Ausrüstung wird über beide Schultern verteilt (natürlich ist es noch da, da hilft nichts). Rennen ist überhaupt kein Problem. Auch Radfahren ist ganz wunderbar, wenn auch klar sein dürfte, dass man nicht unbedingt in extremen Aeropositionen unterwegs sein kann.
Sehr schön (den Trick habe ich von Craig Shipp) ist die Möglichkeit, die Kamera bzw. das Objektiv einfach unter einen Träger zu klemmen. Die Kamera ruht dann auf den Taschen und wird vom Träger gehalten - so hat man ganz schnell beide Hände frei und kann, hurra, sogar Rad fahren und dabei die Kamera schnell bereit haben. Das funktioniert sogar mit dem 70-200.
Craig Shipp zeigt das alles auch nochmal in einem Video:
Über das äußere Erscheinungsbild der Chestvest wird im www viel geredet - die Assoziation zu Selbstmordattentätern fällt immer mal wieder. Natürlich ist die Chestvest in gewisser Weise ungewöhnlich, aber mir ist es im mitteleuropäischen Raum noch nicht passiert, dass man mich damit über Gebühr schräg angeschaut hat. Auffälliger als die Kamera dürfte die Chestvest auch nicht sein, und wenn man sie auf dunklen Klamotten trägt, fällt sie aus einiger Entfernung nicht mehr auf. Ich bin sowieso der Meinung, dass das Verhalten des Fotografen mehr seine Wahrnehmung bei anderen bestimmt, als seine Ausrüstung - aber das nur am Rande.
Die Taschen der Chestvest werden mit großflächigen Klettverschlüssen verschlossen. Das kann in lärmsensiblen Bereichen problematisch sein, denn das Öffnen der Taschen ist ziemlich laut. Abhilfe schafft ein vorheriges Öffnen und Einschlagen der Deckel nach innen - dann sind die Taschen aber dauerhaft offen. Man kann aber auch einen Teil der Klettfläche mit passendem Klettband (Meterware, erhältlich z.B. im Baumarkt) "deaktivieren".
Die Newswear Chestvest gehört zu jenen Dingen, bei denen man sich nur über eines ärgert: Dass man sie nicht schon früher gekauft hat.
Die Newswear-Produkte sind in Deutschland über isarfoto erhältlich. Bei eBay.com finden sich auch immer wieder Produkte von Chestvest. Wer den internationalen Versand und die Einfuhrumsatzsteuer nicht scheut, kann so noch ein paar Euro sparen.
3 Kommentare
Selbst verwende ich ein militärisches Load Bearing System, ergänzt um Kameragurte von Optech/USA (Blogpost unter dem Link oben). Wenn Du nach einem Tag Rennerei auf'm Festival (mit voller Ausrüstung) keine Schmerzen vom Tragen hast, dann ist Dir der Look wirklich egal.
Bratze, Teufel, 07.04.2010



"Früher nannte man diese Dinge Punk. Heute heißt es vielleicht Elektropunk. Und Bratze gehören definitiv zu dieser Bewegung, die mittlerweile eine sehr große Anhängerschaft vorweisen kann.
Was unterscheidet die beiden von den anderen Elektropunk Bands?
Ist es der Sound, ist es die Dialektik, ist es das beim ersten Hinschauen Strukturlose, ist es diese Naivität, die zwischen den Zeilen Aussagen besitzt, dieser leicht Hang zum Dadaismus, oder sind es nur ihre Frisuren?
Keine Ahnung. Aber die Summe aus den vielen kleinen Eckpunkten, machen Bratze vielleicht anders."
Das ist doch mal eine schöne und auch treffende Selbstdarstellung.
Der Aufritt im Teufel Heidelberg war mitreißend und schweißtreibend - nicht nur für Bratze, auch für die Zuschauer.
Was für Konzertgänger grandios war, war ein Fotografenalbtraum: Blaues und grünes LED-Licht, massig Nebel, gerne auch mal gefühlt minutenlang Stroboskop. Dazu eine so hohe Luftfeuchte, dass die Objektive permanent beschlugen. Ach ja, dunkel wars auch: f/1.8 und ISO 3200 waren manchmal noch zu lichtschwach...
Egal! Konzerte werden schließlich nicht für Fotografen, sondern für Zuhörer und -schauer gemacht. Und das ist auch gut so. Zumindest an diesem Abend.
Mehr Bilder gibt's bei flickr.
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Memphis Bitch, Romanischer Keller
...mehr gibt's auf flickr.
Übrigens bin ich sehr angetan von der D300, die damit ihre erste Dunkelraum-Bewährungsprobe hatte. Die Location war recht dunkel, und ich war auf ISO 3200. f/1.8 ist natürlich Pflicht, obwohl ich hier und da auch mit dem Tokina 11-16/2.8 unterwegs war.
Die Bilder sind erstaunlich gut geworden, entrauschen halte ich nicht für notwendig. Mit der D200 hätte ich mich das nicht getraut.
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Fotografieren am Limit: Simon Carter
Gute Kletterbilder sind aufregend: Sie beschleunigen den Pulsschlag und erzeugen einen leichten Schweißfilm auf den Händen.
Simon Carter, selbst Kletterer, fotografiert seit 16 Jahren Menschen, die mit ihren Händen und Füßen die Höhe bezwingen. In Kooperation mit dem Nikon Professional Service hat Carter nun die Nikon D3s zum Einsatz gebracht, um einen Film in den australischen Blue Mountains zu drehen. Herausgekommen ist ein schweißtreibender Zweiminüter, der auf Carters Blog und natürlich Youtube zu sehen ist. Definitiv sehenswert.
Was gerade für Fotografen noch interessanter sein könnte, ist das Making of, das bei diesem Shooting entstanden ist. Carter agiert nämlich nicht vom sicheren Boden aus, sondern hängt sich im wahrsten Sinne des Wortes rein. Carters Arbeitsweise mag in technischer Hinsicht sicherlich nichts zeigen, wovon "normale" Fotografen profitieren können - die wenigsten werden in schwindelerregender Höhe hängen und nebenbei Objektive wechseln. Im übertragenen Sinne hat uns Simon Carter aber dennoch etwas zu sagen:
I’ve learnt a few things: The easy road isn’t always the right road in the long run. The more I’ve followed my vision the more opportunities have come along — the more things have fallen into place and allowed me to move forward. And, as we’ve seen, sometimes you’ve got to step back to move forward.
Simon Carter: Do you have a vision for your photography?
Genug der Worte, hier die Videos:
Übrigens: Wer sich (wie ich anfangs auch) über die Filmtransport-Geräusche amüsiert, mit denen die Stills untermalt werden: Einige Bilder sind mit der F100 entstanden, und Carter war bis vor zwei Jahren überzeugter Anhänger der optochemischen Fotografie. Mit der D3 hat sich das dann geändert - genauso wie die D3s Carters Verhältnis zur Bewegtbild-Fotografie verändert hat.
Leider ist das, was Nikon Australia "Blog" nennt, keines. Die Möglichkeit, auf einzelne Beiträge zu verlinken, fehlt, genauso wie die Kommentarfunktion. Ich kann daher nur auf mynikonlife.com.au verlinken, den einzelnen Beiträge muss man dann selbst suchen. Er heißt "Do you have a vision for your photography? By Simon Carter".
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Beim Stöbern habe ich auf dem Blog realfragment die folgenden atemberaubenden Videos gefunden. Es handelt sich um ein Klettervideo “The Rock Climber – Nikon D3s”, das der Fotograf Simon Carter in Zusammenarbeit mit dem Nikon Professi...
Nikon D700 nimmt Video auf
(via photoappa.rat)
Russische Tüftler scheinen ein besonders inniges Verhältnis zu Canons DSLR-Modellen zu haben. Man erinnere sich nur an den legendären "Russenhack", mit der die kastrierte Software der Canon 300D freigeschaltet wurde.
Wieder ausgehend von einem russischen Forum ist es gelungen, alle Canon-DSLR, die über eine Live-View-Funktion verfügen, zu einer Videoaufnahmefunktion zu überreden. Diese Videoaufzeichnung hat allerdings einige Einschränkungen, denn man benötigt einen Computer. On Location wäre also ein Laptop empfehlenswert... Außerdem wird genau genommen nicht die Kamera selbst mit einer neuen Funktion ausgestattet, sondern lediglich bestehende Funktionen ausgenutzt.
Die Art und Weise, wie dies umgesetzt wurde, ist allerdings bemerkenswert und so simpel, dass man sich fragt, wieso da niemand schon früher daraufkam: Im Lifeview-Betrieb werden mittels eines Programms via USB einfach die Liveview-Bilder ausgelesen und auf Festplatte gespeichert. Immerhin auf 22 fps kommt man auf diesem Wege.
Nachdem Olivier Giroux von obiger Idee erfahren hatte, dachte er ebenfalls, dass die Idee so naheliegend war, und baute nach einigen Tagen mittels des Nikon-SDK eine Videofunktion für die D700. Glaubt man dem Kommentarthread, so war dies eine relativ einfache Sache.
D700 mit Zeiss 2/100 Makro-Planar T* bei f/4
D700 mit Zeiss 2/35 Distagon T* bei f/2.8
Auch bei der D700 wird ein externer Rechner benötigt, und auch hier ist das ganze wohl eher eine, wenn auch bemerkenswerte, Spielerei:
Good news: it is a viable video source. It’s fast enough, and the quality is sufficient.
Bad news: it’s a bit too low-quality to be really exciting. It’s roughly 30% below 480p resolution. The most unfortunate thing is they create the Live-View image by decimating the sensor data rather than downsampling it – as a result it aliases, moirés and looks terrible in low light.
That’s it for the bad news though. The feed travels over the wire at 100fps (I measured), within which maybe 30fps’ worth are unique frames. Each frame is basically a NEF embedded thumbnail, each one is a fully-formed high quality JPEG file. The result has the potential to look as good (or bad) as a DVD, roughly.
Interessant dürfte sein, ob und wie sich diese Tüftelei in Zukunft entwickeln wird.
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Mit Film arbeiten?
In einem Kommentar zu meiner Spaß-Serie Ein leerer. Zwei grüne. Drei Sechser. fragt mich Tobi Stadler "Wieviel arbeitest du eigentlich noch mit Film?"

Praktica BX20 mit 28-70/3.5-4.5.
Der Schmutz ist original.
Gute Frage. Mein erster Gedanke: Wie kommt der Tobi da eigentlich drauf? Etwas Nachdenken brachte dann die Antwort - auf dem Bild mit dem leeren Kühlschrank sind einige Kleinbildfilme zu sehen. Die liegen immer noch in meinem Kühlschrank, und das schon seit langer Zeit.
Wieviel arbeite ich eigentlich noch mit Film? Gar nicht. Obwohl ich eigentlich könnte. An Kleinbildkameras mangelt es mir nicht. Da wäre zunächst die gute alte Praktica BX20, die ich mir 1989 gekauft habe. Da gibt es einen Lomo Actionsampler, der sich mal zu mir verirrt hat. Und da gibt es noch eine Agfa Optima 335, die ich eigentlich mal reaktivieren wollte.
Warum eigentlich kein Film? Nun, früher arbeitete ich mit Film, wie jeder andere auch (und beruflich darüber hinaus noch etwas mehr, nämlich in der Druckformherstellung im Flachdruck). Als Kind hatte ich eine Kodak Instamatic, die Kasettenfilm im Negativformat 28x28mm verlangte. Leider besitze ich aus dieser Zeit keine Aufnahmen mehr. In der Foto-AG meiner Schule bekam ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in die Hände. Das war eine Praktica mit M42-Gewinde und Nachführbelichtungsmesser. Fotografiert wurde schwarz-weiß auf irgendeinen Ilford, entwickelt und vergrößert wurde im Schullabor. Auch von diesen Aufnahmen ist nichts mehr vorhanden. 1989 erwarb ich dann beim örtlichen Fotohändler meine erste Spiegelreflexkamera, eben die BX20 mit einem 50/1.8, später kamen noch ein 28-70/3.5-4.5 und ein 80-200/3.9 sowie ein Berotron-Aufsteckblitz hinzu. Recht schnell habe ich von Farbnegativ auf -positiv, also Diafilm, gewechselt. Das hatte zum einen den Grund, dass die Entwicklung billiger war, wenn man selbst rahmte und dass man die Dias besser archivieren konnte. Vor allem aber konnte man sie bei Diashows zeigen, und da ich auch im Jugendferienlager die Kamera immer dabei hatte, fand dies auch statt. - Am Rande: Wie macht man das eigentlich heute? Kommen heute Kinder und Eltern noch zu einem Bilderabend im Gemeindesaal zusammen? Schaut man sich heute die alle Bilder aller Digitalkameras aller Kinder an...?

Lomo Actionsampler.
Warum benutze ich heute keinen Film? Das hängt auch mit dem Internet zusammen. Was ich auf Dia fotografiert habe, wurde Interessierten gezeigt. Ausbelichtet wurde recht wenig, hier und da mal gerahmt als Geschenk, hier und da mal als kleines Andenken, doch ansonsten bleiben die Bilder im Magazin. Als ich ca. 1995 mit dem Internet, in Berührung kam, kam mir schon damals der Gedanke in den Sinn, dass man nunmehr Bilder der ganzen Welt (oder zumindetens dem Teil der Welt, der zum einen über einen Internetanschluß verfügte und zum anderen diese Bilder sehen möchte) zeigen könnte. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meine Bilder anderen präsentierte, war es noch ein langer, gewundener Weg, den ich hier abkürze, indem ich mich auf das technische beschränke - der finanzielle Aspekt sei dabei aber nicht vergessen. Dias im www zeigen, das heißt zunächst einmal, sie zu digitalisieren. Einen richtigen Filmscanner konnte ich mir nicht leisten, und die Versuche mit mehreren flachbettbasierten Durchlichtscannern waren nicht gerade befriedigend - weder vom Ergebnis noch für meinen Kontostand. Auch die damals aufkommenden Digitalkameras, an denen ich hier und da versuchen konnte, waren irgendwie zwar digital, aber eben keine Spiegelreflexe. Und das war doch so viel angenehmer beim Fotografieren.
Warum keine digitale Spiegelreflexkamera? Nun, das war vor allem eine finanzielle Frage. Eine digitale Spiegelreflexkamera sollte, so schien es damals, für immer ein Traum bleiben. Mitte der 2000er Jahre schaute ich zwar schon ab und an auf eBay nach gebrauchten Kameras, aber selbst eine Olympus E20 war für mich unerschwinglich. Wie der aufemrksame Leser weiß, besitze ich ja nun eine digitale Kamera, und daher kürze ich auch hier wieder ein wenig ab und springe zu dem Tag, an dem ich mir eben eine Nikon D70s kaufen konnte. Seither ist viel Wasser den Neckar herunter- und viel Geld aus meinem Portemonnaie geflossen, und viele Bilder haben ihren Weg auf die CF-Karte gefunden. Seit diesem Tage habe ich keinen Film mehr benutzt, obwohl noch ein paar Patronen im Kühlschrank ihrer Verwendung harren. Dies führt uns zurück zur Ausgangsfrage:

Agfa Optima 335sensor electronic.
Wieviel arbeite ich eigentlich noch mit Film? Gar nicht. Ich brauche einfach keinen mehr. Nahezu alle Arbeitsergebnisse (abzüglich Ausschuß, versteht sich) werden entweder im www präsentiert oder kommen auf elektronischem Wege zum Weiterverarbeiter. Da wäre Film wäre einfach mit viel zu vielen Umwegen und Unkosten verbunden. Was ich wirklich ausbelichtet brauche, wird beim Ausbelichter ausbelichtet (diesen Satz habe ich nicht gelöscht, weil er einfach großartig ist, nicht wahr?). Der Rest: Digital. Film brächte mir einfach keine Vorteil. Über die allfälligen sonstigen Vorzüge der Digitalfotografie lasse ich mich nun nicht aus. Mehr oder weniger esoterische Diskussionen über optochemische versus digitale Fotografie möchte ich auch nicht führen, diese Streitgespräche sind nicht meine. Ich für mich kann sagen: Film brächte mir einfach keine Vorteil.
Sollte ich mit Film arbeiten? Wer weiß, ich sollte wohl einfach mal einen der Filme aus dem Kühlschrank nehmen und die Agfa Optima damit laden. Was dabei wohl herauskommt?
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4 Kommentare
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mit Film arbeite, aber ich will es zumindest. Und wenn alles gut geht, hab ich in ein paar Wochen Labor samt Vergrößerer zur Verfügung. Warum will ich eigentlich mit Film arbeiten?
Ich kann es gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich fasziniert mich diese Endgültigkeit. Es ist zwar toll und praktisch, wenn man Farbeinstellungen und andere nette Dinge nur mit ein paar Klicks ändern kann, aber da ich generell der Meinung bin, dass ein Foto unperfekt sein darf (soll?) mag ich diese Film-Ästhetik sehr.
Und weil du im Post eine Lomo bringst: Die Holga und Konsorten haben auch so einen Charme. Ich nehme an du hast schon öfters mit abgelaufenen Farbfilmen experimentiert?
mfg, pgs
Zum Thema Ferienlager: Bei mir war es bisher immer so, dass ein einigermaßen versierter Betreuer eine entsprechend ausgestattete DSLR dabei hatte und dann eine Auswahl dieser Bilder über einen Beamer gezeigt wurde. Im Anschluss hatten dann die Besucher die Möglichkeit, eine CD oder DVD mit diesen und weiteren Bildern zu erwerben. Das funktionierte bisher immer ganz gut.
In die digital-vs.-analog-Kerbe will ich gar nicht reinschlagen da jeder hier wahrscheinlich die Vor-und-Nachteile von beiden Seiten kennt!
reaktiviere sie sie macht tolle bilder!
Cooper
Vivitar 283 Barebulb-Mod V2

Nach dem Umbau des Vivitar 283 zu einem barebulb flash (den Umbaubericht gibt's hier) und dem eher ernüchternden Ergebnis erster Tests habe ich mir nochmal die "richtigen" bare bulb flashes wie z.B. den Armatar-Umbauten oder den Quantum Qflash (z.B. bei zoomyboy zu sehen) angeschaut. Wie bei meinem Vivitar 283 Barebulb Mod können diese Geräte mit offen liegender Blitzröhre eingesetzt werden. Der Einsatzbereich für dieses Setup schient mir aber recht eng gefaßt. Auch wenn ich ihn noch nicht experimentell ausloten konnte, so ist doch recht klar, dass er vor allem dort zu finden ist, wo im Innenbereich über möglichst viele Flächen (Wände, Decken) geblitzt werden soll. Das ist in der Tat etwas speziell. Zum einen sollten die als Reflektoren verwendeten Flächen nicht farbig sein, zum anderen wird dafür recht viel Blitzleistung benötigt.
Eine zweite Anwendungsmöglichkeit wäre der Einsatz des Vivitar Barebulb Mod als "Blitzkopf" mit Softboxen, die für Kompaktblitzen gedacht sind. Mit herkömmlichen Kompaktblitzen stößt man nämlich oft an die Grenze, dass die Lichtstreuung nicht ausreichend ist und die Softbox Daher nicht gleichmäßig ausgeleuchtet wird.
Diese beiden Varianten interessieren mich nicht so sehr wie die dritte, die von den "großen" bare bulb flashes abgeschaut ist. Neben dem Blitzen mit offenliegender Blitzröhre haben diese bare bulb flashes nämlich auch noch die Möglichkeit, einen Reflektor zu montieren. Was lag da näher, als den Vivitar 283 Barebulb Mod zur nächsten Entwicklungsstufe zu führen?
Den Reflektor spendete ein altes Blitzgerät der Marke Präzisa. Von den Abmessungen her ist er wie gemacht für den Vivitar Barebulb Mod V2.
So, und nun schnell den Test wiederholt (das Motiv hat sich geringfügig verändert, die Aufnahmedaten sind gleich geblieben: Kamera war die Nikon D200 mit AF-S Nikkor 18-70mm 3.5-4.5 G ED. ISO 100, f/8, 1/60 sec. RAW-Konverter: Pixmantec RAW Shooter Professional. Die Bilder sind out of cam. Im RAW-Konverter wurden Kontrast und Schärfe ganz leicht angehoben). Das Ergebnis ist hier zu sehen.

Erste Überraschung: Man kommt mit viel weniger Leistung aus. Nur noch 1/4 Leistung (dank dem neu erstandenen Vivitar Varipowe- Modul, das anstelle des Thyristors eingesteckt wird und eine bequeme manuelle Leistungsregelung erlaubt) wird benötigt! Zweite Überraschung: Das Licht ist weicher als gedacht. Sicher, ein Durchlichtschirm bleibt ungeschlagen, aber alles in allem gar nicht mal so schlecht. Die Weichheit war zwar zu erwarten, da der Reflektor ja schon deutlich größer ist als bei einem normalen Kompaktblitz, aber das sieht doch ganz gut aus. Ich denke, als Aufheller könnte dieser Blitz eine ganz gute Figur machen.
Nachtrag: Mittlerweile habe ich einen "richtigen" barebulb flash erstanden: Den Sunpak 120J. Sobald er bei mir eingetroffen ist, werde ich darüber berichten. Leitzahl 45 bei ISO 100 hört sich schonmal nicht schlecht an...
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Image Fulgurator: Einige Fragen an Julius von Bismarck
Über den Image Fulgurator und seine Auswirkungen wurde bei realfragment bereits berichtet. Auch im Internet, befeuert durch die Blogosphäre, stieß der Image Fulgurator durchaus auf Aufmerksamkeit. Der Image Fulgurator wurde hier jedoch meist als eine Art Kuriosum, eine technische Spielerei, wahrgenommen. Oftmals auch fand eine eher technikzentrierte Auseinandersetzung statt.
realfragment möchte die politische und gesellschaftlichen Aspekte des Image Fulgurator stärker beleuchten und hat dem Künstler Julius von Bismarck einige Fragen gestellt.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com
realfragment: Bildmanipulation in der Fotografie ist ein altes Thema. Bis jetzt fand Bildmanipulation im engeren Sinne im Nachhinein, am bereits gemachten Bild statt. Die Abbildung der Realität wurde manipuliert. Die Manipulation, die der Image Fulgurator vornimmt, findet ohne Zutun und ohne Wissen des Fotografen statt. Überdies erfolgt sie in einem Stadium, dem der Fotograf glaubt, die Realitätsabbildung noch voll unter Kontrolle zu haben. Was brachte Sie zu dem Ansatz, die Manipulation in den Augenblick der Aufnahme vorzuverlagen, also nicht mehr die Abbildung der Realiät, sondern die Realität selbst zu manipulieren?
von Bismarck: Die visuelle Manipulation des Stadtraumes war mein ursprüngliches Ziel. Weil ich schon bei anderen Arbeiten experimentell mit Blitzen, Kameras und Projektionen gearbeitet habe, kam mir die Idee des Image Fulgurators. Erst dann wurde mir bewusst, wozu man solch einen Apparat nutzen könnte.
realfragment: Auf dem Video, das den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie zeigt, sind teilweise verstörte Menschen zu sehen. Ist diese Reaktion der Regelfall, oder wird die Manipulation auch gleichmütig hingenommen?
von Bismarck: Natürlich reagieren die Leute verstört, wenn sie etwas auf ihrem Bild sehen, was sie mit ihren eigenen Augen nicht gesehen haben. Besonders spannend finde ich hierbei den Augenblick, unmittelbar nachdem das gemachte Foto auf dem Kamerabildschirm angesehen wird. Viele Leute wissen für einen kurze Zeit nicht, ob sie dem Foto oder ihren eigenen Augen trauen sollen. Wie in dem Video, was ich am Checkpoint Charlie aufgenommen habe, gut zu sehen ist, nehmen viele Touristen ihre Umwelt eigentlich nur noch über den Bildschirm ihrer Kamera wahr. Die Konservierung des Gesehenen wird wichtiger als die eigentlich Erfahrung, vor Ort zu sein.
Ich glaube nicht, dass man einen Eingriff in diesen Vorgang einfach hinnimmt, vorausgesetzt, man bemerken ihn.
Da ich mit dem Apparat auf das Motiv ziele und nicht auf einen bestimmten Fotografen, weiß ich oft nicht, wen die Fulguration getroffen hat.
realfragment: Wie schätzen Sie die generelle Wirkung des Image Fulgurator auf die Fotografen ein - kann der Image Fulgurator das Selbstverständnis der Eigendokumentation und ihrer unbedingten Authentizität aufbrechen?
von Bismarck: Ich hoffe, dass ich an diesem Selbstverständnis etwas rütteln kann. Besonders wenn es um Fotografen geht, die ein bestimmtes Ereignis für viele Konsumenten konservieren. Ich glaube, zu einem nachhaltigen Effekt kommt es nicht, wen ich hier und da mal jemandem einen visuellen Kommentar unterschummle. Ich hoffe aber, dass ich damit eine Diskussion auslösen kann, die dann vielleicht auch einen nachhaltigen Effekt hat.
realfragment: Im Internet wird der Image Fulgurator zum großen Teil entweder als Touristenschreck ("Für alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen lästigen Kameras tun wollen") oder als Technikspielerei wahrgenommen. Die von Ihnen durchgeführte Aktion läßt nun aber durchaus einen politischen Anspruch erkennen. Warum, glauben Sie, werden die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Image Fulgurator so wenig thematisiert?
von Bismarck: Diese Aspekte interessieren mich eigentlich am meisten, deshalb bin ich dankbar, dass sie von Ihnen thematisiert werden.
Die Mitglieder der blogger-Gemeinde, die in den letzten Tagen auf den Image Fulgurator reagiert haben, kommen ja zum größten Teil aus einem Technikhintergrund. Besonders in den USA wird teilweise sehr negativ auf den Image Fulgurator reagiert. Die Diskussionen werden oft oberflächlich geführt, und enden teilweise mit einer Beschimpfung gegen mich. Die Leute haben anscheinend richtig Angst, dass ich ihnen ihre Urlaubsfotos versaue. Ich freue mich jedoch über jede Diskussion, die von mir provoziert wurde, schließlich war das ja genau das Ziel meiner Arbeit.
Zu einer tiefgründigen Diskussion kommt es hoffentlich, wenn meine anderen Interventionen öffentlich werden. Die Aktion am Checkpoint Charlie war für mich nur ein erster Test. Vielleicht war es ein Fehler, das Video jetzt schon zu veröffentlichen.
realfragment: Eine weitere Reaktion im Internet auf den Image Fulgurator ist die sofortige Assoziation der kommerziellen Verwendung, entweder zur Einblendung von Werbung an lohnenden Standpunkten oder als Fotografieverhinderung, quasi als Copyright-Enforcement-Maschine, beispielsweise in Museen. Sie selbst haben den Image Fulgurator zum Patent angemeldet. Warum haben Sie den Apparat zum Patent angemeldet?
von Bismarck: Das Patent dient in erster Linie dazu, Kontrolle über die Nutzung meiner Erfindung zu haben. Es wäre unverantwortlich gewesen, die Erfindung nicht zu schützen, da man sie gut für penetrante Werbung nutzen könnte.
realfragment: Warum, denken Sie, gehen so viele Menschen von einer zukünftigen kommerziellen Verwendung aus?
von Bismarck: Das verwundert mich nicht. Schließlich wird alles Mögliche zu Geld gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste. Mich persönlich interessiert die kommerzielle Nutzung erstmal nicht so. Ich verstehe mich hierbei eher als Künstler und nicht als Unternehmer.
realfragment: Bleibt der Image Fulgurator als Kunstprojekt in den Austellungshallen oder planen Sie Aktionen an öffentlichen Orten?
von Bismarck: Bei der Cyberarts Ausstellung in Linz, die zur Ars Electronica 2008 im September eröffnet, wird das gesamte Projekt ausgestellt. Dort gibt es dann eine Dokumentation über alle Interventionen und natürlich wird der Fulgurator auch zum Einsatz kommen.
realfragment: Julius von Bismarck, vielen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben.
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Der Blick durch den Sucher - der Wochenrükblick auf die Fotografie-Szene - für Kalenderwoche 27.
Fototechnik / Fotografen über die Schulter geschaut: Claudia von schauplatz.org berichtet Interessantes von der Sommerakademie Gestalterische Fotograf...
soetwas kann nur einem "freien erfinder" (ich weiß komischer begriff) einfallen, da in forschungsabteilungen mit zielvorgaben geforscht wird. hier gab es vermutlich kein ziel nur offenbar die richtige idee im kopf des zichtigen menschen zur richtigen zeit. arbeite seit über 10 jahren mit erfindern aber das ist eine der verrücktesten (im besten sinne des wortes) ideen die ich gesehen habe. jvb gratulation!
gm
Aufgebrochene Realitätsvergewisserung: Der Image Fulgurator und seine Auswirkungen
Bildmanipulation ist so alt wie die Fotografie selbst. Und noch heute werden Bilder als Beweis wahrgenommen - lange nach der Erkenntnis, dass auch Nachrichtenbilder immer wieder manipuliert wurden.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com
Dass Bilder manipuliert werden können und werden, ist heute Allgemeingut - spätestens der Siegeszug der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung, der seit einiger Zeit auch im Mainstream angekommen ist. Dennoch: Bilder bleiben Beweise, Bildern wird geglaubt, und zwar auch von jenen, die um die Manipulationsmöglichkeiten wissen. Es scheint, dass das Wesen der Fotografie sich aufgespalten hat. Auf der einen Seite existiert das, was ich "generierte Realität" nennen möchte und anhand der Fernsehzeitschriften-Titelbildern vor kurzem in der Zeit ganz treffend charakterisisert wurde. Auf der anderen Seite: Die "dokumentierte Realität", das sind beispielsweise Bilder, die Nachrichten illustrieren.
Die Rezipienten haben gelernt, mit beiden Spielarten umzugehen. Mit generierter Realität wird gespielt, es ist klar, dass es sich kaum um ein authentisches Abbild handelt, handeln kann, handeln soll. Das wird auch nicht erwartet.
Bei dokumentierter Realität hört der Spaß allerdings auf: Hier erwarten die Betrachter Authentizität ohne wenn und aber.
Ob ein Bild nun generierte oder dokumentierte Realität darstellt, ist zunächst schwer zu erkennen und wird zunehmend nur noch durch den Kontext, in dem sie sich befinden, definierbar. Wieder ein Beispiel: Über die Kunstmenschen, die auf den Titelbildern von Zeitschriften wie beispielsweise TV Spielfilm erscheinen, regt sich niemand auf - zu offensichtlich ist, das diese Bilder nicht authentisch sind.
Manipulationen im nachrichtlichen Kontext stoßen aber noch immer auf Empörung, das zeigt beispielsweise der Fall Adnan Hajj. Glücklicherweise, möchte man ausrufen.
Zurück zur Bildmanipulation. Bei der Frage nach Authentizität stößt man auf eine harte Erkenntnis: Natürlich ist auch ein Bild, das nichts anderes zeigt als die Realität, in gewisser Weise manipuliert. Allein die Wahl des Aufnahmestandorts ist eine erste Manipulation, hinzu kommen etliche weitere Aufnahmeparameter. Diese Beeinflussungen müssen noch nicht einmal absichtlich entstehen. Es ist aber wohl nicht sehr zielführend, den Begriff der Manipulation soweit auszudehnen.
Wenn wir von manipulierten, von gefälschten Bildern sprechen, so meinen wir im engeren Sinne Bilder, deren Aussage im Nachhinein verändert wurde, bei denen später vorsätzlich etwas weggenommen oder hinzugefügt wurde, was im Zeitpunkt der Aufnahme vorhanden war. Bildmanipulation in diesem allgemeingebräuchlichen Sinne ist also das Ändern der Realitätsabbildung im Nachhinein.
Das bedeutet aber auch: Auf das, was aufgenommen wurde, kann man sich verlassen. Und weiter: Auf das, was man selbst aufgenommen hat, kann man sich verlassen - genau so funktioniert Existenzvergewisserung.
Der Image Fulgurator des Berliner Künstlers Julius von Bismarck bricht diese Gewissheit auf. Sein "Aparat zur "minimal-invasiven Manipulation von Fotographien (Fehler im Original)" ändert die Realität in dem Moment, in dem sie festgehalten wird. Dabei ist diese Veränderung nur für einen Wimpernschlag sichtbar und wird erst auf den fertigen Bildern sichtbar.
Das Gerät ist verblüffend einfach aufgebaut. Ein Sensor registriert das Blitzlicht eines Fotoapparates und löst eine Projektion auf das Motiv aus. Ironischerweise geschieht dies mit einem umgebauten Fotoapparat, der den Weg der Bildwerdung vom Kopf auf die Füße stellt.
Das Resultat ist verblüffend, ja teils verstörend, wen man die Reaktionen der Fotografen berachet. Das Prinzip der Realitätsabbildung wurde offenbar aprupt und nachhaltig durchbrochen, ohne dass die Fotografen sich dies erklären können.
Am Rande sei noch erwähnt, dass ich eine ähnliche Aufhebung der Realitätsvergewisserung vor einigen Jahren erlebte, als Besucher einer Ausstellung eine Videoinstallation, die auf eine Leinwand projeziert wurde, zur Erinnerung festhalten wollten. Durch Blitzeinsatz auf die Videoleinwand war das Resultat meistens eine Bild, dem die Erinnerung fehlte: Eine weiße Leinwand. Manche Leute versuchten mehrmals, die flüchtigen Bilder zu fotografieren, mussten dann aber, nach mehrmaliger Kontrolle auf dem Display, aufgeben.
Interessant war, dass die Menschen das Scheitern ihrer Bemühungen sofort oder nach einigen Versuchen, eher gleichmütig hinnahmen.
Folgendes Video zeigt den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie. Der Image Fulgurator projeziert auf das berühmte Schild "You are entering the American Sector" den Satz "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border". Die Reaktionen der Fotografen sind ganz und gar nicht gleichmütig, stellenweise wirken die Leite verstört ("It's spooky").
Im Gegensatz zur Videoinstallation, die ja von vorneherein einen spielerischen Kontext aufbaute, ist dies Ernst. Hier ist keine situationsbedingte Erklärung zur Hand.
Das Prinzip der Selbstvergewisserung wurde ganz offenbar für einen Moment aufgebrochen, der Glaube an die Authentizität der selbst konservierten Realität erschüttert. Von Bismarck selbst formuliert dies so:
A camera can be used as a personal memory tool, since people do not doubt the veracity of their own photographs. [...] with the Fulgurator it is possible to have a lasting effect on those kinds of individual moments and events that become accessible to the masses only because they are preserved photographically.
In this context the Fulgurator represents a manipulation of visual reality and so targets the very fabric of media memory.
Diesen politischen Anspruch haben manche aber wohl nicht ganz verstanden:
Für alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen lästigen Kameras tun wollen, hat ein Mensch namens Julius von Bismarck einen Apparat zur sogenannten “minimal-invasiven Manipulation von Fotoapparaten erfunden.
Vom 4. bis 9. September ist der Image Fulgurator auf der CyberArts-Ausstellung im Rahmen des Ars Electronica-Festivals in Linz zu sehen.
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Vivitar 283 Barebulb-Mod: Erster Praxiseindruck
Nach dem Umbau des Vivitar zu einem bare bulb flash war es an der Zeit, zu sehen, ob solch ein Umbau wirklich nennenswerte Änderungen gegenüber herkömmlichen Kompaktblitzen mit sich bringt. Aus diesem Grunde trat der Vivitar 283 Barebulb zu einem Vergleichstest an.
Der Vergleichsaufbau, quick and dirty, genügt sicherlich nicht Labormaßstäben, reicht aber aus, um sich einen Eindruck über die Lichtwirkung zu machen.
Zum Aufbau selbst: Kamera war die Nikon D200 mit AF-S Nikkor 18-70mm 3.5-4.5 G ED. Blitze: Nikon SB24 und eben der Vivitar 283 Barebulb. Bei allen Bildern: ISO 100, f/8, 1/60 sec. RAW-Konverter: Pixmantec RAW Shooter Professional. Die Bilder sind out of cam. Im RAW-Konverter wurden Kontrast und Schärfe ganz leicht angehoben. Beim letzten Bild, welches mit dem Vivitar 283 Barebulb aufgenommen wurde, wurde die Belichtung hochgezogen (später dazu mehr). Die funkausgelösten Blitze standen ca. 1 m links neben der Kamera und ungefähr auf Objektivhöhe. Die Entfernung zum Motiv betrug ca. 2 m.
Zunächst einmal: SB24 pur, direkt auf das Motiv gerichtet. Zoom: 50mm. Leistung: 1/4.

Wie zu erwarten: Harte, dunkle Schatten, frontale Ausleuchtung. Weiter geht es mit dem Nikon SB24, über einen silbernen Reflexschirm geblitzt.

Hier sind die Schatten schon deutlich weniger hart, auch sind Bildteile, die im Schatten liegen, weniger zugelaufen. Unschön sind aber die harten Übergänge am Kernschatten. Das nächste Bild wurde wiederum mit dem SB24 azfgenommen, diesmal aber durch einen weißen Durchlichtschirm geblitzt, wozu eine Leistungsanhebung auf 1/2 nötig war.

Die Schatten sind nochmals deutlich weicher geworden, außerdem sind die Übergänge innerhalb der Schatten gleichmäßiger. Bildteile, die in den Schatten liegen, sind kaum noch zugelaufen - man vergleiche den Nikon-Blitz am rechten Bildrand mit der ersten Aufnahme.
Nunmehr: Trommelwirbel, der Vivitar 283 Barebulb betritt das Testparkett. Die Blitzröhre wurde senkrecht stehend ausgerichtet. Zunächst einmal eine Überraschung: Die Leistung geht doch sehr in den Keller, und zwar mehr, als ich das erwartet hatte. Trotz 1/1-Leistung mußte das Bild im RAW-Konverter um über eine Blendenstufe hochgezogen werden, um den gleichen Helligkeitseindruck wie bei den anderen Bildern zu erhalten.

Der große Wow-Effekt bleibt aus. Zunächst wandert der Blick auf den Schatten der Funkgerät-Antenne links, und der ist hart - fast so hart wie beim ersten Bild. Bei weiterem Vergleich tut sich aber doch ein Unterschied zum direkt geblitzten Bild auf: die Schatten sind bei weitem nicht so dunkel. Man vergleiche nochmals Bildbestandteile, die im Schatten anderer Objekte liegen, wie beispielsweise den Nikon-Blitz auf der rechten Seite.
Interesseant: Rechts, im Bild nicht mehr sichtbar, stand ein rotes Buch. Man achte auf die Tapete... hier kann man sehen, dass der Vivitar 283 Barebulb in der Tat rund abstrahlt und alle Flächen im Raum als Reflektor benutzt (was natürlich auch zum problem werden kann).
Was ist nun das Fazit? Nun, wie gesagt, das große Wunderwerk ist dieser bare bulb falsch nicht. Man kann aber vermuten, dass er in gewissen Aufnahmesituationen ein geeignetes Werkzeug sein könnte. Ich habe allerdings das dumme Gefühl, dass ich erst einmal herausfinden muss, welche Aufnahmesituation eine solche sein könnte... und wie dieser Blitz dann dort eingesetzt werden muss. Da wird wohl noch trial and error angesagt sein.
Und noch eine Erkenntnis: Das Ding frißt Leistung! Eine höhere Leitzahl wäre wünschenswert... das ist wohl auch der Grund, warum handelsübliche bare bulb flashes deutlich leistungsstärker sind. Die Firma, die seinerzeit den Vivitar 283 zu einem bare bulb flash ähnlich dem Quantum QFlash umbaute, setzte gleich noch einen zusätzlichen Blitzkondensator ein...
Was man noch ausprobieren müßte, wäre die Lichtwirkung mit angeflanschtem Reflektor, wie ihn beispielsweise der Quantum QFlash verwendet. Mal sehen, wann ich dazu komme.
Alles in allem ein ganz nettes Projekt. Der große Aha-Effekt blieb zwar aus, andererseits kann man da bestimmt noch etwas daraus machen. Und sei es nur, sich am Ende einen QFlash zu kaufen...
NOCH EIN UPDATE Der Vivitar 283 Barebulb ist nun in Version 2 vorhanden. Hier mehr dazu.
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