Kategorie: Theorie
Über die Suche nach der "besten Fälschung" und einen problematischen Begriff
Eine Fälschung ist eine Unwahrheit, eine Lüge. Das Wesen einer Fälschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist. Ein Fälschung ist also ein Betrug, ein Fälscher also ein Betrüger
Auch im Bereich der Fotografie gibt es, das wissen wir alle, Fälschungen. Das Phänomen dürfte so alt sein die wie Fotografie selbst. Spektakuläre Bildfälschungen sind die Retusche von Trotzki durch die sowjetische Zensur, in jüngere Zeit die Verwandlung von Wasser- zu Blutpfützen nach dem Anschlag von Luxor durch die schweizer Boulevardzeitung Blick (1997) oder die Bildfälschung des Reuters-Fotografen Adnan_Hajj (2006) und, ganz aktuell, die Disqualifikation Stepan Rudiks beim World press photo award.
Nun ist nicht jede Bildmanipulation eine Bildfälschung im moralischen Sinne von Lügen. Dass die zahlreichen Personen auf den Titelbildern der TV-Programmzeitschriften geschönt sind, dürfte bekannt sein. Dass in der Werbung massiv manipuliert wird, sollte Allgemeingut sein. Darüber regt sich niemand auf.
Dennoch: Selbst in Bereichen, in denen massive Bildmanipulation gesellschaftlich akzeptiert ist und nicht als "Lüge" wahrgenommen wird, würden sich die Bildbearbeiter nicht freiwillig als "Fälscher" bezeichnen. Und die meisten würden sich wohl verbitten, als "Fälscher" tituliert zu werden.
Umso verwunderlicher ist es, dass in einer momentan laufenden Blogparade aufgefordert wird, "deine beste Fälschung" zu publizieren. Keine Sorge, was man da zu sehen bekommt, sind keine falschen Geldscheine, keine Außerirdischen in Berlin, keine Angela Merkel, die lachend Küken in einen Fleischwolf steckt. Es sind zumeist noch nicht einmal "richtige" Fälschungen, sondern Collagen, Montagen, Retuschen, Composings.
Alles halb so wild also? Warum die ganze Aufregung hier?
Was mich stutzen läßt, ist die Verwendung des Begriffes "Fälschung". Warum fragt man in der Blogparade nach "deiner besten Fälschung"? Warum nicht nach "deiner besten Bildmanipulation"? Okay, das ist etwas sperrig – wie wäre es mit "deine beste Montage" oder "dein bestes Composing"? Eine begriffliche Kleinigkeit, die aber einen gewaltigen Unterschied macht! Wäre ich über "dein bestes Composing" gestolpert, hätte ich mir das angeschaut, gegebenenfalls hier gelacht, da gegähnt, dort gestaunt.
So aber wundere ich mich, wie unreflektiert hier mit dem Begriff der Fälschung umgegangen wird. Sicherlich hat sich der Initiator der Blogparade nichts Böses dabei gedacht, aber nichts Böses gedacht ist mir hier zu wenig.
Ebenfalls verwunderlich ist, dass sich die Teilnehmer diesen Schuh so mir nichts, dir nichts anziehen. Immerhin ist jemand, der stolz seine "beste Fälschung" präsentiert, streng dem Wortlaut nach ein Fälscher.
Einige Teilnehmer haben aber offenbar ebenfalls Bauchschmerzen mit diesem Begriff. So macht sich Jan-Paul Nachtwey auf japana.de ähnliche Gedanken wie ich und thematisiert recht ausführlich die Geschichte der Manipulation in der Fotografie.
Auch Jana von janasworld.de meint "[...] eine schwierige Frage. Denn wann hört Retusche/Bildoptimierung auf und wann fängt Fälschung an. Wenn der Himmel etwas blauer wie blau ist, ist es dann nur eine Optimierung oder schon eine Fälschung?".
Und auch der stilpirat hat Bedenken: "Nun, 'Fälschung' ist ein großes Wort. Ich persönlich hab da so meine Schwierigkeiten. Ich greife hin und wieder etwas tiefer in ein Foto ein... würde es 'Bildbearbeitung' nennen – schlimmstenfalls 'Bildmanipulation'... aber fälschen, naja..."
Unabhängig davon, welches Verhältnis man zu Bildmanipulationen hat, halte ich es für problematisch, den Begriff der Fälschung so lässig zu verwenden und mit der Suche nach der "besten" Fälschung sogar in die Nähe einer Auszeichnung zu rücken.
Manche Begriffe bedürfen einer gewissen Sensibilität. Ich persönlich halte die Suche nach der "besten Fälschung" für verhängnisvoll. Solche Aktionen sind ein (wenn hier auch gewiß sehr, sehr kleines) Stück zu einer Wahrnehmung von Fotografen als Manipulateure am Computer und langfristig einer abnehmenden Wertschätzung von Fotografie.
Daher sei hier ausdrücklich gesagt, dass es mir nicht um Bashing geht. Im Grunde genommen sind die Personen, auf die ich mich hier beziehe (hier natürlich vor allem der Initiator der Blogparade), irrelevant. Es geht mir um den Sachverhalt, meinen Standpunkt dazu und nicht darum, Leute zu beleidigen.
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Ich meine, das wort fälschung ist ja schnell im artikel ersetzt. und ein kurzer kommentar dazu ist ebenfalls schnell geschrieben. wenn man denn wollte.
aber, ums kurz zu machen... was solls? die meisten wissen, was da gemeint ist. :)
Was mich aber ein wenig verwundet ist das Du direkt am Anfang geschrieben hast das :
Das Wesen einer Fälschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist.
wie Du siehst eine Retuschierte Bauch oder Cellulitis auf einem Bild ist nichts anders als ein Fälschung der realitet . Also eine Fälschung
Das die Leute sich nicht freiwillig als Fälscher bezeichnen werden , verändert nicht die Tatsache das die "Produkte" ihre Arbeit eine von uns erlaubte Fälschungen sind .
Hitler Tagebücher gehören zu den Bekanntesten Fälschungen letzte Zeit . Bücher die nicht existierten wie nicht existierte ein Treffen von 7 Brüder bei mir auf dem Bild ( ich hab nur einen und noch dazu um 5 Jahre Jungehren)
Ob man das Bild als Fälschung oder Composing schimpfen wird , ist mir Persönlich egal .
Trotzdem es zeigt eine Situation die es geben könnte ( wen es soviel Brüder gegeben währe) aber es nicht gab .
Low level Küchenfotografie
Eigentlich dürfte ich mich das gar nicht trauen. Denn richtige Foodfotografie ist eine Wissenschaft für sich, eine Domäne der Profis mit sorgsam gehüteten Kenntnissen als Ergebnis oft jahrelanger Praxis. Diese Bilder sind das Nebenprodukt eines kleinen Kochens. Sie sind ungestellt, mit echtem Essen, authentisch - aber eben keine richtige Foodfotografie. Kenner des Metiers werden angesichts beispielsweise schmutziger Herdplatten oder kalkiger Wasserhähne den Kopf schütteln.
Aber lecker geschmeckt hat es.





4 Kommentare
Das sind wirklich klasse Aufnahmen
Vor allem das Bildgestaltung finde ich sehr gelungen
Jetzt nur noch einen Kurzen beschreibung was Du da machst
und gleich werde ich nachkochen :-) ich mag Paprika .. sehr
Image Fulgurator: Einige Fragen an Julius von Bismarck
Über den Image Fulgurator und seine Auswirkungen wurde bei realfragment bereits berichtet. Auch im Internet, befeuert durch die Blogosphäre, stieß der Image Fulgurator durchaus auf Aufmerksamkeit. Der Image Fulgurator wurde hier jedoch meist als eine Art Kuriosum, eine technische Spielerei, wahrgenommen. Oftmals auch fand eine eher technikzentrierte Auseinandersetzung statt.
realfragment möchte die politische und gesellschaftlichen Aspekte des Image Fulgurator stärker beleuchten und hat dem Künstler Julius von Bismarck einige Fragen gestellt.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com
realfragment: Bildmanipulation in der Fotografie ist ein altes Thema. Bis jetzt fand Bildmanipulation im engeren Sinne im Nachhinein, am bereits gemachten Bild statt. Die Abbildung der Realität wurde manipuliert. Die Manipulation, die der Image Fulgurator vornimmt, findet ohne Zutun und ohne Wissen des Fotografen statt. Überdies erfolgt sie in einem Stadium, dem der Fotograf glaubt, die Realitätsabbildung noch voll unter Kontrolle zu haben. Was brachte Sie zu dem Ansatz, die Manipulation in den Augenblick der Aufnahme vorzuverlagen, also nicht mehr die Abbildung der Realiät, sondern die Realität selbst zu manipulieren?
von Bismarck: Die visuelle Manipulation des Stadtraumes war mein ursprüngliches Ziel. Weil ich schon bei anderen Arbeiten experimentell mit Blitzen, Kameras und Projektionen gearbeitet habe, kam mir die Idee des Image Fulgurators. Erst dann wurde mir bewusst, wozu man solch einen Apparat nutzen könnte.
realfragment: Auf dem Video, das den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie zeigt, sind teilweise verstörte Menschen zu sehen. Ist diese Reaktion der Regelfall, oder wird die Manipulation auch gleichmütig hingenommen?
von Bismarck: Natürlich reagieren die Leute verstört, wenn sie etwas auf ihrem Bild sehen, was sie mit ihren eigenen Augen nicht gesehen haben. Besonders spannend finde ich hierbei den Augenblick, unmittelbar nachdem das gemachte Foto auf dem Kamerabildschirm angesehen wird. Viele Leute wissen für einen kurze Zeit nicht, ob sie dem Foto oder ihren eigenen Augen trauen sollen. Wie in dem Video, was ich am Checkpoint Charlie aufgenommen habe, gut zu sehen ist, nehmen viele Touristen ihre Umwelt eigentlich nur noch über den Bildschirm ihrer Kamera wahr. Die Konservierung des Gesehenen wird wichtiger als die eigentlich Erfahrung, vor Ort zu sein.
Ich glaube nicht, dass man einen Eingriff in diesen Vorgang einfach hinnimmt, vorausgesetzt, man bemerken ihn.
Da ich mit dem Apparat auf das Motiv ziele und nicht auf einen bestimmten Fotografen, weiß ich oft nicht, wen die Fulguration getroffen hat.
realfragment: Wie schätzen Sie die generelle Wirkung des Image Fulgurator auf die Fotografen ein - kann der Image Fulgurator das Selbstverständnis der Eigendokumentation und ihrer unbedingten Authentizität aufbrechen?
von Bismarck: Ich hoffe, dass ich an diesem Selbstverständnis etwas rütteln kann. Besonders wenn es um Fotografen geht, die ein bestimmtes Ereignis für viele Konsumenten konservieren. Ich glaube, zu einem nachhaltigen Effekt kommt es nicht, wen ich hier und da mal jemandem einen visuellen Kommentar unterschummle. Ich hoffe aber, dass ich damit eine Diskussion auslösen kann, die dann vielleicht auch einen nachhaltigen Effekt hat.
realfragment: Im Internet wird der Image Fulgurator zum großen Teil entweder als Touristenschreck ("Für alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen lästigen Kameras tun wollen") oder als Technikspielerei wahrgenommen. Die von Ihnen durchgeführte Aktion läßt nun aber durchaus einen politischen Anspruch erkennen. Warum, glauben Sie, werden die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Image Fulgurator so wenig thematisiert?
von Bismarck: Diese Aspekte interessieren mich eigentlich am meisten, deshalb bin ich dankbar, dass sie von Ihnen thematisiert werden.
Die Mitglieder der blogger-Gemeinde, die in den letzten Tagen auf den Image Fulgurator reagiert haben, kommen ja zum größten Teil aus einem Technikhintergrund. Besonders in den USA wird teilweise sehr negativ auf den Image Fulgurator reagiert. Die Diskussionen werden oft oberflächlich geführt, und enden teilweise mit einer Beschimpfung gegen mich. Die Leute haben anscheinend richtig Angst, dass ich ihnen ihre Urlaubsfotos versaue. Ich freue mich jedoch über jede Diskussion, die von mir provoziert wurde, schließlich war das ja genau das Ziel meiner Arbeit.
Zu einer tiefgründigen Diskussion kommt es hoffentlich, wenn meine anderen Interventionen öffentlich werden. Die Aktion am Checkpoint Charlie war für mich nur ein erster Test. Vielleicht war es ein Fehler, das Video jetzt schon zu veröffentlichen.
realfragment: Eine weitere Reaktion im Internet auf den Image Fulgurator ist die sofortige Assoziation der kommerziellen Verwendung, entweder zur Einblendung von Werbung an lohnenden Standpunkten oder als Fotografieverhinderung, quasi als Copyright-Enforcement-Maschine, beispielsweise in Museen. Sie selbst haben den Image Fulgurator zum Patent angemeldet. Warum haben Sie den Apparat zum Patent angemeldet?
von Bismarck: Das Patent dient in erster Linie dazu, Kontrolle über die Nutzung meiner Erfindung zu haben. Es wäre unverantwortlich gewesen, die Erfindung nicht zu schützen, da man sie gut für penetrante Werbung nutzen könnte.
realfragment: Warum, denken Sie, gehen so viele Menschen von einer zukünftigen kommerziellen Verwendung aus?
von Bismarck: Das verwundert mich nicht. Schließlich wird alles Mögliche zu Geld gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste. Mich persönlich interessiert die kommerzielle Nutzung erstmal nicht so. Ich verstehe mich hierbei eher als Künstler und nicht als Unternehmer.
realfragment: Bleibt der Image Fulgurator als Kunstprojekt in den Austellungshallen oder planen Sie Aktionen an öffentlichen Orten?
von Bismarck: Bei der Cyberarts Ausstellung in Linz, die zur Ars Electronica 2008 im September eröffnet, wird das gesamte Projekt ausgestellt. Dort gibt es dann eine Dokumentation über alle Interventionen und natürlich wird der Fulgurator auch zum Einsatz kommen.
realfragment: Julius von Bismarck, vielen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben.
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Der Blick durch den Sucher - der Wochenrükblick auf die Fotografie-Szene - für Kalenderwoche 27.
Fototechnik / Fotografen über die Schulter geschaut: Claudia von schauplatz.org berichtet Interessantes von der Sommerakademie Gestalterische Fotograf...
soetwas kann nur einem "freien erfinder" (ich weiß komischer begriff) einfallen, da in forschungsabteilungen mit zielvorgaben geforscht wird. hier gab es vermutlich kein ziel nur offenbar die richtige idee im kopf des zichtigen menschen zur richtigen zeit. arbeite seit über 10 jahren mit erfindern aber das ist eine der verrücktesten (im besten sinne des wortes) ideen die ich gesehen habe. jvb gratulation!
gm
Aufgebrochene Realitätsvergewisserung: Der Image Fulgurator und seine Auswirkungen
Bildmanipulation ist so alt wie die Fotografie selbst. Und noch heute werden Bilder als Beweis wahrgenommen - lange nach der Erkenntnis, dass auch Nachrichtenbilder immer wieder manipuliert wurden.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com
Dass Bilder manipuliert werden können und werden, ist heute Allgemeingut - spätestens der Siegeszug der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung, der seit einiger Zeit auch im Mainstream angekommen ist. Dennoch: Bilder bleiben Beweise, Bildern wird geglaubt, und zwar auch von jenen, die um die Manipulationsmöglichkeiten wissen. Es scheint, dass das Wesen der Fotografie sich aufgespalten hat. Auf der einen Seite existiert das, was ich "generierte Realität" nennen möchte und anhand der Fernsehzeitschriften-Titelbildern vor kurzem in der Zeit ganz treffend charakterisisert wurde. Auf der anderen Seite: Die "dokumentierte Realität", das sind beispielsweise Bilder, die Nachrichten illustrieren.
Die Rezipienten haben gelernt, mit beiden Spielarten umzugehen. Mit generierter Realität wird gespielt, es ist klar, dass es sich kaum um ein authentisches Abbild handelt, handeln kann, handeln soll. Das wird auch nicht erwartet.
Bei dokumentierter Realität hört der Spaß allerdings auf: Hier erwarten die Betrachter Authentizität ohne wenn und aber.
Ob ein Bild nun generierte oder dokumentierte Realität darstellt, ist zunächst schwer zu erkennen und wird zunehmend nur noch durch den Kontext, in dem sie sich befinden, definierbar. Wieder ein Beispiel: Über die Kunstmenschen, die auf den Titelbildern von Zeitschriften wie beispielsweise TV Spielfilm erscheinen, regt sich niemand auf - zu offensichtlich ist, das diese Bilder nicht authentisch sind.
Manipulationen im nachrichtlichen Kontext stoßen aber noch immer auf Empörung, das zeigt beispielsweise der Fall Adnan Hajj. Glücklicherweise, möchte man ausrufen.
Zurück zur Bildmanipulation. Bei der Frage nach Authentizität stößt man auf eine harte Erkenntnis: Natürlich ist auch ein Bild, das nichts anderes zeigt als die Realität, in gewisser Weise manipuliert. Allein die Wahl des Aufnahmestandorts ist eine erste Manipulation, hinzu kommen etliche weitere Aufnahmeparameter. Diese Beeinflussungen müssen noch nicht einmal absichtlich entstehen. Es ist aber wohl nicht sehr zielführend, den Begriff der Manipulation soweit auszudehnen.
Wenn wir von manipulierten, von gefälschten Bildern sprechen, so meinen wir im engeren Sinne Bilder, deren Aussage im Nachhinein verändert wurde, bei denen später vorsätzlich etwas weggenommen oder hinzugefügt wurde, was im Zeitpunkt der Aufnahme vorhanden war. Bildmanipulation in diesem allgemeingebräuchlichen Sinne ist also das Ändern der Realitätsabbildung im Nachhinein.
Das bedeutet aber auch: Auf das, was aufgenommen wurde, kann man sich verlassen. Und weiter: Auf das, was man selbst aufgenommen hat, kann man sich verlassen - genau so funktioniert Existenzvergewisserung.
Der Image Fulgurator des Berliner Künstlers Julius von Bismarck bricht diese Gewissheit auf. Sein "Aparat zur "minimal-invasiven Manipulation von Fotographien (Fehler im Original)" ändert die Realität in dem Moment, in dem sie festgehalten wird. Dabei ist diese Veränderung nur für einen Wimpernschlag sichtbar und wird erst auf den fertigen Bildern sichtbar.
Das Gerät ist verblüffend einfach aufgebaut. Ein Sensor registriert das Blitzlicht eines Fotoapparates und löst eine Projektion auf das Motiv aus. Ironischerweise geschieht dies mit einem umgebauten Fotoapparat, der den Weg der Bildwerdung vom Kopf auf die Füße stellt.
Das Resultat ist verblüffend, ja teils verstörend, wen man die Reaktionen der Fotografen berachet. Das Prinzip der Realitätsabbildung wurde offenbar aprupt und nachhaltig durchbrochen, ohne dass die Fotografen sich dies erklären können.
Am Rande sei noch erwähnt, dass ich eine ähnliche Aufhebung der Realitätsvergewisserung vor einigen Jahren erlebte, als Besucher einer Ausstellung eine Videoinstallation, die auf eine Leinwand projeziert wurde, zur Erinnerung festhalten wollten. Durch Blitzeinsatz auf die Videoleinwand war das Resultat meistens eine Bild, dem die Erinnerung fehlte: Eine weiße Leinwand. Manche Leute versuchten mehrmals, die flüchtigen Bilder zu fotografieren, mussten dann aber, nach mehrmaliger Kontrolle auf dem Display, aufgeben.
Interessant war, dass die Menschen das Scheitern ihrer Bemühungen sofort oder nach einigen Versuchen, eher gleichmütig hinnahmen.
Folgendes Video zeigt den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie. Der Image Fulgurator projeziert auf das berühmte Schild "You are entering the American Sector" den Satz "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border". Die Reaktionen der Fotografen sind ganz und gar nicht gleichmütig, stellenweise wirken die Leite verstört ("It's spooky").
Im Gegensatz zur Videoinstallation, die ja von vorneherein einen spielerischen Kontext aufbaute, ist dies Ernst. Hier ist keine situationsbedingte Erklärung zur Hand.
Das Prinzip der Selbstvergewisserung wurde ganz offenbar für einen Moment aufgebrochen, der Glaube an die Authentizität der selbst konservierten Realität erschüttert. Von Bismarck selbst formuliert dies so:
A camera can be used as a personal memory tool, since people do not doubt the veracity of their own photographs. [...] with the Fulgurator it is possible to have a lasting effect on those kinds of individual moments and events that become accessible to the masses only because they are preserved photographically.
In this context the Fulgurator represents a manipulation of visual reality and so targets the very fabric of media memory.
Diesen politischen Anspruch haben manche aber wohl nicht ganz verstanden:
Für alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen lästigen Kameras tun wollen, hat ein Mensch namens Julius von Bismarck einen Apparat zur sogenannten “minimal-invasiven Manipulation von Fotoapparaten erfunden.
Vom 4. bis 9. September ist der Image Fulgurator auf der CyberArts-Ausstellung im Rahmen des Ars Electronica-Festivals in Linz zu sehen.
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Adobe Express Lizenzbedingungen: Nachbesserung in Sicht
Der Adobe Photoshop Senior Product Manager, John Nack, hat auf seinem Blog eine Mitteilung des Photoshop Express Teams veröffentlicht:
We've heard your concerns about the terms of service for Photoshop Express beta. We reviewed the terms in context of your comments - and we agree that it currently implies things we would never do with the content. Therefore, our legal team is making it a priority to post revised terms that are more appropriate for Photoshop Express users. We will alert you once we have posted new terms. Thank you for your feedback on Photoshop Express beta and we appreciate your input.
Adobe hat also die Kritik und Befürchtungen an den derzeitigen Nutzungsbedingungen wahrgenommen und arbeitet nun daran, angemessenere (O-Ton Adobe) Nutzungsbedingungen zu erarbeiten.
Schön, das Adobe so schnell reagiert.
John Nacks Blog ist, das sollte noch erwähnt werden, sein privates Blog. Die Veröffentlichungen dort müssen nicht zwangsläufig offizielle Adobe-Positionen sein (wobei man davon ausgehen kann, dass Nack nicht unbedarft Interna oder halbgare Gerüchte veröffentlicht).
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Adobe Express: Erst lesen, dann hochladen
Gerade beim public eye blog gelesen: "Nachdem lange Zeit immer wieder Gerüchte durchs Netz geschwirrt sind, ist das browser-basierte Adobe Photoshop Express jetzt als Public-Beta-Version online."
Ich als alter Kontrollfreak bin zwar gar kein Freund der Modewelle browserbasierte Anwendungen, aber gut, das ist wohl Geschmackssache.
Ein erster Blick auf die Seite: Ganz nett gemacht, und zwei GB Speicherplatz sind schließlich auch dabei.
Was aber den Einsatz von Adobe Photoshop Express (und damit auch einen ausführlichen Test) für mich von vorneherein ausschließt, ist folgender Passus in den Nutzungsbedingungen:
Adobe does not claim ownership of Your Content. However, with respect to Your Content that you submit or make available for inclusion on publicly accessible areas of the Services, you grant Adobe a worldwide, royalty-free, nonexclusive, perpetual, irrevocable, and fully sublicensable license to use, distribute, derive revenue or other remuneration from, reproduce, modify, adapt, publish, translate, publicly perform and publicly display such Content (in whole or in part) and to incorporate such Content into other Materials or works in any format or medium now known or later developed.
Zu deutsch etwa: Adobe erhebt keinen Besitzanspruch auf Ihre Werke. Jedoch gewähren Sie Adobe hinsichtlich Inhalten, welche Sie übermitteln oder für die Einbindung in öffentlich erreichbare Bereiche des Dienstes [gemeint ist Adobe Express, d.Verf.] verfügbar machen, eine weltweite, gebührenfreie [für Adobe gebührenfrei, d.Verf.], nichtexklusive, immerwährende, unwiderrufliche und in vollem Umfang weiterlizensierbare [von Adobe an Dritte, d.Verf.] Genehmigung, diese Inhalte oder Teile davon zu verwenden, verbreiten, damit Einnahmen oder andere Vergütungen zu erzielen, zu reproduzieren, modifizieren, adaptieren [umarbeiten, d.Verf.], publizieren, übersetzen, öffentlich aufzuführen und öffentlich abzubilden sowie solche Inhalte in andere Güter oder Werke jeglicher Ausführung oder jeglichen Medius, sei es derzeitig bekannt oder zukünftig entwickelt, einzuarbeiten.
Dieser Passus könnte nun natürlich der Standardpassus des Adobe-Hausjuristen für Webanwendungen sein, mit dem sich Adobe möglichst nach allen Seiten absichern möchte. Sicher ist dies jedoch nicht, und wenn man bedenkt, welche Dimensionen der globale Bildermarkt hat, könnte man sich durchaus vorstellen, dass Adobe den Passus vollbeabsichtigt so, wie er ist, verfaßt hat.
Inwiefern dieser Passus überhaupt rechtswirksam ist, darüber mögen sich die Juristen streiten. Auch darüber, ob dieser Passus mit dem deutschen Recht des Urhebers auf Urheberkennzeichnung (§13 UrHG) kollidiert, ist eine Frage. Auch ansonsten lassen sich ganz tolle Konstruktionen für zukünftige Rechtsstreite ausdenken: Ein Abgebildeter verklagt Adobe wegen Verletzung des Rechts am eigenen Bild, Adobe wiederum hält sich an den Urheber (der in einem anderen Passus versichert, im Besitz von Veröffentlichungsrechten zu sein)... undsoweiter undsofort.
Wie auch immer dem sei, was auch immer dahinter steckt: Da ich über die Verwendung meiner Bilder selbst bestimme, ist dieser Dienst zu diesen Bedingungen für mich nicht annehmbar.
Habe ich schon erwähnt, dass ich als Kontrollfreak...? Aber das ist eine andere Geschichte.
UPDATE Adobe wird die Lizenzbedingungen nun offenbar überarbeiten. Hier mehr dazu.
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Wenn ich ehrlich bin, ich lese die AGBs auch nur sehr selten durch, überhaupt wenn sie in englisch verfassen sind, desshalb ist es gut wenn es solche Kontrollfreaks wie dich gibt :-)
Auf freundlichen Hinweis von PGS und nun auch sogar auf Spiegel zu lesen ist der pikante Abschnitt in den "Terms" bei Adobe Photoshop Express (Man akzeptiert Sie bei der Anmeldung)
So wird dort geschrieben:
Adobe does not claim ownership of Y...
Die Brennweite und ihr Einfluß auf die Perspektive
Unter Fotografen weit verbreitet ist die Ansicht, dass die Brennweite Einfluß auf die Perspektive habe. Dies äußert sich in allgemein bekannten Regeln wie "Ein Teleobjektiv verdichtet die Perspektive", "macht den Raum flach" oder "Ein Weitwinkel verzerrt den Raum".
Was in der fotografischen Praxis zunächst einmal bewährt, nachvollziehbar und deshalb richtig erscheint, ist jedoch nichts anderes als eine optische Täuschung. Tatsächlich hat die Brennweite überhaupt keinen Einfluß auf die Perspektive. Die Perspektive wird einzig und allein durch den Aufnahmeabstand beeinflußt.
Mit einem Versuch läßt sich dies feststellen. Folgende Aufnahmen wurden vom selben Kamerastandpunkt aufgenommen, einmal mit 14mm Brennweite, einmal mit 28mm, einmal mit 50mm und einmal mit 85mm (der sogenannte Cropfaktor, also das Verhältnis der Größe des Bildsensors zum Kleinbildformat, wird hier nicht genannt - denn auch die Größe des Aufnahmeformats hat keinerlei Einfluß auf die Perspektive - später dazu mehr).
An den Bildern wurde nichts geändert außer leichter Kontrastanhebung und leichtem Nachschärfen. Außerdem wurden vorhandene Kennzeichen unkenntlich gemacht.

14mm Brennweite

28mm Brennweite

50mm Brennweite

85mm Brennweite
Und in der Tat scheint die Brennweite einen Einfluß auf die Perspektive zu haben: Ist nicht das Bild, das mit 15mm Brennweite aufgenommen wurde, weitwinkeltypisch verzerrt? Und ist nicht jenes mit 85 mm verdichtet?
Nun, schauen wir uns einmal die Bestandteile an, die in allen Bildern vorhanden sind. Das bedeutet, wir schneiden einfach mal all das weg, was nicht im 85er-Bild (der Einfachheit halber nenne ich die Bilder der verschiedenen Brennweiten im weiteren Verlauf so) zu sehen ist. Dabei erhalten wir natürlich verschiedene Ausschnitte:

85mm

50mm

28mm

14mm
Jetzt, da nur noch die gemeinsamen Bildbestandteile aller Brennweiten sichtbar sind, kann unser Gehirn uns nicht mehr über den Kontext der jeweiligen unterschiedlichen Bildbestandteile täuschen.
Um nun auch noch die letzte Einflußgröße, die unser Gehirn zur Perspektive relativiert, auszuschalten, bringen wir alle Ausschnitte auf die gleiche Größe:




Wir sehen: Die Bilder - und die Perspektiven - sind gleich. Natürlich ist das 14er qualitativ schlechter als das 85er - es ist ja stärker vergrößert. Dem werten Leser sei versichert, dass obige Bilder wirklich die vergrößerten Ausschnitte sind. Oben das 14er, gefolgt vom 28er, danach das 50er, und schließlich das 85er.
Die Brennweite verändert also nicht die Perspektive! Was die Brennweite ändert, ist der Bildwinkel, also der auf dem Aufnahmemedium abgebildete Ausschnitt des Motivs (hier auch nochmal bei Wikipedia erklärt). Die "Verdichtung" oder "Verzerrung" entsteht in unserem Gehirn, das alle Bildbestandteile zueinander in Beziehung setzt. Man könnte sagen, die Brennweite ändert nicht die Perspektive, aber die Bildwirkung.
Genausowenig wie die Brennweite die Perspektive ändert, so wenig ändert übrigens die Größe des Aufnahmemediums (also Film oder Sensor) die Perspektive. Denn auch die Größe des Aufnahmemediums ändert nur den Bildwinkel - sozusagen diesmal aber von der anderen Seite des Objektives. Ein 50mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera bildet die selbe Perspektive ab wie das selbe 50mm-Objektiv (hypothtisch) an einer Digital-Kompaktkamera mit findernagelgroßem Sensor; lediglich der Ausschnitt des Motivs verändert sich.
Die falsche Annahme, die Brennweite verändere die Perspektive, rührt daher, dass unser Gehirn immer alle Bildbestandteile in die perspektivische Auswertung mit einbezieht: Ein kleinerer Bildwinkel bei gleicher Bildgröße führt zum Eindruck einer "Verzerrung" der Perspektive. Ein größerer Bildwinkel bei gleicher Bildgröße gauklet unserem Gehirn eine "Verdichtung" der Perspektive vor.
Erst dann, wenn wir nur noch die gemeinsamen Bildbestandteile verschiedener Bildwinkel (seien die verschiedenen Bildwinkel nun durch verschiedene Brennweiten oder verschiedene Größen des Aufnahmemediums entstanden) betrachten, sehen wir, dass sie sich nicht unterscheiden.
Wer nun zweifelt, dass der Versuch wirklich beweist, dass die Brennweite keinerlei Einfluß auf die Perspektive hat, der sei ermutigt, den Versuch selbst durchzuführen. Gerade digital ist er von jedermann ohne allzugroßen Aufwand durchzuführen. Wichtig ist nur, dass die Aufnahmen mit den verschiedenen Brennweiten mit exakt gleichen Kamerastandpunkt durchgeführt werden! Eine Änderung des Kamerastandpunktes hat nämlich, im Gegensatz zur Brennweite, zwangsläufig Auswirkungen auf die Perspektive (dazu wird es hier in nächster Zeit einen weitern Versuch geben)!
Nochmal: Bei diesem Versuch darf der Kamerastandpunkt nicht verändert werden! Ein Stativ oder eine andere geeignete Fixierung der Kamera ist also Pflicht.
Es lohnt sich übrigens wirklich, diesen Versuch selbst einmal mit eigenem Material durchzuführen, denn der Erkenntnisgewinn ist, egal ob man Skeptiker ist oder nicht, sehr groß.
All jenen, die meinem Worte weniger vertrauen als dem eines Meisters, oder denen, die das Ganze lieber in gedruckter Form lesen möchten, sei Feiningers Hohe Schule der Fotografie ans Herz gelegt (auch ansonsten ist dieses Buch sehr empfehlenswert!); hier wird unser Versuch nochmals ausführlich besprochen.
Verwendetes Material: Nikon D200, Sigma AF 14mm F3.5, Sigma 28mm F1.8 EX DG Macro ASP, Nikon AF Nikkor 50mm 1:1.8D, Nikon AF Nikkor 85mm 1:1.8
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7 Kommentare
Aber nach dem Fall kommt sehr wahrscheinlich der Aufprall, der den Gesundheitszustand ändert, genau wie nach Änderung der Brennweite sehr wahrscheinlich der Aufnahmestandort verändert wird.
Den Leuten die sagen die Brennweite ändert die Perspektive geht es vermutlich nicht darum ob ihre Wortwahl und Beschreibung akademisch korrekt ist, sondern um das was *wahrscheinlich* am Ende dabei rauskommt, nämlich das man seinen Standpunkt verändert wenn man eine andere Brennweite wählt.
Ich habe auch mal darüber geschrieben (Bildkomposition: Stauchung) und in den Kommentaren direkt eins über die Rübe bekommen, dass die Perspektive sich nicht ändert. Und da vertrete ich dann den gleichen Standpunkt wie mein Vorredner Sam; auf das Ergebnis kommt es an!
es geht dabei darum, dass sich das Größenverhältnis der nahen und fernen Objekte verändert, wenn man bei unterschiedlicher Brennweite und unterschiedlichem Abstand der Kamera vom Objektiv fotografiert - aber gleichbleibender Größe eines Objektes! Fotografierrst du, sagen wir mal, eine Kaffeetasse auf dem Tisch so, dass sie 1/2 der Bildhöhe einnimmt (die Größe ist natürlich beliebig, muß aber immer gleich sein), mit Weitwinkel oder Tele, wirken die Objekte weiter hinter der Tasse im Weitwinkel kleiner und weiter entfernt, im Tele dagegen näher.
Beispielfotos: http://www.rofrisch.de/fotokurs/perspektive.htm
Machst du bei deinem Vergleich nicht einen Denkfehler? Du vergleichst die angepassten Bildausschnitte miteinander. Würde das Ergebnis nicht anders aussehen, wenn du schon bei der Aufnahme den Abstand zum Objekt so verändert hättest, dass sich der gleiche Bildausschnitt ergibt? Das ist der Unterschied denke ich. Der springende Punkt ist doch, dass du mit dem Weitwinkel viel näher rangehen musst, um ein best. Objekt in gleicher Grösse abzubilden. Dies hast du nicht getan, sondern den Standpunkt beibehalten. Vom gleichen Standpunkt aus kann sich auch keine perspektivische Veränderung ergeben.
Eben. Das ist das, worum es geht: Die Brennweite hat keinen Einfluß auf die Perspektive.
gibt es bitte auch überlegungen zu dem thema perspektive - aufnahmeabstand und betrachtungsabstand?
mfg
h.g.
Leica: Premium, auf die Spitze getrieben
Eine Leica zu besitzen, war seit jeher etwas besonderes. Auch heute noch ist der Name Leica ein Mythos. Dabei hat Leica, die große Kamerafirma, die Wegbereiter für die moderne Reportagefotografie war, seit den 1980er Jahren eigentlich, böse gesagt, den Anschluß verpaßt.
In wirtschaftliche Schieflage geraten, bedient Leica seit jener Zeit zunehmend das sogenannte Premium-Segment unter den Kamerakäufern. Das mag man nun persönlich für gut oder böse, für zweckdienlich oder kontraproduktiv halten - so wurde eben entschieden.
Anfang Februar kündigte Leica nun ein 1200 Euro kostendes LEICA M8 Upgrade Programm an. Das Programm beinhaltet einen neuen, leiser und sanfter ablaufenden Verschluß (einen Vergleich der Verschlußgeräusche kann man sich auf der Leica-Homepage anhören) und ein Saphirdeckglas für die LCD-Anzeige. Dabei muss die Kamera laut Leica fast vollständig zerlegt und wieder montiert sowie justiert werden, was den Preis wohl auch miterklärt.
Wem das aber nicht premium genug ist, dem sei gesagt, dass nicht jeder Besitzer einer M8 in den Genuß dieses Upgrades (am Rande: Warum hat Leica eigentlich keinen deutschen Begriff dafür verwendet?) kommen wird. Das Upgrade setzt nämlich den Erwerb eines Zertifikats voraus, und diese Zertifikate wiederum sind zum einen limitiert und zum anderen nur in einem bestimmten Zeitraum erhältlich.
Leica begründet dies mit begrenzten Montagekapazitäten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und das Premiumsegment im Hinterkopf hat...
Gerade gesehen: Rajue berichtet im Public Eye Blog, dass ein Hamburger Händler in einem Rundbrief schreibt:
[...] Leica wird dieses Upgrade direkt [...] unter Ausschluss des Fachhandels durchführen. Hier bricht Leica wiederholt mit der traditionellen Treue zum Fachhandel. [...]
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Was mal raus muss
Soeben habe ich mal wieder bei kwerfeldein vorbeigeschaut und… hoppla, ganz ungewohnte Töne vernommen!
Von Martin Gommel ist man ja eher leise und freundliche Töne gewohnt - was ja auch wohltuend ist neben dem ganzen Geschrei, das man insbesondere in den diversen Fotografieforen findet. Das sieht Gommel übrigens selbst auch so: “Kwerfeldein.de ist nicht gerade bekannt für offene Kritik an Organisationen und schon gar nicht an Personen - mit denselben werden Problematiken persönlich geklärt und die Stimmung meines Weblogs galt auf bisherigem Weg der positiven Seite der Fotografie.”
Umso überraschender erscheint ein Artikel, der überschrieben ist mit “Die Arroganz und ihre Opfer. Eine Kritik an der deutschen (Hobby-) Fotografiecommunity.”
Ob nun auch auf kwerfeldein ebensfalls periodisch oligatorische fotocommunity-Bashings abgehalten werden…? Nein, so platt ist es nun nicht, und war es auch nicht zu erwarten.
Gommel möchte über etwas reden, das ihm offensichtlich schon länger auf der Seele liegt: “dass wir [die Fotografen, rf] uns im persönlichen Umgang miteinander und ganz besonders mit ‘Aussenseitern’ äusserst schwer tun.”
Ich habe den Artikel bereits mehrmals gelesen und immer noch das Gefühl, gewissermaßen nur die Einleitung gesehen zu haben - wo ist der Link zum Hauptartikel?
Etwas ernsthafter: Da schreibt sich jemand aufgestauten Ärger von der Seele, ist mein Gefühl (welches im übrigen, dies nur am Rande, durch den etwas inkonsistenten Stil bestärkt wird) - und das ist ja auch gar nicht mal schlecht. Zumal ich zu spüren glaube, wohin dieser Artikel zielen soll… aber das war’s dann schon, bevor’s richtig beginnt. So richtig thematisiert, um was es denn nun eigentlich genau geht, ist es für mich noch nicht, das bleibt etwas zu diffus. Ich rieche sozusagen zwar schon, dass es etwas zu essen gibt, aber was denn heute auf den Tisch kommt, bleibt vorerst noch meiner Vermutung überlassen.
Nun, auch wenn da noch viel Raum für mehr Substanz ist, so scheint Martin Gommel den Finger nicht nur in seine persönliche Wunde gelegt, sondern eine Sache angesprochen zu haben, die noch mehr Leuten ein gewisses Unbehagen bereitet. Dies zeigt sich an den zahlreichen Kommentaren zu diesem Artikel auf kwerfeldein - eine lesenswerte Debatte, auch wenn sie hier und da etwas diffus bleibt.
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Existenzvergewisserung: Die Kamera als Spiegel des Selbst
In der taz (gefunden via The Public Eye Blog) beschreibt Arno Frank das, was er kolumnengerecht Digitalitis nennt: Die zunehmende zwanghafte Handlung, nahezu alle Ereignisse (wenn man denn überhaupt von Ereignissen sprechen kann) in Bild (sei es nun bewegt oder unbewegt) festzuhalten.
Frank erzählt von der Entzauberung der Momente durch massenhaftes Re-Inszenieren, von der sinnlichen Abstumpfung durch suchtähnliches Pseudo-Dokumentieren, ja letzendlich philisophisch vom Weltverlust.
Jeder, der in letzter Zeit bei einem sogenannten Event zugegen war, wird diese Beobachtungen teilen können. Zu recht fragt Frank angesichts der allgegenwärtigen Blitzlichtgewitter, was denn damit gewonnen sei.
Wir wissen es nicht, doch wir ahnen es. Frank spricht es aus: "Es ist die nackte Angst. Angst vor dem Augenblick, dem seine Vergänglichkeit immer schon eingeschrieben ist, Angst vor dem Tod. Mit der Verve der Verzweiflung soll gebannt werden, was nicht zu bannen ist, das Leben an sich."
Das ist in der Tat treffend. Es ist im Übrigen nicht die Verfügbarkeit entsprechender Apparate, sprich: erschwinglicher Digitalkameras an sich, die jene Zwanghaftigkeit befördert, aber die ungeheure Verbreitung dieser Apparate hat die Psychose erst zur Massenpsychose befördert - spätestens seit dem Siegeszug des Fotohandys.
Noch interessanter ist allerdings, was mit den Bildern geschieht, die zur Todesbezwingung gemacht werden. Denn das Verhalten vieler Existenzdokumentierer ist ein eigentlich kontraproduktives. Ginge es um Unsterblichkeit, so müssten die Bilder, gleichsam als Denkmal, der Nachwelt zugänglich gemacht werden - zumindest in der Absicht der Dokumentatoren.
Doch dies ist mitnichten der Fall. Gerade bei jungen Leuten erlebe ich es immer wieder, dass sich um die Kamera geschart wird, dass beliebige Momente festgehalten und unmittelbar danach angeschaut werden. Das Gerät macht die Runde, es wird kommentiert, es wird gelacht. So weit, so vorhersehbar. Auf Nachfrage, was denn nun mit dem Aufgenommenen geschehe - denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was man denn mit dieser Bilderfülle anstellen soll - , ernte ich oftmals ein lapidares "das wird gelöscht, wenn's alle gesehen haben" oder "wenn's ein paar Tage alt ist".
Hier geschieht etwas Interessantes: Das Denkmal wird in die Gegenwart vorverlagert. Das aber heißt: Nicht der Tod wird bezwungen, sondern die eigene jetztzeitige Existenz wird sich selbst bewiesen. Ich sehe mich, also bin ich.
Danach kann gelöscht werden.
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