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Kategorie: "Theorie"

Debuis County Herald: Die Antwort auf das Internet?

 Verfaßt am 07.04.12 um 22:21 Uhr, von , Kategorien: Theorie, die weite Welt des www, Links
Debuis County Herald

Sehr interessant: Sascha Rheker √ľber das Geheimnis des Erfolgs des Dubois County Herald, der sozusagen aus dem Nichts den dritten Platz des newspaper picture editing awards des Picture of the Year erhielt. "M√∂glicherweise hat da jemand schon 1978 die Antwort auf das Internet gefunden, die viele Zeitungen noch heute suchen."

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Vergleich: Nikon SB-900 mit und ohne Batteriepack Nikon SD-8a

 Verfaßt am 24.04.11 um 01:39 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Praxis, Technik , Tags: , ,
Wenn es um den Einsatz von Blitzen geht, so ist immer wieder die Frage zu h√∂ren, welche Vorteile ein Batteriepack bringt. Grunds√§tzlich erh√∂ht eine externe Energiequelle nat√ľrlich die Reichweite, sprich, macn kann mehr Blitze ausl√∂sen. Dar√ľber hinaus kann ein Batteriepack auch die Ladezeit deutlich verringern. Dabei gibt es zu beachten, dass es grunds√§tzlich verschiedene Arten von externen Batteriepacks f√ľr Systemblitzger√§te gibt. Zum einen gibt es, beispielsweise von Quantum, externe Akkus, die √ľber eine Dummybatterie die Stromversorgung des Blitzes auslagern. Zum anderen gibt es herstellereigene Batteriepacks, zum Beispiel bei Nikon den SD-9. Der Vorteil bei L√∂sungen √ľber das Batteriefach liegt darin, dass auch Blitze, die f√ľr eine externe Spannungsversorgung eigentlich nicht vorgesehen sind, damit betrieben werden k√∂nnen, sofern eine passende Dummybatterie erh√§ltlich ist. Nachteilig ist, dass man sich eine L√∂sung ausdenken muss, wie man das Kabel durch die Batteriefachabdeckung f√ľhrt. Im Falle der Nikon-Blitze mit austauschbaren Batteriefachabdeckungen bietet es sich an, eine Ersatz-Batteriefachabdeckung zu modifizieren und diese dann nach Bedarf auszutauschen. Die nikoneigenen externen Stromversorgungen, die man an die gro√üen Blitze SB-800 und SB-900 (und an einige Blitze aus der Vor-eTTL-Zeit) anschlie√üen kann, sind die Batteriepacks SD-8a und SD-9 (letzterer ist nur it dem SB-900 kompatibel) sowie die Power-Blitzschiene SK-6a (welche zus√§tzlich nochmals mit dem SD-8a erweitert werden k√∂nnte), bringen gegen√ľber reinen externen Stromversorgungen noch einen Vorteil. Sie liefern n√§mlich nicht einfach nur Strom, der dann aber √ľber die blitzeigene Elektronik in Hochspannung umgewandelt werden muss, sondern bereits passende Hochspannung, die √ľber eine eigene Verbindung, am blitzeigenen Wandler vorbei, direkt die Kondensatoren aufladen. Der Flaschenhals blitzeigene Wandlerelektronik wird dabei umgangen. Die Nikonblitze ben√∂tigen √ľbrigens dennoch Batterien, um den Blitz selbst betreieben zu k√∂nnen - die Batteriepacks liefern keinen Betriebstrom, sondern nur Ladestrom. Im folgenden wird es speziell um den Nikon-Batteriepack SD-8a und den Nikon-SB-900 gehen. Mit knapp 200 ‚ā¨ UVP ist so ein SD-8a oder SD-9 doch so teuer, dass man ihn nicht einfach mal zum Ausprobieren kaufen wird. Eine generelle Empfehlung kann man hier kaum geben, wie so oft hat das eigene Anwendungsprofil einen starken Einflu√ü darauf, ob man einen Vorteil erlangt oder nicht. Sicher ist: Die Anzahl der ausl√∂sbaren Blitze erh√∂ht sich betr√§chtlich. Das ist ja nun keine √úberraschung und lie√üe sich mit einer Handvoll Ersatzbatterien (die man je sowieso immer dabei haben sollte) ebenso erreichen. Was sich auch verbessert, ist die Ladezeit. Der Blitz ist schneller wieder bereit. Man sollte aber auch nicht erwarten, dass man mit Dauerfeuer und voller Leistung rumballern kann, das kann auch der SD-8a nicht leisten. Um den Unterschied zwischen einem Nikon SB-900 mit und ohne Batteriepack Nikon SD-8a zu verdeutlichen, wird im folgenden Video ein entsprechendes Setup gezeigt. In diesem Artikel wird der Nikon-SB-900 mit und ohne Batteriepack Nikon SD-8a verglichen. Beide Blitze werden mittels Funkausl√∂ser 30 mal in Folge ausgel√∂st. Es finden zwei Durchl√§ufe statt, einmal mit 9 Ausl√∂sungen pro Sekunde und einmal mit einer Ausl√∂sung pro Sekunde. Die Anzahl der vollst√§ndigen Blitzvorg√§nge, die der Blitz jeweils erreicht, wird gez√§hlt.
Ob sich ein externer Batteriepack nun lohnen w√ľrde, muss jeder f√ľr sich selbst ableiten. Das Video mag hierbei f√ľr den ein oder anderen einen Anhaltspunkt bieten.
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Symbolbilder / Qualitätsjornalismus

 Verfaßt am 30.10.10 um 19:45 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, die weite Welt des www

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Symbolbilder sind eine Krankheit unserer Tage. Befeuert durch Bilderflut und schnelle Verf√ľgbarkeit, m√ľssen Symbolbilder noch nicht einmal mehr in klassischem Sinne Text illustrieren, also erl√§utern, sondern einfach den Artikel schm√ľcken - "Haben wir ein Bild dazu?"

Symboldbild auf Spiegel OnlineSymbolbild auf Spiegel Online

An diese Schmuckbilder haben wir uns alle gewöhnt, und angesichts dieser Gewöhnung ist uns dies eigentlich keiner Rede mehr wert.

Symbolbilder sind ja nicht per se b√∂se. Dumm (oder am√ľsant, je nach Betrachtungsweise) wird es aber immer dann, wenn Bilder gar nichts zeigen. Ein fiktiver Klassiker w√§re ein Artikel √ľber Strompreise, illustriert mit einem Freileitungsmast und der Bildunterschrift "Stromleitung: Wird Strom teurer?"

Auf die Spitze getrieben wird diese Diskrepanz zwischen Form und Inhalt aber immer dann, wenn Bilder das Gegenteil dessen zeigen, was sie eigentlich illustrieren sollen. Mein neuester Favorit: Ein Schmuckbild zum ansonsten lesenswerten Artikel "Aufnahmen mit der Kamera-Automatik" auf Spiegel Online zeigt eine Kamera mit der Bildunterschrift "Unkompliziert: Die Automatik der Kamera liegt meistens richtig".

Der Haken an der Sache: Die Kamera ist mit dem M-Modus auf alles andere als eine unkomplizierte Automatik eingestellt (na gut, immerhin Whitebalance ist im Automatik-Modus...). Die abgebildete Nikon D700 besitzt √ľbrigens gar keine Vollautomatik, auf die der Artikel abstellt.

Ob man solch nebens√§chliche Kleinigkeiten zum Anla√ü nehmen sollte, das Wort "Qualit√§tsjournalismus" in die Runde zu werfen, √ľberlasse ich jedem Einzelnen. Meine Kritik (oder Meckerei, je nach Betrachtungsweise) zeigt aber auch, dass sich zu jedem Symbolbild ein Besserwisser findet, der sich besser mit dem Abgebildeten auskennt als derjenige, der das Bild ausgew√§hlt hat...

UPDATE
Oh, oh, oh. Gerade habe ich noch etwas gesehen, das die Diskussion um "Qualit√§tsjournalismus" doch noch ernsthaft rechtfertigen k√∂nnte. So hei√üt es in dem Artikel: "Sinnvoll kann auch die Entscheidung f√ľr eine halbe Automatik sein: Bei der Zeitautomatik wird die Belichtungszeit vorgegeben und die Blende automatisch eingestellt. [...] [Die] Blendenautomatik [...] wird mit einer vorgew√§hlten Blende [...] [eingestellt], die Kamera ermittelt dazu die jeweils erforderliche Belichtungszeit."
Das ist aber falsch. Richtig ist: Bei der Zeitautomatik (auch Blendenvorwahl genannt) wird die Blende vom Fotografen vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Belichtungszeit ein. Bei der Blendenautomatik (auch Zeitvorwahl genannt) wiederum wird die Belichtungszeit vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Blende ein.

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Google Streetview - Die Debatte, die Panoramafreiheit und der Datenschutz

 Verfaßt am 20.08.10 um 20:51 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, die weite Welt des www , Tags: , , , ,

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Seit einiger Zeit schlagen die Wellen um Google Maps Streetview in Deutschland hoch. Dabei sind im Wesentlichen zwei Gruppen auszumachen: Die Gegner von Streetview und die Bef√ľrworter von Streetview, die eigentlich Gegner der Gegner sind - Gegner der Gegner deswegen, weil diese Gruppe weniger als Bef√ľrworter von Streetview auftreten. Sie greifen vielmehr die Gegner von Streetview an (dazu sp√§ter noch mehr).

Streetview polarisiert und emotionalisiert: Gegner und Bef√ľrworter haben klar voneinander abgegrenzt Stellung bezogen. Was dabei aber auf der Strecke bleibt, ist eine n√ľchterne gesamtheitliche Betrachtung von Streetview und den Fragen, die durch den Dienst aufgeworfen werden.

Das Argument der Gegner l√§sst sich prinzipiell so beschreiben: Mein Haus soll nicht fotografiert und im Internet gezeigt werden. Das ist zun√§chst einmal eine Meinung, die man haben kann. Worauf sich diese Meinung gr√ľndet, l√§sst sich aber nur schwer erahnen. Zu vielf√§ltig sind die √Ąngste und Bef√ľrchtungen, aus denen sich dieser Widerstand speist. Und ebenso vielf√§ltig sind ist die Art und Weise, wie sich diese √Ąngste artikulieren. Es f√§ngt an bei Leuten, die offenbar das Wesen von Streetview nicht verstanden haben und Streetview wohl mit einem Echtzeitmedium verwechseln: Alle k√∂nnen sehen, wie es gerade bei mir zuhause aussieht. Dass das technisch gar nicht m√∂glich ist, spielt hierbei keine Rolle. Nur so lassen sich √Ąu√üerungen wie "Ich sonne mich oft im Bikini auf der Terrasse. Durch Google finden Spanner doch sofort mein Wohnhaus", "Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen von Street View gl√ľcklich w√§ren, dass man ihnen beim Nacktbaden im Garten zuschaut" oder "wir m√∂chten nicht, dass jemand unsere Kinder beim Spielen im Garten sieht" (alle: Bild.de) oder gar der √úberlegung, ob die Polizei mit Streetview virtuelle Streifenfahrten durchf√ľhren d√ľrfe, erkl√§ren. In dieser Teilgruppe der Gegner d√ľrften sich auch jene tummeln, die das Internet und damit auch alles, was damit zu tun hat, sowieso f√ľr b√∂se halten.
Andere Gegner haben sich √ľber Streetview informiert, m√∂chten aber nicht, dass die Stra√üenansicht ihres Hauses von Streetview fotografiert wird, weil die Hausfassade subjektiv zu ihrer Privatsph√§re (oder zu ihrem Eigentum?) geh√∂rt.
Wiederum anderen schient es weniger um ihre pers√∂nliche Betroffenheit zu gehen, sondern vielmehr um prinzipielle Erw√§gungen wie informationelle Selbstbestimmung oder dem Recht am eigenen Bild. Dass der Gegner mit Google dabei einer der "B√∂sen" ist, d√ľrfte dabei keine vernachl√§ssigbare Rolle spielen. Google-Bashing ist schlie√ülich seit einiger Zeit im Mainstream angekommen.
Das Problem der Gegner: Das, was Google macht, ist zunächst einmal nichts verbotenes. In Deutschland herrscht die sogenannte Panoramafreiheit. Das bedeutet, dass alles, was von öffentlichen Orten aus sichtbar ist, auch fotografiert und publiziert werden darf. Auch Häuser oder Autos, die von öffentlichen Orten aus fotografiert werden können, haben kein Persönlichkeitsrecht. Im Falle von Übersichtsaufnahmen, wie Streetview sie vornimmt, sind zufällig auftauchende Personen als "Beiwerk" im Sinne des Urheberrechtsgesetz schlicht irrelevant. Dass Google Personen also automatisiert unkenntlich macht, ist eine reines Entgegenkommen von Google und nicht etwa ein Muss.
Problematisch wird Streetview, "[‚Ķ] weil die Geb√§ude- und Grundst√ľcksansichten, die √ľber Geokoordinaten eindeutig lokalisiert und damit einer Geb√§udeadresse und dem Geb√§udeeigent√ľmer sowie den Bewohnern zugeordnet werden k√∂nnen [‚Ķ]." Damit handelt es sich n√§mlich um personenbezogene Daten. Und damit wiederum wird die Unkenntlichmachung von personenbezogenen Daten wie Gesichtern, Nummernschildern oder Hausnummern zur Pflicht ‚Äď und zwar aus datenschutzrechtlichen Gr√ľnden; die Panoramafreiheit ist in dieser Frage nicht relevant.

Die Bef√ľrworter fallen zun√§chst einmal dadurch auf, dass sie eigentlich gar keine unmittelbaren Bef√ľrworter von Streetview sind. Die Anzahl derer, die sagen "Ich m√∂chte, dass Streetview die Aufnahmen macht, weil...", ist gering. Die Hauptargumentation der Bef√ľrworter richtet sich gegen die Gegner von Streetview. Sie ist von dem Ton gepr√§gt, den Gegnern zu beweisen, dass sie weniger informiert als hysterisch seien. Viele Bef√ľrworter holen dann auch gleich zum gro√üen Rundumschlag aus: Die Gegner von Streetview seien Fortschrittsfeinde, die keine Ahnung vom Internet und von den Segnungen der Technologie haben. Fast beschleicht einen die Bef√ľrchtung, dass viele der Bef√ľrworter deswegen so aggressiv auftreten, weil es sich gut anf√ľhlt, die eigene vermeintliche √úberlegenheit einmal ausleben zu k√∂nnen.

In eine √§hnliche Kerbe schlagen die diejenigen, die Streetview eigentlich auch bedenklich finden, aber angesichts der √ľberbordenden staatlichen und privatwirtschaftlichen √úberwachung und Datensammelei √ľber Streetview nur lachen k√∂nnen. Auch sie machen sich √ľber die Gegner lustig, die sie als als unwissende Digital Immigrants wahrnehmen. Diese Unwissenden fanden von der Leyens Websperren ganz toll und die Zensurgegner suspekt, riefen nach jeder Gewalttat nach mehr Video√ľberwachung, nutzen Payback und Facebook, k√∂nnen an der Vorratsdatenspeicherung eigentlich nichts schlimmes finden und fangen nun ausgerechnet bei Streetview an, rumzuheulen? Wissen die Gegner nicht, dass Bonit√§tspr√ľfer seit Jahren schon auch digitalisierte Wohnumfelder nutzen?
Dieser Gruppe der Bef√ľrworter sei zugerufen, dass weder Arroganz noch Schadenfreude gute Ratgeber sind. Und: Nur weil sich jemand, unwissend oder uninteressiert wie er sein mag, bereitwillig √ľberwachen l√§sst, verwirkt er nicht f√ľr alle Zeit sein Recht, eine Datensammlung unheimlich zu finden. Dass nun manch ein besser Informierter es den Unwissenden sozusagen heimzahlen will, ist verst√§ndlich - ein Argument ist es aber nicht.

Die ernsthafte und ernstzunehmende Kritik an den Gegnern von Streetview lautet: Eure Angst vor Streetview gef√§hrdet die Freiheit. Genauer gesagt: Die Panoramafreiheit. Und in der Tat ist das zu bef√ľrchten. Die Rechte von Fotografen sind in den letzten Jahren in Deutschland sowieso schon eingeschr√§nkt worden - nicht nur rechtlich, sondern vor allem sozial. Wenn hier von Fotografen die Rede ist, sind √ľbrigens nicht nur die Berufsfotografen gemeint, sondern wir alle. Die Beschneidungen der Panoramafreiheit betrifft n√§mlich jeden, der irgendetwas fotografiert, und sei es mit dem Fotohandy.
Die Debatte um Streetview ist aber nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine soziale Debatte. Und auch hier haben die Bef√ľrworter recht: Eine Streetview-Hysterie h√§tte durchaus das Potenzial, zu der Meinung Otto Normalverbrauchers zu f√ľhren, dass fotografieren ohne Genehmigung verboten sei - wie unlogisch und kognitiv dissonant diese Meinung auch w√§re. Schon heute kann es passieren, dass Fotografen ein aggressives "Das ist verboten - Recht am eigenen Bild!" entgegen gerufen wird - in v√∂lliger Unkenntnis und ungeachtet der rechtlichen Lage.

Wenn man bedenkt, dass bei dieser Diskussion die Panoramafreiheit ein zentraler Aspekt ist und auch nachteilige Einfl√ľsse auf das Klima gegen√ľber Bildberichterstattern zu bef√ľrchten sind, so ist die Wiedergabe der Debatte in den Mainstreammedien befremdlich. Eigentlich m√ľsste den Medien daran gelegen sein, den Rezipienten sachlich zu erkl√§ren, warum Streetview aus Sicht der Medien weder rechtlich noch sozial ein Problem darstellt. Was insbesondere im Boulevard publiziert wird, ist aber das krasse Gegenteil: Angstmache, die teils unsachlich und teils unwahr ist. Insbesondere das Bild einer Echtzeit√ľberwachung durch Streetview wird suggeriert. Die Problematik der bedrohten Panoramafreiheit wird dabei kaum beleuchtet. Dieses fast schon selbstsch√§digende Verhalten l√§sst sich mit Quote und Auflage alleine nur schwer erkl√§ren. Die Vermutung, dass die Form der Berichterstattung √ľber Streetview eine kalte Rache an google ist, h√∂rt sich abenteuerlich an - aber auf den zweiten Blick k√∂nnte sie durchaus eine Erkl√§rung liefern. Wenn dem aber wirklich so sein sollte, so w√§re dies ein Indiz daf√ľr, in welcher Sonderrolle, die von den Wirrungen im wahren Leben kaum betroffen ist, manch Journalisten sich selbst wahrnehmen. Ein √§hnliches Verhalten lie√ü sich in j√ľngerer Zeit bei der Debatte um die Internetzensur beobachten.

Um sich ein umfassendes Bild √ľber die Problematik von Streetview mache zu k√∂nnen, muss man die Argumente von Bef√ľrwortern und Gegnern ernstnehmen. Man muss sich auch fragen, warum ausgerechnet um Streetview solche Kontroversen ausl√∂st. √úberdies sollte man sich anschauen, was Streetview denn eigentlich genau macht.
Nochmal: Streetview fertigt zun√§chst einmal Momentaufnahmen von Stra√üenz√ľgen an, die von √∂ffentlichen Grund aus sichtbar sind und ver√∂ffentlicht diese dann. Das ist zun√§chst nichts anderes, als jeder von uns auch tun kann. Das ist weder verboten noch genehmigungspflichtig.
Was die Bef√ľrworter von Streetview aber gerne unterschlagen, sind die Besonderheiten, die Streetview zu dem machen, was es ist: Fl√§chendeckung, Automatisierung und Verkn√ľpfung mit Daten, die unter Umst√§nden personenbezogen sind. Hinzu kommt die monopol√§hnliche Marktstellung von Google. Auch wenn Streetview im Rahmen der Panoramafreiheit prinzipiell erlaubt ist, so muss man auch sehen, dass Streetview in seinem Umfang und seiner Qualit√§t eine neue Form der Datenerhebung darstellt, die in ihrer als fl√§chendeckende digitale bildliche Erfassung mit Geodaten eben doch an die Grenzen des rechtlich erlaubten st√∂√üt - vor allem datenschutzrechtlich. Eine entsprechende Einsch√§tzung wurde bereits 2008 von den obersten Aufsichtsbeh√∂rden f√ľr den Datenschutz vorgenommen: "Bei digital erfassten Fotos von Geb√§ude- und Grundst√ľcksansichten, die √ľber Geokoordinaten eindeutig lokalisiert und damit einer Geb√§udeadresse und dem Geb√§udeeigent√ľmer sowie den Bewohnern zugeordnet werden k√∂nnen, handelt es sich in der Regel um personenbezogene Daten, deren Erhebung und Verarbeitung nach dem Bundesdatenschutzgesetz zu beurteilen ist. Die Erhebung, Speicherung und Bereitstellung zum Abruf ist nur zul√§ssig, wenn nicht schutzw√ľrdige Interessen der Betroffenen √ľberwiegen. Bei der Beurteilung schutzw√ľrdiger Interessen ist von Bedeutung, f√ľr welche Zwecke die Bilddaten verwendet werden k√∂nnen und an wen diese √ľbermittelt bzw. wie diese ver√∂ffentlicht werden." Das erkl√§rt auch, warum z.B. Bonit√§tspr√ľfer ihre Aufnahmen relativ probemlos erstellen und verwenden d√ľrfen: Die Verwendung und Weitergabe ist - ganz im Gegensatz zu Streetview - eingegrenzt (auch wenn einem die Datensammelei von Bonit√§tspr√ľfern auch nicht gefallen muss).
Ein weiterer interessanter Punkt bei Streetview ist die Aufnahmeh√∂he. Streetview nimmt die Aufnahmen mit einer Kamerah√∂he von bis zu drei Metern auf. Mit dieser Aufnahmeh√∂he aber wird von Streetview auch das fotografiert, was den Blicken im √∂ffentlichen Raum offenbar entzogen werden soll - beispielsweise durch Hecken. Eine wie selbstverst√§ndlich vorgebrachte rein technische Erkl√§rung reicht hier nicht aus: Das Unternehmen Sightwalk, das ebenfalls Stra√üenansichten erfasst und im Internet ver√∂ffentlicht, nimmt nach eigenen Angaben mit ca. 1,9m Kamerah√∂he auf, was der "Sichth√∂he eines gro√üen Menschen" entspricht und "somit keinen unnat√ľrlichen Einblick in z.B. G√§rten" erlaubt. Leider war von der a+o Kommunikationsberatung, welche in Deutschland die √Ėffentlichkeitsarbeit f√ľr Google macht, nicht in Erfahrung zu bringen, warum Streetview eine deutlich h√∂here Aufnahmeposition verwendet und sich nicht auf eine H√∂he von ca. 1,8m beschr√§nkt, um so eventuelle Debatten um die Panoramafreiheit einfach entkr√§ften zu k√∂nnen. Datenschutzrechtlich betrachtet halte ich eine erh√∂hte Aufnahmeposition im Zusammenhang mit verkn√ľpften Geodaten recht fragw√ľrdig.

Was sich zunächst als recht einfach darstellt, nämlich als "Streetview macht Fotos und von Mainstreammedien befeuerte Angstgegner bedrohen die Panoramafreiheit", ist bei genauerer Betrachtung komplizierter.
Wir haben es bei Streetview durch Fl√§chendeckung, Automatisierung, Aufnahmeh√∂he und Verkn√ľpfung mit potenziell personenbezogenen Geodaten sowie der Marktmacht von Google mit einer neuen Qualit√§t der Datenerhebung und -verkn√ľpfung zu tun. Diese neue Form ist zwar von der Panoramafreiheit "gedeckt", datenschutzrechtlich aber nicht unproblematisch.

Die Gegner von Streetview habe das Recht, ihre √Ąngste und Bef√ľrchtungen, gerade was die datenschutzrechtlichen Aspekte angeht, zu √§u√üern und eine Kl√§rung durch Rechtsprechung und Politik zu verlangen. Gleichzeitig m√ľssen sich aber viele Gegner vorwerfen lassen, das Wesen von Streetview und der Verwendung im Internet offenbar nicht verstanden zu haben. Eine gr√ľndliche Information √ľber Streetview und die rechtlichen Rahmenbedingungen sei diesen Gegnern ans Herz gelegt.
Die Bef√ľrworter von Streetview wiederum sollten nicht den Fehler machen, aus Angst vor einer Beschneidung der Panoramafreiheit jede Debatte um Streetview von vorneherein als fortschrittsfeindlich abzustempeln oder sich gar √ľber die Gegner lustig zu machen - so uninformiert diese aus Sicht der Bef√ľrworter auch sein d√ľrften.
Die Bef√ľrworter verkennen, dass die datenschutzrechtlichen Fragen, die Streetview aufwirft, nicht einfach umgangen werden k√∂nnen. Wer aus Angst um die Panoramafreiheit die datenschutzrechtliche Debatte kleinhalten will, gestaltet nicht, sondern duckt sich weg. Wer f√ľr die Panoramafreiheit streitet, sollte nicht der Versuchung nachgeben, Streetview als vermeintlich Verb√ľndeten einfach pauschal ganz toll zu finden. Auch wer um die Panoramafreiheit k√§mpft, kann Streetview f√ľr bedenklich halten!

Zugespitzt gesagt wollen die Gegner ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnehmen und vergessen dar√ľber die Panoramafreiheit - die Bef√ľrworter k√§mpfen um die Panoramafreiheit und blenden dabei die datenschutzrechtlichen Fragen aus. So wird das aber nichts, man redet gleichsam aneinander vorbei. Eine zielf√ľhrende Diskussion darf nicht nur in der Wahrung eigener Partikularinteressen gef√ľhrt werden. Die Frage, ob Streetview eine weitere Sph√§re √∂ffnet, die bild- und datenschutzrechtlich neu bewertet muss, sollte gestellt werden. Das wiederum erfordert Auseinandersetzung mit allen Aspekten, die diese Frage aufwirft - und das ist durchaus nicht trivial. Vielleicht ist das auch die Erkl√§rung daf√ľr, warum die Mainstreammedien in weiten Teilen lediglich die Argumente der Gegner oder Bef√ľrworter wiedergek√§ut hat, anstatt aufkl√§rend und beleuchtend in die Debatte einzusteigen: Man mutet dem Rezipienten wohl nicht gerne komplexe Sachverhalte zu.

Was uns fehlt, ist eine breite √∂ffentliche Auseinandersetzung √ľber die Themen Panoramafreiheit und Datenschutz. Beide Aspekte k√∂nnten dabei auch unabh√§ngig voneinander diskutiert werden. Dann aber sind wir beim gro√üen Ganzen angelangt: Datensammelei und √úberwachung, staatlich und privat. Die Diskussion dar√ľber wird anstrengend, weil es eine systemkritische Diskussion ist. Die Debatte um Streetview ist nur ein Symptom f√ľr diesen Diskussionsbedarf. Gleichzeitig wird klar, dass die Kontroverse und Streetview auch ein willkommenes Ablenkungsman√∂ver f√ľr jene ist, die andernorts die √úberwachung und Erfassung der Gesellschaft weiter vorantreiben.

Insgesamt deutet sich an, dass die Debatte um Streetview - √§hnlich wie die Debatte um die Internetzensur von der Leyens - in ihrer Emotionalit√§t und Polarisierung nicht nur ein technisch-rechtliches Problem ist, sondern auch ein soziales. Derartige Problemstellungen lassen sich aber nur dann befriedigend l√∂sen, wenn eine umfassende Sachdebatte gef√ľhrt wird. Von einer solchen haben wir uns in den letzten Wochen aber weit entfernt.

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Über die Suche nach der "besten Fälschung" und einen problematischen Begriff

 Verfaßt am 18.03.10 um 13:08 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, ins Auge gesprungen, die weite Welt des www , Tags: , ,

Eine F√§lschung ist eine Unwahrheit, eine L√ľge. Das Wesen einer F√§lschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist. Ein F√§lschung ist also ein Betrug, ein F√§lscher also ein Betr√ľger

Auch im Bereich der Fotografie gibt es, das wissen wir alle, F√§lschungen. Das Ph√§nomen d√ľrfte so alt sein die wie Fotografie selbst. Spektakul√§re Bildf√§lschungen sind die Retusche von Trotzki durch die sowjetische Zensur, in j√ľngere Zeit die Verwandlung von Wasser- zu Blutpf√ľtzen nach dem Anschlag von Luxor durch die schweizer Boulevardzeitung Blick (1997) oder die Bildf√§lschung des Reuters-Fotografen Adnan_Hajj (2006) und, ganz aktuell, die Disqualifikation Stepan Rudiks beim World press photo award.

Nun ist nicht jede Bildmanipulation eine Bildf√§lschung im moralischen Sinne von L√ľgen. Dass die zahlreichen Personen auf den Titelbildern der TV-Programmzeitschriften gesch√∂nt sind, d√ľrfte bekannt sein. Dass in der Werbung massiv manipuliert wird, sollte Allgemeingut sein. Dar√ľber regt sich niemand auf.

Dennoch: Selbst in Bereichen, in denen massive Bildmanipulation gesellschaftlich akzeptiert ist und nicht als "L√ľge" wahrgenommen wird, w√ľrden sich die Bildbearbeiter nicht freiwillig als "F√§lscher" bezeichnen. Und die meisten w√ľrden sich wohl verbitten, als "F√§lscher" tituliert zu werden.

Umso verwunderlicher ist es, dass in einer momentan laufenden Blogparade aufgefordert wird, "deine beste F√§lschung" zu publizieren. Keine Sorge, was man da zu sehen bekommt, sind keine falschen Geldscheine, keine Au√üerirdischen in Berlin, keine Angela Merkel, die lachend K√ľken in einen Fleischwolf steckt. Es sind zumeist noch nicht einmal "richtige" F√§lschungen, sondern Collagen, Montagen, Retuschen, Composings.

Alles halb so wild also? Warum die ganze Aufregung hier?

Was mich stutzen l√§√üt, ist die Verwendung des Begriffes "F√§lschung". Warum fragt man in der Blogparade nach "deiner besten F√§lschung"? Warum nicht nach "deiner besten Bildmanipulation"? Okay, das ist etwas sperrig – wie w√§re es mit "deine beste Montage" oder "dein bestes Composing"? Eine begriffliche Kleinigkeit, die aber einen gewaltigen Unterschied macht! W√§re ich √ľber "dein bestes Composing" gestolpert, h√§tte ich mir das angeschaut, gegebenenfalls hier gelacht, da geg√§hnt, dort gestaunt.

So aber wundere ich mich, wie unreflektiert hier mit dem Begriff der Fälschung umgegangen wird. Sicherlich hat sich der Initiator der Blogparade nichts Böses dabei gedacht, aber nichts Böses gedacht ist mir hier zu wenig.
Ebenfalls verwunderlich ist, dass sich die Teilnehmer diesen Schuh so mir nichts, dir nichts anziehen. Immerhin ist jemand, der stolz seine "beste Fälschung" präsentiert, streng dem Wortlaut nach ein Fälscher.

Einige Teilnehmer haben aber offenbar ebenfalls Bauchschmerzen mit diesem Begriff. So macht sich Jan-Paul Nachtwey auf japana.de √§hnliche Gedanken wie ich und thematisiert recht ausf√ľhrlich die Geschichte der Manipulation in der Fotografie.
Auch Jana von janasworld.de meint "[...] eine schwierige Frage. Denn wann hört Retusche/Bildoptimierung auf und wann fängt Fälschung an. Wenn der Himmel etwas blauer wie blau ist, ist es dann nur eine Optimierung oder schon eine Fälschung?".
Und auch der stilpirat hat Bedenken: "Nun, 'F√§lschung' ist ein gro√ües Wort. Ich pers√∂nlich hab da so meine Schwierigkeiten. Ich greife hin und wieder etwas tiefer in ein Foto ein... w√ľrde es 'Bildbearbeitung' nennen – schlimmstenfalls 'Bildmanipulation'... aber f√§lschen, naja..."

Unabh√§ngig davon, welches Verh√§ltnis man zu Bildmanipulationen hat, halte ich es f√ľr problematisch, den Begriff der F√§lschung so l√§ssig zu verwenden und mit der Suche nach der "besten" F√§lschung sogar in die N√§he einer Auszeichnung zu r√ľcken.
Manche Begriffe bed√ľrfen einer gewissen Sensibilit√§t. Ich pers√∂nlich halte die Suche nach der "besten F√§lschung" f√ľr verh√§ngnisvoll. Solche Aktionen sind ein (wenn hier auch gewi√ü sehr, sehr kleines) St√ľck zu einer Wahrnehmung von Fotografen als Manipulateure am Computer und langfristig einer abnehmenden Wertsch√§tzung von Fotografie.

Nachtrag: Ich hasse solche Nachtr√§ge, weil sie das in Worte fassen, was f√ľr mich selbstverst√§ndlich ist. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass nicht jeder Leser diese Selbstverst√§ndlichkeiten auf meine Artikel anwendet. Das, lieber Leser, mag auch meiner Art zu schreiben liegen.
Daher sei hier ausdr√ľcklich gesagt, dass es mir nicht um Bashing geht. Im Grunde genommen sind die Personen, auf die ich mich hier beziehe (hier nat√ľrlich vor allem der Initiator der Blogparade), irrelevant. Es geht mir um den Sachverhalt, meinen Standpunkt dazu und nicht darum, Leute zu beleidigen.

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Low level K√ľchenfotografie

 Verfaßt am 28.08.09 um 17:44 Uhr, von , Kategorien: DIY, Theorie, Praxis, Bilder

Eigentlich d√ľrfte ich mich das gar nicht trauen. Denn richtige Foodfotografie ist eine Wissenschaft f√ľr sich, eine Dom√§ne der Profis mit sorgsam geh√ľteten Kenntnissen als Ergebnis oft jahrelanger Praxis. Diese Bilder sind das Nebenprodukt eines kleinen Kochens. Sie sind ungestellt, mit echtem Essen, authentisch - aber eben keine richtige Foodfotografie. Kenner des Metiers werden angesichts beispielsweise schmutziger Herdplatten¬† oder kalkiger Wasserh√§hne den Kopf sch√ľtteln.

Aber lecker geschmeckt hat es.

Low level K√ľchenfotografie
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Image Fulgurator: Einige Fragen an Julius von Bismarck

 Verfaßt am 02.07.08 um 03:01 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik, die weite Welt des www, einige Fragen an... , Tags: ,

Über den Image Fulgurator und seine Auswirkungen wurde bei realfragment bereits berichtet. Auch im Internet, befeuert durch die Blogosphäre, stieß der Image Fulgurator durchaus auf Aufmerksamkeit. Der Image Fulgurator wurde hier jedoch meist als eine Art Kuriosum, eine technische Spielerei, wahrgenommen. Oftmals auch fand eine eher technikzentrierte Auseinandersetzung statt.

realfragment m√∂chte die politische und gesellschaftlichen Aspekte des Image Fulgurator st√§rker beleuchten und hat dem K√ľnstler Julius von Bismarck einige Fragen gestellt.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com

ng>realfragment: Bildmanipulation in der Fotografie ist ein altes Thema. Bis jetzt fand Bildmanipulation im engeren Sinne im Nachhinein, am bereits gemachten Bild statt. Die Abbildung der Realität wurde manipuliert. Die Manipulation, die der Image Fulgurator vornimmt, findet ohne Zutun und ohne Wissen des Fotografen statt. Überdies erfolgt sie in einem Stadium, dem der Fotograf glaubt, die Realitätsabbildung noch voll unter Kontrolle zu haben. Was brachte Sie zu dem Ansatz, die Manipulation in den Augenblick der Aufnahme vorzuverlagen, also nicht mehr die Abbildung der Realiät, sondern die Realität selbst zu manipulieren?

von Bismarck: Die visuelle Manipulation des Stadtraumes war mein urspr√ľngliches Ziel. Weil ich schon bei anderen Arbeiten experimentell mit Blitzen, Kameras und Projektionen gearbeitet habe, kam mir die Idee des Image Fulgurators. Erst dann wurde mir bewusst, wozu man solch einen Apparat nutzen k√∂nnte.

realfragment: Auf dem Video, das den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie zeigt, sind teilweise verst√∂rte Menschen zu sehen. Ist diese Reaktion der Regelfall, oder wird die Manipulation auch gleichm√ľtig hingenommen?

von Bismarck: Nat√ľrlich reagieren die Leute verst√∂rt, wenn sie etwas auf ihrem Bild sehen, was sie mit ihren eigenen Augen nicht gesehen haben. Besonders spannend finde ich hierbei den Augenblick, unmittelbar nachdem das gemachte Foto auf dem Kamerabildschirm angesehen wird. Viele Leute wissen f√ľr einen kurze Zeit nicht, ob sie dem Foto oder ihren eigenen Augen trauen sollen. Wie in dem Video, was ich am Checkpoint Charlie aufgenommen habe, gut zu sehen ist, nehmen viele Touristen ihre Umwelt eigentlich nur noch √ľber den Bildschirm ihrer Kamera wahr. Die Konservierung des Gesehenen wird wichtiger als die eigentlich Erfahrung, vor Ort zu sein.
Ich glaube nicht, dass man einen Eingriff in diesen Vorgang einfach hinnimmt, vorausgesetzt, man bemerken ihn.
Da ich mit dem Apparat auf das Motiv ziele und nicht auf einen bestimmten Fotografen, weiß ich oft nicht, wen die Fulguration getroffen hat.

realfragment: Wie schätzen Sie die generelle Wirkung des Image Fulgurator auf die Fotografen ein - kann der Image Fulgurator das Selbstverständnis der Eigendokumentation und ihrer unbedingten Authentizität aufbrechen?

von Bismarck: Ich hoffe, dass ich an diesem Selbstverst√§ndnis etwas r√ľtteln kann. Besonders wenn es um Fotografen geht, die ein bestimmtes Ereignis f√ľr viele Konsumenten konservieren. Ich glaube, zu einem nachhaltigen Effekt kommt es nicht, wen ich hier und da mal jemandem einen visuellen Kommentar unterschummle. Ich hoffe aber, dass ich damit eine Diskussion ausl√∂sen kann, die dann vielleicht auch einen nachhaltigen Effekt hat.

realfragment: Im Internet wird der Image Fulgurator zum gro√üen Teil entweder als Touristenschreck ("F√ľr alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen l√§stigen Kameras tun wollen") oder als Technikspielerei wahrgenommen. Die von Ihnen durchgef√ľhrte Aktion l√§√üt nun aber durchaus einen politischen Anspruch erkennen. Warum, glauben Sie, werden die k√ľnstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Image Fulgurator so wenig thematisiert?

von Bismarck: Diese Aspekte interessieren mich eigentlich am meisten, deshalb bin ich dankbar, dass sie von Ihnen thematisiert werden.
Die Mitglieder der blogger-Gemeinde, die in den letzten Tagen auf den Image Fulgurator reagiert haben, kommen ja zum gr√∂√üten Teil aus einem Technikhintergrund. Besonders in den USA wird teilweise sehr negativ auf den Image Fulgurator reagiert. Die Diskussionen werden oft oberfl√§chlich gef√ľhrt, und enden teilweise mit einer Beschimpfung gegen mich. Die Leute haben anscheinend richtig Angst, dass ich ihnen ihre Urlaubsfotos versaue. Ich freue mich jedoch √ľber jede Diskussion, die von mir provoziert wurde, schlie√ülich war das ja genau das Ziel meiner Arbeit.
Zu einer tiefgr√ľndigen Diskussion kommt es hoffentlich, wenn meine anderen Interventionen √∂ffentlich werden. Die Aktion am Checkpoint Charlie war f√ľr mich nur ein erster Test. Vielleicht war es ein Fehler, das Video jetzt schon zu ver√∂ffentlichen.

realfragment: Eine weitere Reaktion im Internet auf den Image Fulgurator ist die sofortige Assoziation der kommerziellen Verwendung, entweder zur Einblendung von Werbung an lohnenden Standpunkten oder als Fotografieverhinderung, quasi als Copyright-Enforcement-Maschine, beispielsweise in Museen. Sie selbst haben den Image Fulgurator zum Patent angemeldet. Warum haben Sie den Apparat zum Patent angemeldet?

von Bismarck: Das Patent dient in erster Linie dazu, Kontrolle √ľber die Nutzung meiner Erfindung zu haben. Es w√§re unverantwortlich gewesen, die Erfindung nicht zu sch√ľtzen, da man sie gut f√ľr penetrante Werbung nutzen k√∂nnte.

realfragment: Warum, denken Sie, gehen so viele Menschen von einer zuk√ľnftigen kommerziellen Verwendung aus?

von Bismarck: Das verwundert mich nicht. Schlie√ülich wird alles M√∂gliche zu Geld gemacht, ohne R√ľcksicht auf Verluste. Mich pers√∂nlich interessiert die kommerzielle Nutzung erstmal nicht so. Ich verstehe mich hierbei eher als K√ľnstler und nicht als Unternehmer.

realfragment: Bleibt der Image Fulgurator als Kunstprojekt in den Austellungshallen oder planen Sie Aktionen an öffentlichen Orten?

von Bismarck: Bei der Cyberarts Ausstellung in Linz, die zur Ars Electronica 2008 im September er√∂ffnet, wird das gesamte Projekt ausgestellt. Dort gibt es dann eine Dokumentation √ľber alle Interventionen und nat√ľrlich wird der Fulgurator auch zum Einsatz kommen.

realfragment: Julius von Bismarck, vielen Dank f√ľr die Zeit, die Sie sich genommen haben.

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