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Kategorie: "die weite Welt des www"

Debuis County Herald: Die Antwort auf das Internet?

 Verfaßt am 07.04.12 um 22:21 Uhr, von , Kategorien: Theorie, die weite Welt des www, Links
Debuis County Herald

Sehr interessant: Sascha Rheker √ľber das Geheimnis des Erfolgs des Dubois County Herald, der sozusagen aus dem Nichts den dritten Platz des newspaper picture editing awards des Picture of the Year erhielt. "M√∂glicherweise hat da jemand schon 1978 die Antwort auf das Internet gefunden, die viele Zeitungen noch heute suchen."

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Prostitution als "available option" in Worms

 Verfaßt am 19.02.12 um 23:03 Uhr, von , Kategorien: OT, Bilder, die weite Welt des www
available option in Worms

Im Kunstverein Worms besch√§ftigt sich der Mannheimer Installationsk√ľnstler Kurt Fleckenstein mit dem kontroversen Themenkomplex Sexarbeit und deren Wahrnehmung: Ausbeutung oder selbstbestimmte Option?

available option in Worms
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Fleckenstein kam auf dieses Thema, als er sich wie bei seinen vergangenen ortsbezogenen Installationen mit der Geschichte des Raumes besch√§ftigte. Der Kunstverein Worms, in der N√§he des Hauptbahnhofs gelegen, ist ein wei√ügeflie√ütes ehemaliges K√ľchenstudio, das f√ľr kurze Zeit ein Erotikcenter. Das war f√ľr den K√ľnstler der Ansto√ü, sich mit dem Thema Sex als Ware zu besch√§ftigen. Dabei stie√ü er auf die Soziologin Laura Maria Agustin, die 2007 mit "Sex at the Margins: Migration, Labour Markets and the Rescue Industry" f√ľr Aufsehen sorgte. In der Studie diagnostiziert sie rescue industry und anti-trafficking feminists, Prostituierte einer bourgeoisen Betrachtunsgweise zu unterwerfen, die Sexarbeiterinnen ausschlie√ülich als zu rettende Opfer begreift. Agustin setzt dieser Betrachtungsweise das Bild der selbstbestimmten und -gew√§hlten Option Sexarbeit entgegen. Um nicht einen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Agustin verneint weder Menschenhandel noch Zwangsprostitution, wendet sich aber gegen eine Betrachtungsweise der diese Frauen ausschlie√ülich als wehrlose Opfer sieht.

available option in Worms
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Fleckenstein konfrontiert den Betrachter mit Zitaten aus einem Interview mit Agustin. Die Aussagen sind auf ein Labyrinth aus transparenten Folien aufgebracht. Der Besucher ist somit gezwungen, sich durch die Aussagen hindurchzuarbeiten. Am Ende dieses Parcours steht der Weg zu einem White Cube offen, aus dessem Inneren Rotlicht durch die halbge√∂ffnete T√ľr in den kalten, wei√ügekachelten Theorieraum dringt. Eingetreten, sieht der Betrachter sich der Realtit√§t der available option gegen√ľber: Fleckenstein hat hier ein bis in die kleinste Einzelheit originalgetreues Prostituierten-Zimmer aufgebaut.

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Kurt Fleckenstein stellt hier unkommentiert beide Seiten des Diskurses gegen√ľber. Eine abschlie√üende pers√∂nliche Position m√∂chte der K√ľnstler dabei nicht einnehmen, sondern die Besch√§ftigung mit dem Themenkomplex Sexarbeit als available option ansto√üen. Eine Besch√§ftigung √ľbrigens, die auch im Inneren jedes Betrachters m√∂glich ist.

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Fleckenstein widerspricht mit seiner Installation Agustin allerdings deutlich, indem er die kalte Realität von Sexarbeit Agustins kontroversen Aussagen entgegenstellt. Damit steht Fleckenstein nicht alleine; zahlreiche Kritiker werfen Agustin vor, Menschenhandel und Prostitution zu verharmlosen.

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Ob Agustins Thesen aber einfach nur "haarstr√§ubend" (Fleckenstein) sind, bleibt dem Betrachter √ľberlassen. Eine Antwort darauf wird aber wohl nur finden, wer sich weitergehend mit dem Thema besch√§ftigt. Einige Links zum ersten Einstieg finden sich am Ende des Artikels.
Die Installation l√§uft bis zum 11.03.2012 im Kunstverein Worms, Renzstrasse 7-9. Die √Ėffnungszeiten sind Mittwoch von 18-20 sowie Samstag und Sonntag 15-20 Uhr.

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Links zum Thema:

"Diese Frauen sind nicht naiv": Laura Maria Agustin im Interview der NZZ, 26. Juli 2009

"Prostitution ist keine normale Arbeit": Kajsa Ekis Ekman im interview der Jungle World Nr. 22, 1. Juni 2011

Der Autor hat im Auftrag des K√ľnstlers die Installation fotografiert. Dieser Artikel steht in keinem wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Foto-Auftrag.

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FOTOGRAFR fotografiert seine Leser

 Verfaßt am 12.11.11 um 19:26 Uhr, von , Kategorien: Praxis, Bilder, die weite Welt des www , Tags: ,

Anfang Oktober hat Michael Kirchner von fotografr.de anl√§√ülich einer Blogaktion von lens-flare.de seine Blogleser dazu eingeladen, das Studio Omori zu besuchen und sich dort von Michael Kirchner fotografieren zu lassen. Nun bin ich, was derlei Aktionen angeht, eher kein Herdentier. Aber: fotografr.de geh√∂rt seit langer Zeit zu meiner Lekt√ľre - ich sch√§tze die Ausrichtung der Seite: Aus dem N√§hk√§stchen plaudern, aber keine Nabelschau, Techtalk, aber keine Pixelpeeperei, Einblicke, aber keine Selbstbeweihr√§ucherung. Und weil das Studio ganz in meiner N√§he liegt, fand ich nach einem stressigen Arbeitstag noch den Weg in den Heidelberger Pfaffengrund.
Es waren nicht massig Leute gekommen, aber der wirklich netten Stimmung tat das keinen Abbruch - und als Volksfest mit Bratwurstbuden war dieser Abend eh nicht geplant...
Nun, auch wenn ich dank massig Arbeit die Deadline der Blogroll-Aktion wohl √ľbersehen haben muss (edit: nein, es gibt eine Verl√§ngerung!), gibt es hier dennoch drei Bilder des Shootings. Eines davon: Der bei der lensflare.de-Aktion geforderte wei√üe Hintergrund. Ein anderes: Das unvermeidliche Kameraposing-Bild (Michael meinte noch scherzhaft, ich solle es aber blo√ü nicht als Social-Network-Profilbild verwenden...) und schlie√ülich mein Lieblingsbild: Ich vor schwarz.
Danke an Michael Kirchner und Gr√ľ√üe an Henrik Heigl und Vadim Plushakoff. Weitere Bilder des Abends findet man auf fotografr.de

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Michael Kirchner.

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Kostenlos arbeiten?

 Verfaßt am 25.01.11 um 12:28 Uhr, von , Kategorien: Praxis, ins Auge gesprungen, die weite Welt des www, Links
Jessica Hisches gro√üartiges "Should I work for free?" hat es ja schon zu einiger Aufmerksamkeit geschafft. Gut so. wenn diese Aufmerksamkeit noch eine Debatte √ľber kostenlos arbeiten anst√∂√üt: Umso bessser. Mit freundlicher Genehmigung und tatkr√§ftiger Unterst√ľtzung von Jessica Hische habe ich das ganze mal ins Deutsche √ľbersetzt. Die Google-Translation, die Jessica Hische eingebettet hat, war eher a pain in the ass. Klick aufs Bild f√ľhrt zur deutschen Version von "Should I work for free?".
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Symbolbilder / Qualitätsjornalismus

 Verfaßt am 30.10.10 um 19:45 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, die weite Welt des www

Dieser Artikel ist mir was wert: Was ist das?

Symbolbilder sind eine Krankheit unserer Tage. Befeuert durch Bilderflut und schnelle Verf√ľgbarkeit, m√ľssen Symbolbilder noch nicht einmal mehr in klassischem Sinne Text illustrieren, also erl√§utern, sondern einfach den Artikel schm√ľcken - "Haben wir ein Bild dazu?"

Symboldbild auf Spiegel OnlineSymbolbild auf Spiegel Online

An diese Schmuckbilder haben wir uns alle gewöhnt, und angesichts dieser Gewöhnung ist uns dies eigentlich keiner Rede mehr wert.

Symbolbilder sind ja nicht per se b√∂se. Dumm (oder am√ľsant, je nach Betrachtungsweise) wird es aber immer dann, wenn Bilder gar nichts zeigen. Ein fiktiver Klassiker w√§re ein Artikel √ľber Strompreise, illustriert mit einem Freileitungsmast und der Bildunterschrift "Stromleitung: Wird Strom teurer?"

Auf die Spitze getrieben wird diese Diskrepanz zwischen Form und Inhalt aber immer dann, wenn Bilder das Gegenteil dessen zeigen, was sie eigentlich illustrieren sollen. Mein neuester Favorit: Ein Schmuckbild zum ansonsten lesenswerten Artikel "Aufnahmen mit der Kamera-Automatik" auf Spiegel Online zeigt eine Kamera mit der Bildunterschrift "Unkompliziert: Die Automatik der Kamera liegt meistens richtig".

Der Haken an der Sache: Die Kamera ist mit dem M-Modus auf alles andere als eine unkomplizierte Automatik eingestellt (na gut, immerhin Whitebalance ist im Automatik-Modus...). Die abgebildete Nikon D700 besitzt √ľbrigens gar keine Vollautomatik, auf die der Artikel abstellt.

Ob man solch nebens√§chliche Kleinigkeiten zum Anla√ü nehmen sollte, das Wort "Qualit√§tsjournalismus" in die Runde zu werfen, √ľberlasse ich jedem Einzelnen. Meine Kritik (oder Meckerei, je nach Betrachtungsweise) zeigt aber auch, dass sich zu jedem Symbolbild ein Besserwisser findet, der sich besser mit dem Abgebildeten auskennt als derjenige, der das Bild ausgew√§hlt hat...

UPDATE
Oh, oh, oh. Gerade habe ich noch etwas gesehen, das die Diskussion um "Qualit√§tsjournalismus" doch noch ernsthaft rechtfertigen k√∂nnte. So hei√üt es in dem Artikel: "Sinnvoll kann auch die Entscheidung f√ľr eine halbe Automatik sein: Bei der Zeitautomatik wird die Belichtungszeit vorgegeben und die Blende automatisch eingestellt. [...] [Die] Blendenautomatik [...] wird mit einer vorgew√§hlten Blende [...] [eingestellt], die Kamera ermittelt dazu die jeweils erforderliche Belichtungszeit."
Das ist aber falsch. Richtig ist: Bei der Zeitautomatik (auch Blendenvorwahl genannt) wird die Blende vom Fotografen vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Belichtungszeit ein. Bei der Blendenautomatik (auch Zeitvorwahl genannt) wiederum wird die Belichtungszeit vorgegeben, die Kamera stellt dazu automatisch die passende Blende ein.

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Google Streetview - Die Debatte, die Panoramafreiheit und der Datenschutz

 Verfaßt am 20.08.10 um 20:51 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Bilder, die weite Welt des www , Tags: , , , ,

Dieser Artikel ist mir was wert: Was ist das?

Seit einiger Zeit schlagen die Wellen um Google Maps Streetview in Deutschland hoch. Dabei sind im Wesentlichen zwei Gruppen auszumachen: Die Gegner von Streetview und die Bef√ľrworter von Streetview, die eigentlich Gegner der Gegner sind - Gegner der Gegner deswegen, weil diese Gruppe weniger als Bef√ľrworter von Streetview auftreten. Sie greifen vielmehr die Gegner von Streetview an (dazu sp√§ter noch mehr).

Streetview polarisiert und emotionalisiert: Gegner und Bef√ľrworter haben klar voneinander abgegrenzt Stellung bezogen. Was dabei aber auf der Strecke bleibt, ist eine n√ľchterne gesamtheitliche Betrachtung von Streetview und den Fragen, die durch den Dienst aufgeworfen werden.

Das Argument der Gegner l√§sst sich prinzipiell so beschreiben: Mein Haus soll nicht fotografiert und im Internet gezeigt werden. Das ist zun√§chst einmal eine Meinung, die man haben kann. Worauf sich diese Meinung gr√ľndet, l√§sst sich aber nur schwer erahnen. Zu vielf√§ltig sind die √Ąngste und Bef√ľrchtungen, aus denen sich dieser Widerstand speist. Und ebenso vielf√§ltig sind ist die Art und Weise, wie sich diese √Ąngste artikulieren. Es f√§ngt an bei Leuten, die offenbar das Wesen von Streetview nicht verstanden haben und Streetview wohl mit einem Echtzeitmedium verwechseln: Alle k√∂nnen sehen, wie es gerade bei mir zuhause aussieht. Dass das technisch gar nicht m√∂glich ist, spielt hierbei keine Rolle. Nur so lassen sich √Ąu√üerungen wie "Ich sonne mich oft im Bikini auf der Terrasse. Durch Google finden Spanner doch sofort mein Wohnhaus", "Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen von Street View gl√ľcklich w√§ren, dass man ihnen beim Nacktbaden im Garten zuschaut" oder "wir m√∂chten nicht, dass jemand unsere Kinder beim Spielen im Garten sieht" (alle: Bild.de) oder gar der √úberlegung, ob die Polizei mit Streetview virtuelle Streifenfahrten durchf√ľhren d√ľrfe, erkl√§ren. In dieser Teilgruppe der Gegner d√ľrften sich auch jene tummeln, die das Internet und damit auch alles, was damit zu tun hat, sowieso f√ľr b√∂se halten.
Andere Gegner haben sich √ľber Streetview informiert, m√∂chten aber nicht, dass die Stra√üenansicht ihres Hauses von Streetview fotografiert wird, weil die Hausfassade subjektiv zu ihrer Privatsph√§re (oder zu ihrem Eigentum?) geh√∂rt.
Wiederum anderen schient es weniger um ihre pers√∂nliche Betroffenheit zu gehen, sondern vielmehr um prinzipielle Erw√§gungen wie informationelle Selbstbestimmung oder dem Recht am eigenen Bild. Dass der Gegner mit Google dabei einer der "B√∂sen" ist, d√ľrfte dabei keine vernachl√§ssigbare Rolle spielen. Google-Bashing ist schlie√ülich seit einiger Zeit im Mainstream angekommen.
Das Problem der Gegner: Das, was Google macht, ist zunächst einmal nichts verbotenes. In Deutschland herrscht die sogenannte Panoramafreiheit. Das bedeutet, dass alles, was von öffentlichen Orten aus sichtbar ist, auch fotografiert und publiziert werden darf. Auch Häuser oder Autos, die von öffentlichen Orten aus fotografiert werden können, haben kein Persönlichkeitsrecht. Im Falle von Übersichtsaufnahmen, wie Streetview sie vornimmt, sind zufällig auftauchende Personen als "Beiwerk" im Sinne des Urheberrechtsgesetz schlicht irrelevant. Dass Google Personen also automatisiert unkenntlich macht, ist eine reines Entgegenkommen von Google und nicht etwa ein Muss.
Problematisch wird Streetview, "[‚Ķ] weil die Geb√§ude- und Grundst√ľcksansichten, die √ľber Geokoordinaten eindeutig lokalisiert und damit einer Geb√§udeadresse und dem Geb√§udeeigent√ľmer sowie den Bewohnern zugeordnet werden k√∂nnen [‚Ķ]." Damit handelt es sich n√§mlich um personenbezogene Daten. Und damit wiederum wird die Unkenntlichmachung von personenbezogenen Daten wie Gesichtern, Nummernschildern oder Hausnummern zur Pflicht ‚Äď und zwar aus datenschutzrechtlichen Gr√ľnden; die Panoramafreiheit ist in dieser Frage nicht relevant.

Die Bef√ľrworter fallen zun√§chst einmal dadurch auf, dass sie eigentlich gar keine unmittelbaren Bef√ľrworter von Streetview sind. Die Anzahl derer, die sagen "Ich m√∂chte, dass Streetview die Aufnahmen macht, weil...", ist gering. Die Hauptargumentation der Bef√ľrworter richtet sich gegen die Gegner von Streetview. Sie ist von dem Ton gepr√§gt, den Gegnern zu beweisen, dass sie weniger informiert als hysterisch seien. Viele Bef√ľrworter holen dann auch gleich zum gro√üen Rundumschlag aus: Die Gegner von Streetview seien Fortschrittsfeinde, die keine Ahnung vom Internet und von den Segnungen der Technologie haben. Fast beschleicht einen die Bef√ľrchtung, dass viele der Bef√ľrworter deswegen so aggressiv auftreten, weil es sich gut anf√ľhlt, die eigene vermeintliche √úberlegenheit einmal ausleben zu k√∂nnen.

In eine √§hnliche Kerbe schlagen die diejenigen, die Streetview eigentlich auch bedenklich finden, aber angesichts der √ľberbordenden staatlichen und privatwirtschaftlichen √úberwachung und Datensammelei √ľber Streetview nur lachen k√∂nnen. Auch sie machen sich √ľber die Gegner lustig, die sie als als unwissende Digital Immigrants wahrnehmen. Diese Unwissenden fanden von der Leyens Websperren ganz toll und die Zensurgegner suspekt, riefen nach jeder Gewalttat nach mehr Video√ľberwachung, nutzen Payback und Facebook, k√∂nnen an der Vorratsdatenspeicherung eigentlich nichts schlimmes finden und fangen nun ausgerechnet bei Streetview an, rumzuheulen? Wissen die Gegner nicht, dass Bonit√§tspr√ľfer seit Jahren schon auch digitalisierte Wohnumfelder nutzen?
Dieser Gruppe der Bef√ľrworter sei zugerufen, dass weder Arroganz noch Schadenfreude gute Ratgeber sind. Und: Nur weil sich jemand, unwissend oder uninteressiert wie er sein mag, bereitwillig √ľberwachen l√§sst, verwirkt er nicht f√ľr alle Zeit sein Recht, eine Datensammlung unheimlich zu finden. Dass nun manch ein besser Informierter es den Unwissenden sozusagen heimzahlen will, ist verst√§ndlich - ein Argument ist es aber nicht.

Die ernsthafte und ernstzunehmende Kritik an den Gegnern von Streetview lautet: Eure Angst vor Streetview gef√§hrdet die Freiheit. Genauer gesagt: Die Panoramafreiheit. Und in der Tat ist das zu bef√ľrchten. Die Rechte von Fotografen sind in den letzten Jahren in Deutschland sowieso schon eingeschr√§nkt worden - nicht nur rechtlich, sondern vor allem sozial. Wenn hier von Fotografen die Rede ist, sind √ľbrigens nicht nur die Berufsfotografen gemeint, sondern wir alle. Die Beschneidungen der Panoramafreiheit betrifft n√§mlich jeden, der irgendetwas fotografiert, und sei es mit dem Fotohandy.
Die Debatte um Streetview ist aber nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine soziale Debatte. Und auch hier haben die Bef√ľrworter recht: Eine Streetview-Hysterie h√§tte durchaus das Potenzial, zu der Meinung Otto Normalverbrauchers zu f√ľhren, dass fotografieren ohne Genehmigung verboten sei - wie unlogisch und kognitiv dissonant diese Meinung auch w√§re. Schon heute kann es passieren, dass Fotografen ein aggressives "Das ist verboten - Recht am eigenen Bild!" entgegen gerufen wird - in v√∂lliger Unkenntnis und ungeachtet der rechtlichen Lage.

Wenn man bedenkt, dass bei dieser Diskussion die Panoramafreiheit ein zentraler Aspekt ist und auch nachteilige Einfl√ľsse auf das Klima gegen√ľber Bildberichterstattern zu bef√ľrchten sind, so ist die Wiedergabe der Debatte in den Mainstreammedien befremdlich. Eigentlich m√ľsste den Medien daran gelegen sein, den Rezipienten sachlich zu erkl√§ren, warum Streetview aus Sicht der Medien weder rechtlich noch sozial ein Problem darstellt. Was insbesondere im Boulevard publiziert wird, ist aber das krasse Gegenteil: Angstmache, die teils unsachlich und teils unwahr ist. Insbesondere das Bild einer Echtzeit√ľberwachung durch Streetview wird suggeriert. Die Problematik der bedrohten Panoramafreiheit wird dabei kaum beleuchtet. Dieses fast schon selbstsch√§digende Verhalten l√§sst sich mit Quote und Auflage alleine nur schwer erkl√§ren. Die Vermutung, dass die Form der Berichterstattung √ľber Streetview eine kalte Rache an google ist, h√∂rt sich abenteuerlich an - aber auf den zweiten Blick k√∂nnte sie durchaus eine Erkl√§rung liefern. Wenn dem aber wirklich so sein sollte, so w√§re dies ein Indiz daf√ľr, in welcher Sonderrolle, die von den Wirrungen im wahren Leben kaum betroffen ist, manch Journalisten sich selbst wahrnehmen. Ein √§hnliches Verhalten lie√ü sich in j√ľngerer Zeit bei der Debatte um die Internetzensur beobachten.

Um sich ein umfassendes Bild √ľber die Problematik von Streetview mache zu k√∂nnen, muss man die Argumente von Bef√ľrwortern und Gegnern ernstnehmen. Man muss sich auch fragen, warum ausgerechnet um Streetview solche Kontroversen ausl√∂st. √úberdies sollte man sich anschauen, was Streetview denn eigentlich genau macht.
Nochmal: Streetview fertigt zun√§chst einmal Momentaufnahmen von Stra√üenz√ľgen an, die von √∂ffentlichen Grund aus sichtbar sind und ver√∂ffentlicht diese dann. Das ist zun√§chst nichts anderes, als jeder von uns auch tun kann. Das ist weder verboten noch genehmigungspflichtig.
Was die Bef√ľrworter von Streetview aber gerne unterschlagen, sind die Besonderheiten, die Streetview zu dem machen, was es ist: Fl√§chendeckung, Automatisierung und Verkn√ľpfung mit Daten, die unter Umst√§nden personenbezogen sind. Hinzu kommt die monopol√§hnliche Marktstellung von Google. Auch wenn Streetview im Rahmen der Panoramafreiheit prinzipiell erlaubt ist, so muss man auch sehen, dass Streetview in seinem Umfang und seiner Qualit√§t eine neue Form der Datenerhebung darstellt, die in ihrer als fl√§chendeckende digitale bildliche Erfassung mit Geodaten eben doch an die Grenzen des rechtlich erlaubten st√∂√üt - vor allem datenschutzrechtlich. Eine entsprechende Einsch√§tzung wurde bereits 2008 von den obersten Aufsichtsbeh√∂rden f√ľr den Datenschutz vorgenommen: "Bei digital erfassten Fotos von Geb√§ude- und Grundst√ľcksansichten, die √ľber Geokoordinaten eindeutig lokalisiert und damit einer Geb√§udeadresse und dem Geb√§udeeigent√ľmer sowie den Bewohnern zugeordnet werden k√∂nnen, handelt es sich in der Regel um personenbezogene Daten, deren Erhebung und Verarbeitung nach dem Bundesdatenschutzgesetz zu beurteilen ist. Die Erhebung, Speicherung und Bereitstellung zum Abruf ist nur zul√§ssig, wenn nicht schutzw√ľrdige Interessen der Betroffenen √ľberwiegen. Bei der Beurteilung schutzw√ľrdiger Interessen ist von Bedeutung, f√ľr welche Zwecke die Bilddaten verwendet werden k√∂nnen und an wen diese √ľbermittelt bzw. wie diese ver√∂ffentlicht werden." Das erkl√§rt auch, warum z.B. Bonit√§tspr√ľfer ihre Aufnahmen relativ probemlos erstellen und verwenden d√ľrfen: Die Verwendung und Weitergabe ist - ganz im Gegensatz zu Streetview - eingegrenzt (auch wenn einem die Datensammelei von Bonit√§tspr√ľfern auch nicht gefallen muss).
Ein weiterer interessanter Punkt bei Streetview ist die Aufnahmeh√∂he. Streetview nimmt die Aufnahmen mit einer Kamerah√∂he von bis zu drei Metern auf. Mit dieser Aufnahmeh√∂he aber wird von Streetview auch das fotografiert, was den Blicken im √∂ffentlichen Raum offenbar entzogen werden soll - beispielsweise durch Hecken. Eine wie selbstverst√§ndlich vorgebrachte rein technische Erkl√§rung reicht hier nicht aus: Das Unternehmen Sightwalk, das ebenfalls Stra√üenansichten erfasst und im Internet ver√∂ffentlicht, nimmt nach eigenen Angaben mit ca. 1,9m Kamerah√∂he auf, was der "Sichth√∂he eines gro√üen Menschen" entspricht und "somit keinen unnat√ľrlichen Einblick in z.B. G√§rten" erlaubt. Leider war von der a+o Kommunikationsberatung, welche in Deutschland die √Ėffentlichkeitsarbeit f√ľr Google macht, nicht in Erfahrung zu bringen, warum Streetview eine deutlich h√∂here Aufnahmeposition verwendet und sich nicht auf eine H√∂he von ca. 1,8m beschr√§nkt, um so eventuelle Debatten um die Panoramafreiheit einfach entkr√§ften zu k√∂nnen. Datenschutzrechtlich betrachtet halte ich eine erh√∂hte Aufnahmeposition im Zusammenhang mit verkn√ľpften Geodaten recht fragw√ľrdig.

Was sich zunächst als recht einfach darstellt, nämlich als "Streetview macht Fotos und von Mainstreammedien befeuerte Angstgegner bedrohen die Panoramafreiheit", ist bei genauerer Betrachtung komplizierter.
Wir haben es bei Streetview durch Fl√§chendeckung, Automatisierung, Aufnahmeh√∂he und Verkn√ľpfung mit potenziell personenbezogenen Geodaten sowie der Marktmacht von Google mit einer neuen Qualit√§t der Datenerhebung und -verkn√ľpfung zu tun. Diese neue Form ist zwar von der Panoramafreiheit "gedeckt", datenschutzrechtlich aber nicht unproblematisch.

Die Gegner von Streetview habe das Recht, ihre √Ąngste und Bef√ľrchtungen, gerade was die datenschutzrechtlichen Aspekte angeht, zu √§u√üern und eine Kl√§rung durch Rechtsprechung und Politik zu verlangen. Gleichzeitig m√ľssen sich aber viele Gegner vorwerfen lassen, das Wesen von Streetview und der Verwendung im Internet offenbar nicht verstanden zu haben. Eine gr√ľndliche Information √ľber Streetview und die rechtlichen Rahmenbedingungen sei diesen Gegnern ans Herz gelegt.
Die Bef√ľrworter von Streetview wiederum sollten nicht den Fehler machen, aus Angst vor einer Beschneidung der Panoramafreiheit jede Debatte um Streetview von vorneherein als fortschrittsfeindlich abzustempeln oder sich gar √ľber die Gegner lustig zu machen - so uninformiert diese aus Sicht der Bef√ľrworter auch sein d√ľrften.
Die Bef√ľrworter verkennen, dass die datenschutzrechtlichen Fragen, die Streetview aufwirft, nicht einfach umgangen werden k√∂nnen. Wer aus Angst um die Panoramafreiheit die datenschutzrechtliche Debatte kleinhalten will, gestaltet nicht, sondern duckt sich weg. Wer f√ľr die Panoramafreiheit streitet, sollte nicht der Versuchung nachgeben, Streetview als vermeintlich Verb√ľndeten einfach pauschal ganz toll zu finden. Auch wer um die Panoramafreiheit k√§mpft, kann Streetview f√ľr bedenklich halten!

Zugespitzt gesagt wollen die Gegner ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnehmen und vergessen dar√ľber die Panoramafreiheit - die Bef√ľrworter k√§mpfen um die Panoramafreiheit und blenden dabei die datenschutzrechtlichen Fragen aus. So wird das aber nichts, man redet gleichsam aneinander vorbei. Eine zielf√ľhrende Diskussion darf nicht nur in der Wahrung eigener Partikularinteressen gef√ľhrt werden. Die Frage, ob Streetview eine weitere Sph√§re √∂ffnet, die bild- und datenschutzrechtlich neu bewertet muss, sollte gestellt werden. Das wiederum erfordert Auseinandersetzung mit allen Aspekten, die diese Frage aufwirft - und das ist durchaus nicht trivial. Vielleicht ist das auch die Erkl√§rung daf√ľr, warum die Mainstreammedien in weiten Teilen lediglich die Argumente der Gegner oder Bef√ľrworter wiedergek√§ut hat, anstatt aufkl√§rend und beleuchtend in die Debatte einzusteigen: Man mutet dem Rezipienten wohl nicht gerne komplexe Sachverhalte zu.

Was uns fehlt, ist eine breite √∂ffentliche Auseinandersetzung √ľber die Themen Panoramafreiheit und Datenschutz. Beide Aspekte k√∂nnten dabei auch unabh√§ngig voneinander diskutiert werden. Dann aber sind wir beim gro√üen Ganzen angelangt: Datensammelei und √úberwachung, staatlich und privat. Die Diskussion dar√ľber wird anstrengend, weil es eine systemkritische Diskussion ist. Die Debatte um Streetview ist nur ein Symptom f√ľr diesen Diskussionsbedarf. Gleichzeitig wird klar, dass die Kontroverse und Streetview auch ein willkommenes Ablenkungsman√∂ver f√ľr jene ist, die andernorts die √úberwachung und Erfassung der Gesellschaft weiter vorantreiben.

Insgesamt deutet sich an, dass die Debatte um Streetview - √§hnlich wie die Debatte um die Internetzensur von der Leyens - in ihrer Emotionalit√§t und Polarisierung nicht nur ein technisch-rechtliches Problem ist, sondern auch ein soziales. Derartige Problemstellungen lassen sich aber nur dann befriedigend l√∂sen, wenn eine umfassende Sachdebatte gef√ľhrt wird. Von einer solchen haben wir uns in den letzten Wochen aber weit entfernt.

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Warum es besser ist, sich on Location auch mal umzuschauen

 Verfaßt am 08.07.10 um 13:26 Uhr, von , Kategorien: die weite Welt des www, Links

Viral marketing oder nicht? Wie auch immer, ein anschauliches Beispiel daf√ľr, dass man nicht nur durch den Sucher schauen, sondern auch immer wissen sollte, was um einen herum passiert.
Nat√ľrlich ist das in einer definierten Studioumgebung nicht so wichtig, aber in dynamischen Situationen ist man gut beraten, sich seiner Umgebung gewi√ü zu sein. Das ist eine Binsenweisheit? Sicher ist das eine. Aber...

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