Kategorie: ins Auge gesprungen
mensch-maschine: einstufung auf dem B-SEITE Festival 2010
Die Installation mensch-maschine: einstufung ist momentan auf dem B-SEITE Festival 2010 in Mannheim zu sehen. Tim hat die Technik nochmals finegetunt. Ich bin sehr erfreut... zumal ich mensch-maschine: einstufung nach wie vor für eine unserer gelungensten Umsetzungen halte: Sie ist bestechend simpel, intuitiv zugänglich, gesellschaftsrelevant, emotionalisierend und sieht gut aus.
Auf artmetropol.tv ist mensch-maschine: einstufung in Bewegtbildern zu sehen (02'10, der ganze Beitrag ist aber sehenswert!).
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Über die Suche nach der "besten Fälschung" und einen problematischen Begriff
Eine Fälschung ist eine Unwahrheit, eine Lüge. Das Wesen einer Fälschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist. Ein Fälschung ist also ein Betrug, ein Fälscher also ein Betrüger
Auch im Bereich der Fotografie gibt es, das wissen wir alle, Fälschungen. Das Phänomen dürfte so alt sein die wie Fotografie selbst. Spektakuläre Bildfälschungen sind die Retusche von Trotzki durch die sowjetische Zensur, in jüngere Zeit die Verwandlung von Wasser- zu Blutpfützen nach dem Anschlag von Luxor durch die schweizer Boulevardzeitung Blick (1997) oder die Bildfälschung des Reuters-Fotografen Adnan_Hajj (2006) und, ganz aktuell, die Disqualifikation Stepan Rudiks beim World press photo award.
Nun ist nicht jede Bildmanipulation eine Bildfälschung im moralischen Sinne von Lügen. Dass die zahlreichen Personen auf den Titelbildern der TV-Programmzeitschriften geschönt sind, dürfte bekannt sein. Dass in der Werbung massiv manipuliert wird, sollte Allgemeingut sein. Darüber regt sich niemand auf.
Dennoch: Selbst in Bereichen, in denen massive Bildmanipulation gesellschaftlich akzeptiert ist und nicht als "Lüge" wahrgenommen wird, würden sich die Bildbearbeiter nicht freiwillig als "Fälscher" bezeichnen. Und die meisten würden sich wohl verbitten, als "Fälscher" tituliert zu werden.
Umso verwunderlicher ist es, dass in einer momentan laufenden Blogparade aufgefordert wird, "deine beste Fälschung" zu publizieren. Keine Sorge, was man da zu sehen bekommt, sind keine falschen Geldscheine, keine Außerirdischen in Berlin, keine Angela Merkel, die lachend Küken in einen Fleischwolf steckt. Es sind zumeist noch nicht einmal "richtige" Fälschungen, sondern Collagen, Montagen, Retuschen, Composings.
Alles halb so wild also? Warum die ganze Aufregung hier?
Was mich stutzen läßt, ist die Verwendung des Begriffes "Fälschung". Warum fragt man in der Blogparade nach "deiner besten Fälschung"? Warum nicht nach "deiner besten Bildmanipulation"? Okay, das ist etwas sperrig – wie wäre es mit "deine beste Montage" oder "dein bestes Composing"? Eine begriffliche Kleinigkeit, die aber einen gewaltigen Unterschied macht! Wäre ich über "dein bestes Composing" gestolpert, hätte ich mir das angeschaut, gegebenenfalls hier gelacht, da gegähnt, dort gestaunt.
So aber wundere ich mich, wie unreflektiert hier mit dem Begriff der Fälschung umgegangen wird. Sicherlich hat sich der Initiator der Blogparade nichts Böses dabei gedacht, aber nichts Böses gedacht ist mir hier zu wenig.
Ebenfalls verwunderlich ist, dass sich die Teilnehmer diesen Schuh so mir nichts, dir nichts anziehen. Immerhin ist jemand, der stolz seine "beste Fälschung" präsentiert, streng dem Wortlaut nach ein Fälscher.
Einige Teilnehmer haben aber offenbar ebenfalls Bauchschmerzen mit diesem Begriff. So macht sich Jan-Paul Nachtwey auf japana.de ähnliche Gedanken wie ich und thematisiert recht ausführlich die Geschichte der Manipulation in der Fotografie.
Auch Jana von janasworld.de meint "[...] eine schwierige Frage. Denn wann hört Retusche/Bildoptimierung auf und wann fängt Fälschung an. Wenn der Himmel etwas blauer wie blau ist, ist es dann nur eine Optimierung oder schon eine Fälschung?".
Und auch der stilpirat hat Bedenken: "Nun, 'Fälschung' ist ein großes Wort. Ich persönlich hab da so meine Schwierigkeiten. Ich greife hin und wieder etwas tiefer in ein Foto ein... würde es 'Bildbearbeitung' nennen – schlimmstenfalls 'Bildmanipulation'... aber fälschen, naja..."
Unabhängig davon, welches Verhältnis man zu Bildmanipulationen hat, halte ich es für problematisch, den Begriff der Fälschung so lässig zu verwenden und mit der Suche nach der "besten" Fälschung sogar in die Nähe einer Auszeichnung zu rücken.
Manche Begriffe bedürfen einer gewissen Sensibilität. Ich persönlich halte die Suche nach der "besten Fälschung" für verhängnisvoll. Solche Aktionen sind ein (wenn hier auch gewiß sehr, sehr kleines) Stück zu einer Wahrnehmung von Fotografen als Manipulateure am Computer und langfristig einer abnehmenden Wertschätzung von Fotografie.
Daher sei hier ausdrücklich gesagt, dass es mir nicht um Bashing geht. Im Grunde genommen sind die Personen, auf die ich mich hier beziehe (hier natürlich vor allem der Initiator der Blogparade), irrelevant. Es geht mir um den Sachverhalt, meinen Standpunkt dazu und nicht darum, Leute zu beleidigen.
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3 Kommentare
Ich meine, das wort fälschung ist ja schnell im artikel ersetzt. und ein kurzer kommentar dazu ist ebenfalls schnell geschrieben. wenn man denn wollte.
aber, ums kurz zu machen... was solls? die meisten wissen, was da gemeint ist. :)
Was mich aber ein wenig verwundet ist das Du direkt am Anfang geschrieben hast das :
Das Wesen einer Fälschung liegt darin, etwas vorzugeben, was es nicht ist.
wie Du siehst eine Retuschierte Bauch oder Cellulitis auf einem Bild ist nichts anders als ein Fälschung der realitet . Also eine Fälschung
Das die Leute sich nicht freiwillig als Fälscher bezeichnen werden , verändert nicht die Tatsache das die "Produkte" ihre Arbeit eine von uns erlaubte Fälschungen sind .
Hitler Tagebücher gehören zu den Bekanntesten Fälschungen letzte Zeit . Bücher die nicht existierten wie nicht existierte ein Treffen von 7 Brüder bei mir auf dem Bild ( ich hab nur einen und noch dazu um 5 Jahre Jungehren)
Ob man das Bild als Fälschung oder Composing schimpfen wird , ist mir Persönlich egal .
Trotzdem es zeigt eine Situation die es geben könnte ( wen es soviel Brüder gegeben währe) aber es nicht gab .
Fotografieren am Limit: Simon Carter
Gute Kletterbilder sind aufregend: Sie beschleunigen den Pulsschlag und erzeugen einen leichten Schweißfilm auf den Händen.
Simon Carter, selbst Kletterer, fotografiert seit 16 Jahren Menschen, die mit ihren Händen und Füßen die Höhe bezwingen. In Kooperation mit dem Nikon Professional Service hat Carter nun die Nikon D3s zum Einsatz gebracht, um einen Film in den australischen Blue Mountains zu drehen. Herausgekommen ist ein schweißtreibender Zweiminüter, der auf Carters Blog und natürlich Youtube zu sehen ist. Definitiv sehenswert.
Was gerade für Fotografen noch interessanter sein könnte, ist das Making of, das bei diesem Shooting entstanden ist. Carter agiert nämlich nicht vom sicheren Boden aus, sondern hängt sich im wahrsten Sinne des Wortes rein. Carters Arbeitsweise mag in technischer Hinsicht sicherlich nichts zeigen, wovon "normale" Fotografen profitieren können - die wenigsten werden in schwindelerregender Höhe hängen und nebenbei Objektive wechseln. Im übertragenen Sinne hat uns Simon Carter aber dennoch etwas zu sagen:
I’ve learnt a few things: The easy road isn’t always the right road in the long run. The more I’ve followed my vision the more opportunities have come along — the more things have fallen into place and allowed me to move forward. And, as we’ve seen, sometimes you’ve got to step back to move forward.
Simon Carter: Do you have a vision for your photography?
Genug der Worte, hier die Videos:
Übrigens: Wer sich (wie ich anfangs auch) über die Filmtransport-Geräusche amüsiert, mit denen die Stills untermalt werden: Einige Bilder sind mit der F100 entstanden, und Carter war bis vor zwei Jahren überzeugter Anhänger der optochemischen Fotografie. Mit der D3 hat sich das dann geändert - genauso wie die D3s Carters Verhältnis zur Bewegtbild-Fotografie verändert hat.
Leider ist das, was Nikon Australia "Blog" nennt, keines. Die Möglichkeit, auf einzelne Beiträge zu verlinken, fehlt, genauso wie die Kommentarfunktion. Ich kann daher nur auf mynikonlife.com.au verlinken, den einzelnen Beiträge muss man dann selbst suchen. Er heißt "Do you have a vision for your photography? By Simon Carter".
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Beim Stöbern habe ich auf dem Blog realfragment die folgenden atemberaubenden Videos gefunden. Es handelt sich um ein Klettervideo “The Rock Climber – Nikon D3s”, das der Fotograf Simon Carter in Zusammenarbeit mit dem Nikon Professi...
Beeindruckend: "Ian Fisher : American Soldier"
[via the public eye blog]
Unbedingt anschauen: Craig F. Walkers Reportage Ian Fisher: American Soldier auf denverpost.com. Eine beeindruckende Reportage, die menschlich sehr tief geht und dabei aber nie distanzlos ist.
Walker hat zusammen mit den Textautoren Kevin Simpson, Michael Riley und Bruce Finleyre über zwei Jahre den jungen Ian Fisher begleitet. Sein Weg führte ihn von der High School über das US Army Future Soldier Training Program direkt in den Irak - und wieder zurück nach Hause.
Obwohl Walkers Reportage zu einem große Teil durch Fishers Leben mit und in der US Army geprägt ist, bleibt die Story angenehm entfernt von Glorifizierung oder Heroisierung. Der Mensch Ian steht im Vordergrund.
Auf denverpost.com finden sich weitere gute Reportagen - Stöbern lohnt sich.
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30-Sekunden-Fototermin bei Barack Obama

"Pool spray" ist der Ausdruck amerikanischer Bildjournalisten für eine zeitlich recht beschränkte Fotomöglichkeit. Stephen Crowley, Fotograf der New York Times, hat ein kleines point-of-view-Video einer solchen "Session" gedreht. Bildproduktion mit Barack Obama, Joe Biden, Timothy Geithner (Finanzminister) und zahlreichen ungenannten Fotografen in einer halben Minute.
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Drauflegen?

Bei Sascha Rheker: Teil drei der Artikelserie "Umsonst oder kostenlos?".
Sascha Rheker geht hier über die Anfangsdiskussion hinaus und beschäftigt sich in seinem dritten Teil mit Honorarfragen und verführerischem Selbstbetrug.
Wirklich lesenswert und interessant, zumal in einem großen deutschen Fotografieforum das Thema "Honorierung" gerade mal wieder heiß diskutiert wird.
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Umsonst oder kostenlos?

Lesenswert bei Sascha Rheker: Gedanken zum Thema "umsonst fotografieren" mit vielen interessanten Links.
Teil 1: Umsonst oder kostenlos?
Teil 2: Noch mehr für noch weniger.
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Ins Auge gesprungen: Februar, östlich von München
Nebeltage, Nebellandschaften, Nebelverse üben seit jeher eine eigentümliche Faszination auf viele Menschen aus.
Nebel: Metapher für Herbst, Melancholie, Einsamkeit, Abschied, ja Tod. Diese Assoziationen sind naheliegend, spontan in den Sinn kommend, in gewisser Weise kulturell vorgeprägt. Nebel hat aber auch eine andere Seite: Er kann den Beginn eines neuen, klaren, sonnigen Tages markieren, kann Vorbote des Frühlings sein, dem er bald weichen muss.
Für Fotografen ist Nebel ein reizvoller Umstand, wenngleich ein launischer Geselle - nicht fassbar, verändert er schnell seine Gestalt, um bald ganz verschwunden zu sein. Zudem taugt Nebel als alleiniges Motiv kaum. Erst im Wechselspiel mit seiner Umgebung tritt er zutage. Und in diesem Wechselspiel liegt das reizvolle: Nebel verhüllt, was zuvor ofensichtlich war. Nebel reduziert Formen und Farben zu Ahnungen. Nebel zieht neue Wahrnehmungsebenen ein. Verhüllen und abschwächen muss dabei nicht verstecken bedeuten - oftmals treten durch Reduktion, Verhüllung, Abschwächung erst ganz neue Aspekte zutage.
Mit seiner Serie Februar, östlich von München hat Fabian Mohr eine ganz wunderbare Umsetzung des Nebelwesens geschaffen. Ins Auge gesprungen ist hier besonders das erste Bild.
Die ersten Assoziationen sind: Leere, Kälte, Tristesse, Monotonie. Der braune, schwere Ackerboden hat noch nichts hervorgebracht, scheinbar unfruchtbar liegt er da. Der Nebel senkt sich schwer auf den Grund, schwer wie der Boden selbst. Ausblicke hinter der grauen Wand sind hier nicht erkennbar. Am linken Bildrand steht eine Wahlwerbung so verlassen wie hoffnungslos herum.
Verweilt der Betrachter aber eine Weile, so tritt ein weiterer Eindruck in die Wahrnehmung und gewinnt an Stärke: Frische, Reinheit, Klarheit. Am Horizont deutet ein noch dünner Streifen Grün zaghaft an, dass der Frühling unaufhaltsam entgegenkommt, mit der ganzen Kraft des Wachstums, das sich noch unter der Oberfläche verbirgt.
Und nunmehr wird das baldige Blühen im Plakat aufgegriffen: Das dortige Grün weist, etwas schüchtern noch, den Weg. Schon bald, wenn das Plakat längst verschwunden ist, werden das Grün der Pflanzen und das Blau des Himmels die Szenerie mit ganzer Kraft prägen.
Die vollständige Serie kann bei ISO 800 betrachtet werden und ist es wert, einfach mal einige Minuten dort zu verweilen.




