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gumgum: Alte H체te oder Revolution?

 Verfaßt am 20.02.08 um 03:20 Uhr, von , Kategorien: Praxis, Technik, die weite Welt des www


Das Fotografie-Blog berichtet von einem "revolution채ren Honorarmodell f체r Online-Fotos", umgesetzt von der US-amerikanischen Agentur gumgum. Das macht neugierig.

Worin besteht nun das revolution채re Honorarmodell? Zun채chst einmal darin, dass versucht wird, ein in der Printbranche bew채hrtes Honorarmodell auf die Online-Nutzung zu 체bertragen.
Wie das in der realen Welt funktioniert, beschreibt das Fotografie-Blog:

Also: ich brauche ein Foto f체r den Umschlag eines Buches mit einer Auflage von 30′000. Fotograf/Bildagentur schaut in MFM-Liste nach, w채hlt Preis, fertig. Erscheint eine zweite Auflage, wird nachgezahlt.

Die Vorteile, so das Fotografie-blog, liegen dabei auf der Hand:

[...] beide erzielen ein faires Ergebnis, ist doch der Preis exakt auf den Verwendungszweck, Verbreitung und Nutzung zugeschnitten.

Im Internet ist das alles nat체rlich nicht so einfach, da eine "Auflagenh철he" nicht existiert. Man kann im Prinzip lediglich die Anzahl der views (Ansichten) sch채tzen, unter Umst채nden anhand Erfahrungswerten. Deshalb sind Honorare f체r Internetnutzung oftmals von der tats채chlichen Nutzung abgekoppelt.

gumgum also will dieses Problem l철sen, und die L철sung ist so einfach, dass man sich zun채chst fragt, wieso noch keiner darauf gekommen ist: Der Rechteinhaber 체berl채횩t sein Bild gumgum, und gumgum verkauft das Bild. Das Bild wird nun aber nicht an den K채ufer weitergegeben, sondern verbleibt auf den gumgum-Servern. Der K채ufer bindet das Bild via Flash ein und bezahlt f체r die pay-per-view-Nutzung. Das bedeutet, gumgum registriert jeden Aufruf des Bildes und rechnet ab. Alternativ kann der K채ufer Bilder auch unentgeltlich nutzen - gumgum blendet dann Layer-Ads ein.
Ari Mir, einer der Firmengr체nder von gumgum, erl채utert in einem Kommentar auf The Business of Photography das Modell (CPM steht f체r cost per mille und ist die Entsprechnung zu TKP):

We have two models, pay-per-use and ad-supported.
With pay-per-use the content owner sets a CPM and every thousand impressions his/her content receives (we track this) the publisher pays the CPM. In this case the content is free of any advertising.
The second licensing model, ad-supported, the publisher does not pay anything out of pocket but in exchange displays an advertisement alongside the content. The advertisement is monetized also on a CPM basis (we track the views again) and the content owner receives the advertising dollars directly into his/her pockets.

Im Prinzip ist das Abrechnungsmodell von gumgum nichts anderes als jenes aus den Anfangszeiten der Bannerwerbung. Das Fotografie-Blog ist, wie viele andere auch (beispielsweise hier oder hier) "begeistert":

Wieso noch niemand vorher auf den Gedanken gekommen ist, das TKP-Modell von Bannerwerbung f체r Bilder umzukehren, erscheint bei der simpel-cleveren Idee von GumGum verwunderlich.

Nun, vielleicht liegt es einfach daran, dass pay-per-view im Internet-Advertising noch nie richtig funktioniert hat; hier hat sich l채ngst pay-per-click durchgesetzt. Bereits bei pay-per-click sehen sich die Anbieter mit massiven Betrugsproblemen (click-fraud) konfrontiert, bei pay-per-view sind die Manipulationsm철glichkeiten ungleich h철her und 체berdies schwerer in den Griff zu bekommen.
Am Ende sind wir wieder am Ausgangsproblem angelangt, das gumgum l철sen will: Pageimpressions bzw. Hits sind einfach zu schwammig, um ein Lizenzmodell aus der Realwelt darauf aufbauen zu k철nnen.

Tech News 2 U meint:

[...] in reality, the GumGum model is basically the old hard copy licensing model with a real-time spin.

Auch Jeff Gardner ist eher skeptisch:

I’m skeptical. It sounds like a very big idea, and I may prove to look the idiot but here are my qualms.

COM 490 meint:

This has been attempted before with different strategies. All in all this is very complicated to pull off. Personally I don’t see this working. Basically they are asking for publishers to accustom to their new ways. That is going to be hard to pull off.

Ein anderes potenzielles Problem, das im Moment noch vielen Leuten Bauchschmerzen bereitet, ist die Umsetzung mittels Flash. Auf techcrunch wird dies diskutiert.

Sollte das Lizenzmodell von gumgum funktionieren und angenommen werden, so w체rde es sicherlich f체r viele Fotografen einen Weg aus dem Microstock-Dilemma aufzeigen. Vielleicht ist das auch mit ein Grund f체r die hier und da blind anmutende Begeisterung, die momentan durch das Web brandet.

Auf der Website von gumgum ist nichts dar체ber zu finden, wie eine verl채횩liche Abrechnung garantiert werden soll. Angesichts der Tatsache, dass diese Frage der Dreh- und Angelpunkt ist, 체ber den sich die Zukunft dieses Verwertungsmodells entscheiden wird, ist das doch etwas mager. Auch ansonsten gibt sich die Website eher schweigsam. Wahrscheinlich 채ndert sich das ja noch; ein gelungener Launch sieht aber anders aus.

Sicherlich ist es verfr체ht, pessimistisch und 체berdies eine wilde Mutma횩ung, aber vielleicht besteht das Gesch채ftsmodell des Startups gumgum ja darin, einen Hype anzufachen, m철glichst viele Entscheider zu beeeindrucken und in einer kurzen Zeit viel Gewinn zu erzielen, bevor man den Laden wieder dichtmacht. So was soll's ja schon gegeben haben.

Nun, warten wir es ab. Ich bin gespannt, ob dieses Modell sich etablieren kann und ob es geeignet ist, den Bildermarkt erneut zu revolutionieren.

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