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Kategorie: "Theorie"

Aufgebrochene RealitÀtsvergewisserung: Der Image Fulgurator und seine Auswirkungen

 Verfaßt am 27.06.08 um 03:12 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik, die weite Welt des www


Bildmanipulation ist so alt wie die Fotografie selbst. Und noch heute werden Bilder als Beweis wahrgenommen - lange nach der Erkenntnis, dass auch Nachrichtenbilder immer wieder manipuliert wurden.

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator

Julius von Bismarck und der Image Fulgurator
Bild: www.juliusvonbismarck.com


er manipuliert werden können und werden, ist heute Allgemeingut - spÀtestens der Siegeszug der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung, der seit einiger Zeit auch im Mainstream angekommen ist. Dennoch: Bilder bleiben Beweise, Bildern wird geglaubt, und zwar auch von jenen, die um die Manipulationsmöglichkeiten wissen. Es scheint, dass das Wesen der Fotografie sich aufgespalten hat. Auf der einen Seite existiert das, was ich "generierte RealitÀt" nennen möchte und anhand der Fernsehzeitschriften-Titelbildern vor kurzem in der Zeit ganz treffend charakterisisert wurde. Auf der anderen Seite: Die "dokumentierte RealitÀt", das sind beispielsweise Bilder, die Nachrichten illustrieren.
Die Rezipienten haben gelernt, mit beiden Spielarten umzugehen. Mit generierter RealitÀt wird gespielt, es ist klar, dass es sich kaum um ein authentisches Abbild handelt, handeln kann, handeln soll. Das wird auch nicht erwartet.
Bei dokumentierter RealitĂ€t hört der Spaß allerdings auf: Hier erwarten die Betrachter AuthentizitĂ€t ohne wenn und aber.
Ob ein Bild nun generierte oder dokumentierte RealitĂ€t darstellt, ist zunĂ€chst schwer zu erkennen und wird zunehmend nur noch durch den Kontext, in dem sie sich befinden, definierbar. Wieder ein Beispiel: Über die Kunstmenschen, die auf den Titelbildern von Zeitschriften wie beispielsweise TV Spielfilm erscheinen, regt sich niemand auf - zu offensichtlich ist, das diese Bilder nicht authentisch sind.
Manipulationen im nachrichtlichen Kontext stoßen aber noch immer auf Empörung, das zeigt beispielsweise der Fall Adnan Hajj. GlĂŒcklicherweise, möchte man ausrufen.

ZurĂŒck zur Bildmanipulation. Bei der Frage nach AuthentizitĂ€t stĂ¶ĂŸt man auf eine harte Erkenntnis: NatĂŒrlich ist auch ein Bild, das nichts anderes zeigt als die RealitĂ€t, in gewisser Weise manipuliert. Allein die Wahl des Aufnahmestandorts ist eine erste Manipulation, hinzu kommen etliche weitere Aufnahmeparameter. Diese Beeinflussungen mĂŒssen noch nicht einmal absichtlich entstehen. Es ist aber wohl nicht sehr zielfĂŒhrend, den Begriff der Manipulation soweit auszudehnen.
Wenn wir von manipulierten, von gefĂ€lschten Bildern sprechen, so meinen wir im engeren Sinne Bilder, deren Aussage im Nachhinein verĂ€ndert wurde, bei denen spĂ€ter vorsĂ€tzlich etwas weggenommen oder hinzugefĂŒgt wurde, was im Zeitpunkt der Aufnahme vorhanden war. Bildmanipulation in diesem allgemeingebrĂ€uchlichen Sinne ist also das Ändern der RealitĂ€tsabbildung im Nachhinein.

Das bedeutet aber auch: Auf das, was aufgenommen wurde, kann man sich verlassen. Und weiter: Auf das, was man selbst aufgenommen hat, kann man sich verlassen - genau so funktioniert Existenzvergewisserung.

Der Image Fulgurator des Berliner KĂŒnstlers Julius von Bismarck bricht diese Gewissheit auf. Sein "Aparat zur "minimal-invasiven Manipulation von Fotographien (Fehler im Original)" Ă€ndert die RealitĂ€t in dem Moment, in dem sie festgehalten wird. Dabei ist diese VerĂ€nderung nur fĂŒr einen Wimpernschlag sichtbar und wird erst auf den fertigen Bildern sichtbar.

Das GerĂ€t ist verblĂŒffend einfach aufgebaut. Ein Sensor registriert das Blitzlicht eines Fotoapparates und löst eine Projektion auf das Motiv aus. Ironischerweise geschieht dies mit einem umgebauten Fotoapparat, der den Weg der Bildwerdung vom Kopf auf die FĂŒĂŸe stellt.

Das Resultat ist verblĂŒffend, ja teils verstörend, wen man die Reaktionen der Fotografen berachet. Das Prinzip der RealitĂ€tsabbildung wurde offenbar aprupt und nachhaltig durchbrochen, ohne dass die Fotografen sich dies erklĂ€ren können.

Am Rande sei noch erwĂ€hnt, dass ich eine Ă€hnliche Aufhebung der RealitĂ€tsvergewisserung vor einigen Jahren erlebte, als Besucher einer Ausstellung eine Videoinstallation, die auf eine Leinwand projeziert wurde, zur Erinnerung festhalten wollten. Durch Blitzeinsatz auf die Videoleinwand war das Resultat meistens eine Bild, dem die Erinnerung fehlte: Eine weiße Leinwand. Manche Leute versuchten mehrmals, die flĂŒchtigen Bilder zu fotografieren, mussten dann aber, nach mehrmaliger Kontrolle auf dem Display, aufgeben.
Interessant war, dass die Menschen das Scheitern ihrer BemĂŒhungen sofort oder nach einigen Versuchen, eher gleichmĂŒtig hinnahmen.

Folgendes Video zeigt den Einsatz des Image Fulgurator am Berliner Checkpoint Charlie. Der Image Fulgurator projeziert auf das berĂŒhmte Schild "You are entering the American Sector" den Satz "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border". Die Reaktionen der Fotografen sind ganz und gar nicht gleichmĂŒtig, stellenweise wirken die Leite verstört ("It's spooky").

Im Gegensatz zur Videoinstallation, die ja von vorneherein einen spielerischen Kontext aufbaute, ist dies Ernst. Hier ist keine situationsbedingte ErklÀrung zur Hand.
Das Prinzip der Selbstvergewisserung wurde ganz offenbar fĂŒr einen Moment aufgebrochen, der Glaube an die AuthentizitĂ€t der selbst konservierten RealitĂ€t erschĂŒttert. Von Bismarck selbst formuliert dies so:

A camera can be used as a personal memory tool, since people do not doubt the veracity of their own photographs. [...] with the Fulgurator it is possible to have a lasting effect on those kinds of individual moments and events that become accessible to the masses only because they are preserved photographically.
In this context the Fulgurator represents a manipulation of visual reality and so targets the very fabric of media memory.

Diesen politischen Anspruch haben manche aber wohl nicht ganz verstanden:

FĂŒr alle Leute, die was gegen die Touristen mit diesen lĂ€stigen Kameras tun wollen, hat ein Mensch namens Julius von Bismarck einen Apparat zur sogenannten “minimal-invasiven Manipulation von Fotoapparaten erfunden.

Vom 4. bis 9. September ist der Image Fulgurator auf der CyberArts-Ausstellung im Rahmen des Ars Electronica-Festivals in Linz zu sehen.

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Adobe Express Lizenzbedingungen: Nachbesserung in Sicht

 Verfaßt am 28.03.08 um 11:47 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik, die weite Welt des www

Der Adobe Photoshop Senior Product Manager, John Nack, hat auf seinem Blog eine Mitteilung des Photoshop Express Teams veröffentlicht:

We've heard your concerns about the terms of service for Photoshop Express beta. We reviewed the terms in context of your comments - and we agree that it currently implies things we would never do with the content. Therefore, our legal team is making it a priority to post revised terms that are more appropriate for Photoshop Express users. We will alert you once we have posted new terms. Thank you for your feedback on Photoshop Express beta and we appreciate your input.

Adobe hat also die Kritik und BefĂŒrchtungen an den derzeitigen Nutzungsbedingungen wahrgenommen und arbeitet nun daran, angemessenere (O-Ton Adobe) Nutzungsbedingungen zu erarbeiten.

Schön, das Adobe so schnell reagiert.

John Nacks Blog ist, das sollte noch erwĂ€hnt werden, sein privates Blog. Die Veröffentlichungen dort mĂŒssen nicht zwangslĂ€ufig offizielle Adobe-Positionen sein (wobei man davon ausgehen kann, dass Nack nicht unbedarft Interna oder halbgare GerĂŒchte veröffentlicht).

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Adobe Express: Erst lesen, dann hochladen

 Verfaßt am 27.03.08 um 16:24 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Praxis, Technik, die weite Welt des www


Gerade beim public eye blog gelesen: "Nachdem lange Zeit immer wieder GerĂŒchte durchs Netz geschwirrt sind, ist das browser-basierte Adobe Photoshop Express jetzt als Public-Beta-Version online."

Ich als alter Kontrollfreak bin zwar gar kein Freund der Modewelle browserbasierte Anwendungen, aber gut, das ist wohl Geschmackssache.

Ein erster Blick auf die Seite: Ganz nett gemacht, und zwei GB Speicherplatz sind schließlich auch dabei.

Was aber den Einsatz von Adobe Photoshop Express (und damit auch einen ausfĂŒhrlichen Test) fĂŒr mich von vorneherein ausschließt, ist folgender Passus in den Nutzungsbedingungen:

Adobe does not claim ownership of Your Content. However, with respect to Your Content that you submit or make available for inclusion on publicly accessible areas of the Services, you grant Adobe a worldwide, royalty-free, nonexclusive, perpetual, irrevocable, and fully sublicensable license to use, distribute, derive revenue or other remuneration from, reproduce, modify, adapt, publish, translate, publicly perform and publicly display such Content (in whole or in part) and to incorporate such Content into other Materials or works in any format or medium now known or later developed.

Zu deutsch etwa: Adobe erhebt keinen Besitzanspruch auf Ihre Werke. Jedoch gewĂ€hren Sie Adobe hinsichtlich Inhalten, welche Sie ĂŒbermitteln oder fĂŒr die Einbindung in öffentlich erreichbare Bereiche des Dienstes [gemeint ist Adobe Express, d.Verf.] verfĂŒgbar machen, eine weltweite, gebĂŒhrenfreie [fĂŒr Adobe gebĂŒhrenfrei, d.Verf.], nichtexklusive, immerwĂ€hrende, unwiderrufliche und in vollem Umfang weiterlizensierbare [von Adobe an Dritte, d.Verf.] Genehmigung, diese Inhalte oder Teile davon zu verwenden, verbreiten, damit Einnahmen oder andere VergĂŒtungen zu erzielen, zu reproduzieren, modifizieren, adaptieren [umarbeiten, d.Verf.], publizieren, ĂŒbersetzen, öffentlich aufzufĂŒhren und öffentlich abzubilden sowie solche Inhalte in andere GĂŒter oder Werke jeglicher AusfĂŒhrung oder jeglichen Medius, sei es derzeitig bekannt oder zukĂŒnftig entwickelt, einzuarbeiten.

Dieser Passus könnte nun natĂŒrlich der Standardpassus des Adobe-Hausjuristen fĂŒr Webanwendungen sein, mit dem sich Adobe möglichst nach allen Seiten absichern möchte. Sicher ist dies jedoch nicht, und wenn man bedenkt, welche Dimensionen der globale Bildermarkt hat, könnte man sich durchaus vorstellen, dass Adobe den Passus vollbeabsichtigt so, wie er ist, verfaßt hat.

Inwiefern dieser Passus ĂŒberhaupt rechtswirksam ist, darĂŒber mögen sich die Juristen streiten. Auch darĂŒber, ob dieser Passus mit dem deutschen Recht des Urhebers auf Urheberkennzeichnung (§13 UrHG) kollidiert, ist eine Frage. Auch ansonsten lassen sich ganz tolle Konstruktionen fĂŒr zukĂŒnftige Rechtsstreite ausdenken: Ein Abgebildeter verklagt Adobe wegen Verletzung des Rechts am eigenen Bild, Adobe wiederum hĂ€lt sich an den Urheber (der in einem anderen Passus versichert, im Besitz von Veröffentlichungsrechten zu sein)... undsoweiter undsofort.

Wie auch immer dem sei, was auch immer dahinter steckt: Da ich ĂŒber die Verwendung meiner Bilder selbst bestimme, ist dieser Dienst zu diesen Bedingungen fĂŒr mich nicht annehmbar.

Habe ich schon erwÀhnt, dass ich als Kontrollfreak...? Aber das ist eine andere Geschichte.

UPDATE Adobe wird die Lizenzbedingungen nun offenbar ĂŒberarbeiten. Hier mehr dazu.

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Die Brennweite und ihr Einfluß auf die Perspektive

 Verfaßt am 27.03.08 um 03:31 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik , Tags: ,


Unter Fotografen weit verbreitet ist die Ansicht, dass die Brennweite Einfluß auf die Perspektive habe. Dies Ă€ußert sich in allgemein bekannten Regeln wie "Ein Teleobjektiv verdichtet die Perspektive", "macht den Raum flach" oder "Ein Weitwinkel verzerrt den Raum".
Was in der fotografischen Praxis zunĂ€chst einmal bewĂ€hrt, nachvollziehbar und deshalb richtig erscheint, ist jedoch nichts anderes als eine optische TĂ€uschung. TatsĂ€chlich hat die Brennweite ĂŒberhaupt keinen Einfluß auf die Perspektive. Die Perspektive wird einzig und allein durch den Aufnahmeabstand beeinflußt.

Mit einem Versuch lĂ€ĂŸt sich dies feststellen. Folgende Aufnahmen wurden vom selben Kamerastandpunkt aufgenommen, einmal mit 14mm Brennweite, einmal mit 28mm, einmal mit 50mm und einmal mit 85mm (der sogenannte Cropfaktor, also das VerhĂ€ltnis der GrĂ¶ĂŸe des Bildsensors zum Kleinbildformat, wird hier nicht genannt - denn auch die GrĂ¶ĂŸe des Aufnahmeformats hat keinerlei Einfluß auf die Perspektive - spĂ€ter dazu mehr).

An den Bildern wurde nichts geĂ€ndert außer leichter Kontrastanhebung und leichtem NachschĂ€rfen. Außerdem wurden vorhandene Kennzeichen unkenntlich gemacht.

14mm Brennweite
14mm Brennweite

28mm Brennweite
28mm Brennweite

50mm Brennweite
50mm Brennweite

85mm Brennweite
85mm Brennweite

Und in der Tat scheint die Brennweite einen Einfluß auf die Perspektive zu haben: Ist nicht das Bild, das mit 15mm Brennweite aufgenommen wurde, weitwinkeltypisch verzerrt? Und ist nicht jenes mit 85 mm verdichtet?
Nun, schauen wir uns einmal die Bestandteile an, die in allen Bildern vorhanden sind. Das bedeutet, wir schneiden einfach mal all das weg, was nicht im 85er-Bild (der Einfachheit halber nenne ich die Bilder der verschiedenen Brennweiten im weiteren Verlauf so) zu sehen ist. Dabei erhalten wir natĂŒrlich verschiedene Ausschnitte:

Ausschnitt 85mm Brennweite
85mm

Ausschnitt 50mm Brennweite
50mm

Ausschnitt 28mm Brennweite
28mm

Ausschnitt 14mm Brennweite
14mm

Jetzt, da nur noch die gemeinsamen Bildbestandteile aller Brennweiten sichtbar sind, kann unser Gehirn uns nicht mehr ĂŒber den Kontext der jeweiligen unterschiedlichen Bildbestandteile tĂ€uschen.
Um nun auch noch die letzte EinflußgrĂ¶ĂŸe, die unser Gehirn zur Perspektive relativiert, auszuschalten, bringen wir alle Ausschnitte auf die gleiche GrĂ¶ĂŸe:

Ausschnitt 14mm Brennweite

Ausschnitt 28mm Brennweite

Ausschnitt 50mm Brennweite

Ausschnitt 85mm Brennweite

Wir sehen: Die Bilder - und die Perspektiven - sind gleich. NatĂŒrlich ist das 14er qualitativ schlechter als das 85er - es ist ja stĂ€rker vergrĂ¶ĂŸert. Dem werten Leser sei versichert, dass obige Bilder wirklich die vergrĂ¶ĂŸerten Ausschnitte sind. Oben das 14er, gefolgt vom 28er, danach das 50er, und schließlich das 85er.

Die Brennweite verÀndert also nicht die Perspektive! Was die Brennweite Àndert, ist der Bildwinkel, also der auf dem Aufnahmemedium abgebildete Ausschnitt des Motivs (hier auch nochmal bei Wikipedia erklÀrt). Die "Verdichtung" oder "Verzerrung" entsteht in unserem Gehirn, das alle Bildbestandteile zueinander in Beziehung setzt. Man könnte sagen, die Brennweite Àndert nicht die Perspektive, aber die Bildwirkung.

Genausowenig wie die Brennweite die Perspektive Ă€ndert, so wenig Ă€ndert ĂŒbrigens die GrĂ¶ĂŸe des Aufnahmemediums (also Film oder Sensor) die Perspektive. Denn auch die GrĂ¶ĂŸe des Aufnahmemediums Ă€ndert nur den Bildwinkel - sozusagen diesmal aber von der anderen Seite des Objektives. Ein 50mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera bildet die selbe Perspektive ab wie das selbe 50mm-Objektiv (hypothtisch) an einer Digital-Kompaktkamera mit findernagelgroßem Sensor; lediglich der Ausschnitt des Motivs verĂ€ndert sich.

Die falsche Annahme, die Brennweite verĂ€ndere die Perspektive, rĂŒhrt daher, dass unser Gehirn immer alle Bildbestandteile in die perspektivische Auswertung mit einbezieht: Ein kleinerer Bildwinkel bei gleicher BildgrĂ¶ĂŸe fĂŒhrt zum Eindruck einer "Verzerrung" der Perspektive. Ein grĂ¶ĂŸerer Bildwinkel bei gleicher BildgrĂ¶ĂŸe gauklet unserem Gehirn eine "Verdichtung" der Perspektive vor.

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Erst dann, wenn wir nur noch die gemeinsamen Bildbestandteile verschiedener Bildwinkel (seien die verschiedenen Bildwinkel nun durch verschiedene Brennweiten oder verschiedene GrĂ¶ĂŸen des Aufnahmemediums entstanden) betrachten, sehen wir, dass sie sich nicht unterscheiden.

Wer nun zweifelt, dass der Versuch wirklich beweist, dass die Brennweite keinerlei Einfluß auf die Perspektive hat, der sei ermutigt, den Versuch selbst durchzufĂŒhren. Gerade digital ist er von jedermann ohne allzugroßen Aufwand durchzufĂŒhren. Wichtig ist nur, dass die Aufnahmen mit den verschiedenen Brennweiten mit exakt gleichen Kamerastandpunkt durchgefĂŒhrt werden! Eine Änderung des Kamerastandpunktes hat nĂ€mlich, im Gegensatz zur Brennweite, zwangslĂ€ufig Auswirkungen auf die Perspektive (dazu wird es hier in nĂ€chster Zeit einen weitern Versuch geben)!
Nochmal: Bei diesem Versuch darf der Kamerastandpunkt nicht verÀndert werden! Ein Stativ oder eine andere geeignete Fixierung der Kamera ist also Pflicht.

Es lohnt sich ĂŒbrigens wirklich, diesen Versuch selbst einmal mit eigenem Material durchzufĂŒhren, denn der Erkenntnisgewinn ist, egal ob man Skeptiker ist oder nicht, sehr groß.
All jenen, die meinem Worte weniger vertrauen als dem eines Meisters, oder denen, die das Ganze lieber in gedruckter Form lesen möchten, sei Feiningers Hohe Schule der Fotografie ans Herz gelegt (auch ansonsten ist dieses Buch sehr empfehlenswert!); hier wird unser Versuch nochmals ausfĂŒhrlich besprochen.

Verwendetes Material: Nikon D200, Sigma AF 14mm F3.5, Sigma 28mm F1.8 EX DG Macro ASP, Nikon AF Nikkor 50mm 1:1.8D, Nikon AF Nikkor 85mm 1:1.8

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Leica: Premium, auf die Spitze getrieben

 Verfaßt am 13.02.08 um 00:37 Uhr, von , Kategorien: Theorie, Technik , Tags:

Eine Leica zu besitzen, war seit jeher etwas besonderes. Auch heute noch ist der Name Leica ein Mythos. Dabei hat Leica, die große Kamerafirma, die Wegbereiter fĂŒr die moderne Reportagefotografie war, seit den 1980er Jahren eigentlich, böse gesagt, den Anschluß verpaßt.
In wirtschaftliche Schieflage geraten, bedient Leica seit jener Zeit zunehmend das sogenannte Premium-Segment unter den KamerakĂ€ufern. Das mag man nun persönlich fĂŒr gut oder böse, fĂŒr zweckdienlich oder kontraproduktiv halten - so wurde eben entschieden.

Anfang Februar kĂŒndigte Leica nun ein 1200 Euro kostendes LEICA M8 Upgrade Programm an. Das Programm beinhaltet einen neuen, leiser und sanfter ablaufenden Verschluß (einen Vergleich der VerschlußgerĂ€usche kann man sich auf der Leica-Homepage anhören) und ein Saphirdeckglas fĂŒr die LCD-Anzeige. Dabei muss die Kamera laut Leica fast vollstĂ€ndig zerlegt und wieder montiert sowie justiert werden, was den Preis wohl auch miterklĂ€rt.

Wem das aber nicht premium genug ist, dem sei gesagt, dass nicht jeder Besitzer einer M8 in den Genuß dieses Upgrades (am Rande: Warum hat Leica eigentlich keinen deutschen Begriff dafĂŒr verwendet?) kommen wird. Das Upgrade setzt nĂ€mlich den Erwerb eines Zertifikats voraus, und diese Zertifikate wiederum sind zum einen limitiert und zum anderen nur in einem bestimmten Zeitraum erhĂ€ltlich.

Leica begrĂŒndet dies mit begrenzten MontagekapazitĂ€ten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und das Premiumsegment im Hinterkopf hat...

Gerade gesehen: Rajue berichtet im Public Eye Blog, dass ein Hamburger HĂ€ndler in einem Rundbrief schreibt:

[...] Leica wird dieses Upgrade direkt [...] unter Ausschluss des Fachhandels durchfĂŒhren. Hier bricht Leica wiederholt mit der traditionellen Treue zum Fachhandel. [...]

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Existenzvergewisserung: Die Kamera als Spiegel des Selbst

 Verfaßt am 09.01.08 um 01:01 Uhr, von , Kategorien: Theorie , Tags: ,


In der taz (gefunden via The Public Eye Blog) beschreibt Arno Frank das, was er kolumnengerecht Digitalitis nennt: Die zunehmende zwanghafte Handlung, nahezu alle Ereignisse (wenn man denn ĂŒberhaupt von Ereignissen sprechen kann) in Bild (sei es nun bewegt oder unbewegt) festzuhalten.

Frank erzÀhlt von der Entzauberung der Momente durch massenhaftes Re-Inszenieren, von der sinnlichen Abstumpfung durch suchtÀhnliches Pseudo-Dokumentieren, ja letzendlich philisophisch vom Weltverlust.
Jeder, der in letzter Zeit bei einem sogenannten Event zugegen war, wird diese Beobachtungen teilen können. Zu recht fragt Frank angesichts der allgegenwÀrtigen Blitzlichtgewitter, was denn damit gewonnen sei.

Wir wissen es nicht, doch wir ahnen es. Frank spricht es aus: "Es ist die nackte Angst. Angst vor dem Augenblick, dem seine VergÀnglichkeit immer schon eingeschrieben ist, Angst vor dem Tod. Mit der Verve der Verzweiflung soll gebannt werden, was nicht zu bannen ist, das Leben an sich."

Das ist in der Tat treffend. Es ist im Übrigen nicht die VerfĂŒgbarkeit entsprechender Apparate, sprich: erschwinglicher Digitalkameras an sich, die jene Zwanghaftigkeit befördert, aber die ungeheure Verbreitung dieser Apparate hat die Psychose erst zur Massenpsychose befördert - spĂ€testens seit dem Siegeszug des Fotohandys.

Noch interessanter ist allerdings, was mit den Bildern geschieht, die zur Todesbezwingung gemacht werden. Denn das Verhalten vieler Existenzdokumentierer ist ein eigentlich kontraproduktives. Ginge es um Unsterblichkeit, so mĂŒssten die Bilder, gleichsam als Denkmal, der Nachwelt zugĂ€nglich gemacht werden - zumindest in der Absicht der Dokumentatoren.
Doch dies ist mitnichten der Fall. Gerade bei jungen Leuten erlebe ich es immer wieder, dass sich um die Kamera geschart wird, dass beliebige Momente festgehalten und unmittelbar danach angeschaut werden. Das GerĂ€t macht die Runde, es wird kommentiert, es wird gelacht. So weit, so vorhersehbar. Auf Nachfrage, was denn nun mit dem Aufgenommenen geschehe - denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was man denn mit dieser BilderfĂŒlle anstellen soll - , ernte ich oftmals ein lapidares "das wird gelöscht, wenn's alle gesehen haben" oder "wenn's ein paar Tage alt ist".

Hier geschieht etwas Interessantes: Das Denkmal wird in die Gegenwart vorverlagert. Das aber heißt: Nicht der Tod wird bezwungen, sondern die eigene jetztzeitige Existenz wird sich selbst bewiesen. Ich sehe mich, also bin ich.

Danach kann gelöscht werden.

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